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WISSENSCHAFT

Serbischer Forscher holt gefrorene Lebewesen ins Leben zurück

(FOTO: YouTube/Printscreen)
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Der serbische Akademiker Radoslav Andjus legte 1951 mit seinen erfolgreichen Rattenexperimenten die Grundlage für die Kryopräservation bzw. das Tiefgefrieren von Lebewesen und stellte damit als erster die Unumgänglichkeit des Todes in Frage.

Den Tod zu besiegen, den Alterungsprozess aufzuhalten und Krankheiten zu heilen ist eine uralte Sehnsucht und ein Wunsch, der so alt ist wie die Menschheit selbst. Auch wenn die Unsterblichkeit noch in weiter Ferne liegt, widmen sich zwischenzeitlich ganze Wissenschafts- und Industriezweige der Langlebigkeit und der Verlängerung des menschlichen Daseins auf Erden.

Weder die Unsterblichkeit noch ein längeres Leben hätten in unserer Zeit eine solche Bedeutung gewonnen, wenn der serbische Wissenschaftler Radoslav Andjus (1926-2003) nicht gewesen wäre. Andjus war Professor für Physiologie und Biophysik an der Universität Belgrad.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als Andjus mit seiner Forschung begann, lag die serbische Nationalbibliothek noch in Schutt und Asche. Daher konnte der Forscher gar nicht nachlesen, dass es der Wissenschaft bis dahin gelungen war, die Körpertemperatur der Labormäuse nur bis 15 Grad herabzusenken, bevor die Tiere verendeten. Statt an der bestehenden Forschung festzuhalten, erfand Andjus eine neue Technik, mit der er Tiere wiederbeleben konnte, nachdem er ihre Körpertemperatur auf null Grad gesenkt hatte.

Andjus Technik, die der Wissenschaftler 1951 der Weltöffentlichkeit vorstellte, war so einfach wie wirkungsvoll. In einem ersten Schritt wurde die Körpertemperatur der Laborratten von 37 Grad auf ca. 20 Grad reduziert, indem die Tiere jeweils in einem verschlossenen Glastiegel in den Kühlschrank gestellt wurden. Die Tiere atmeten in den Tiegeln viel Kohlenstoff ein, wodurch sie benommen wurden. Das war eine sehr einfache Form von Anästhesie.

Im nächsten Schritt wurden die benommenen Tiere auf Eis gelegt, wo ihre Körpertemperatur auf null Grad reduziert wurde. Sie blieben für 40-50 Minuten auf Eis.

Ursprünglich versuchte Andjus, die Tiere in einem warmen Wasserbad wieder zu Leben zu erwecken, aber diese Versuche blieben ohne Erfolg. Da begriff der Forscher, dass nicht der gesamte Körper zugleich, sondern zuerst bestimmte Körperregionen, z.B. rund ums Herz, erwärmt werden mussten. Er legte eine warme Spatula auf die Brust der Versuchstiere auf und gab ihnen künstliche Beatmung. Rund 20 Prozent der so wiederbelebten Tiere lebte länger als 24 Stunden.

Als Andjus 1955 die Bekanntschaft mit dem weltberühmten Professor Smith machte, versuchten die beiden Forscher mit geeinten Kräften, die Ursache für die hohe Sterblichkeit bei den wiederbelebten Versuchstieren festzustellen, die sie in einem Fehler während des Kühlprozesses oder während der Reanimation vermuteten. Da beschlossen die Forscher, für die Wiederbelebung spezielle Wärmelampen einzusetzen, womit sie phantastische Ergebnisse erzielten: 76 Prozent der Versuchsratten überlebten die ersten 24 Stunden, über 68 Prozent der Tiere leben länger als 66 Tage nach dem Versuch.

Mit diesem Experiment ermöglichten die Forscher einen riesigen Fortschritt für die Wissenschaft. Besonders bemerkenswert war, dass bei den Tieren keine neurologischen Veränderungen oder Störungen der Körperfunktionen festgestellt wurden, die Kryopräservation hinterließ offenbar keine Schäden.

Der serbische Wissenschaftler Radoslav Andjus wurde für seinen Beitrag für die Wissenschaft weltweit gefeiert. Dank seiner Forschung fand Science Fiction Einzug in die Wirklichkeit.

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