Acht Jahre lag das Skelett unentdeckt im Waldstück an der A1. Was Forstarbeiter bei Pöchlarn fanden, entpuppte sich als Schlüssel zu einem lange vergessenen Verbrechen.
Der Leichenfund an der A1-Abfahrt bei Pöchlarn blieb acht Jahre unentdeckt, bis Forstarbeiter auf menschliche Knochenteile stießen.
Ein 45-jähriger ungarischer Gelegenheitsarbeiter wurde mit mehreren Messerstichen getötet und in einem Waldstück neben der Westautobahn zurückgelassen. Seine sterblichen Überreste lagen acht Jahre lang unbemerkt im Grünstreifen nahe der Autobahnabfahrt Pöchlarn. Da niemand den Mann in seiner Heimat als vermisst gemeldet hatte, kam der Fall erst in Gang, als Forstarbeiter am 18. Dezember 2020 in dem Waldgebiet an der A1 auf menschliche Knochenteile aufmerksam wurden.
Die gefundenen Überreste wurden als menschliches Skelett identifiziert. Daraufhin rückten Spezialisten für Tatortarbeit und Mordermittler des niederösterreichischen Landeskriminalamts aus, um eine gründliche Spurensicherung vorzunehmen. Aufgrund der spärlichen Anhaltspunkte bei der skelettierten Leiche entschieden die LKA-Beamten, das umliegende Areal des Fundorts roden zu lassen – eine Entscheidung, die sich als entscheidender Durchbruch erweisen sollte.
Die Ermittler entdeckten im Unterholz eine dunkle Lederjacke, die dem Verstorbenen zugeordnet werden konnte. Das Kleidungsstück wies zahlreiche Einstichstellen auf, die auf ein Messer als Tatwaffe hindeuteten, wie ein beteiligter Kriminalist berichtete. Ein Gerichtsmediziner verglich die Positionen der Einstiche an der Jacke mit dem Skelett und stellte übereinstimmende Spuren von Einstichkanälen an Rippen und weiteren Knochenteilen fest. Diese Erkenntnisse bestätigten für die Ermittler, dass der Mann einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war.
Entscheidende Spuren
„Eine DNA-Analyse ergab, dass es sich bei dem Toten um einen 45-jährigen ungarischen Mann handelt, der im Jahr 2012 – damals von einem unbekannten Täter – durch mehrere Messerstiche getötet wurde. Sein Verschwinden war all die Jahre über von niemandem gemeldet worden„, heißt es in einer Stellungnahme des ungarischen Staatssekretariats für Strafverfolgung, Rendeszeti Allamtitkarsag (ungarische Strafverfolgungsbehörde).
Das niederösterreichische LKA erhielt Unterstützung durch Mordermittler des nationalen Ermittlungsbüros der ungarischen Polizeibehörden, die Umfelderhebungen und Befragungen in Ungarn durchführten. „Die Rekonstruktion der Lebensumstände des Opfers sowie die Befragung seiner Freunde und Bekannten führten zu neuen, wichtigen Erkenntnissen“, teilt das nationale Ermittlungsbüro mit.
Tatverdächtiger identifiziert
Die Ermittlungen führten zu Zoltan O., einem heute 55-jährigen Mann, der gegenwärtig eine Haftstrafe wegen Raubes in Ungarn verbüßt. Er war mit dem Opfer bekannt. Die Rekonstruktion der Ereignisse vor 13 Jahren ergab, dass beide Männer gemeinsam aus der Stadt Nagykanizsa südlich des Balaton für Gelegenheitsarbeiten nach Österreich gereist waren. Laut Ermittlern hatten die Männer erheblich Alkohol konsumiert und waren während der Fahrt in Streit geraten. „Ein Streit, den Zoltan O. schließlich in einem Waldstück neben der Autobahn A1 mit Messerstichen beendete. Um die Leiche kümmerte er sich kaum – er ließ sie einfach dort zurück und kehrte nach Ungarn zurück“, erklärt das ungarische Staatssekretariat Rendeszeti Allamtitkarsag.
Die Ermittlungen wurden von der Staatsanwaltschaft St. Pölten an die ungarischen Behörden übergeben und werden seit Ende März vom nationalen Ermittlungsbüro weitergeführt. Der Tatverdächtige streitet die Vorwürfe bislang ab. In Kürze soll der Prozess in Ungarn beginnen, bei dem sich Zoltan O. wegen Mordes verantworten muss.
„Wir sind froh, dass unsere Arbeit zur Klärung des Falles beitragen konnte“, erklärt der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Stefan Pfandler.
Der Fall galt über ein Jahrzehnt als eines der wenigen ungelösten Mordverbrechen in Niederösterreich.
Nach 13 Jahren konnte die Bluttat an der Westautobahn bei Pöchlarn aufgeklärt werden.