SPÖ-Mitglied mit Balkanwurzeln: „Kern darf bei der EU-Wahl nicht antreten“ (VIDEO)

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SPÖ-Mitglied mit Balkanwurzeln: „Kern darf bei der EU-Wahl nicht antreten“ (VIDEO)

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(FOTO: YouTube-Screenshot, Facebook/Christian Kern)

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Ich bin ein einfaches SPÖ – Parteimitglied und möchte hier ein paar klare Worte, die mich in den letzten Tagen beschäftigen, aussprechen.

„Christian Kern darf nicht als SPÖ – Spitzenkandidat bei der EU – Wahl antreten.“

Es kam anders, als es sich Genosse Christian vorgestellt hatte. Es kam zu Neuwahlen und dazu brauchte er eine Wahlkampagne. Während der Wahlkampagne ging alles schief, was nur schief gehen konnte. Natürlich war Tal Silberstein, seine Methoden, das Schlimmste, was einem SPÖ Vorsitzenden passieren kann. Auch die Haltung von Kern zu gewissen politischen Fragen oder zu manchen politischen Gegnern war sehr schwankend, so dass ich als einfaches Mitglied nicht mehr sicher war, wofür steht Christian Kern? Er sprach von einem „amikalem Verhältnis“ zu Strache (plant er gar die Koalition mit der FPÖ?). Er erwähnte 12 Std/Tag in seinem Plan A (Ist das wirklich anders als die jetzige Regierung es vor kurzem umgesetzt hat?) usw.

Die SPÖ war in der Opposition und Christian Kern war nicht in der Lage als Chef einer führenden Oppositionspartei richtig zu agieren. Ich habe gemerkt, dass sich Kern schwer tut, die Regierung anzugreifen und noch schwerer mit den Themen wie 12 Std/Tag umzugehen. Es war mir klar, dass Christian Kern in der Oppositionsrolle nicht fähig ist unsere Partei zu stärken und überzeugend mehr WählerInnen zurückzugewinnen, damit die SPÖ bei der nächsten Wahl wieder eine Chance auf den Bundeskanzler bekommt. Er ist ein Manager, aber in der Politik sind die Regeln eben ganz anders. Als Oppositionspolitiker ist man nicht immer unterwegs mit Staatsgästen und die Sendezeit in den Medien verkürzt sich drastisch.

Und dann kam der Crash. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Gewerkschaft den heißen Herbst, Streiks und den Kampf gegen die Regierung ansagt, kommt Christian Kern (anscheinend neigt er sogar unbewusst zu solch Missgeschicken) mit seinem Rücktritt raus. Natürlich ist der Auftakt der Gewerkschaft dadurch in den Medien fast untergegangen. Dafür kann sich Kurz bei Kern bedanken. Und jetzt kommt es: Bei seiner Rücktrittankündigung auf Raten, nominiert er sich selbst als SPÖ – Spitzenkandidat für die EU – Wahl 2019. Wie überzeugt man von sich selbst sein muss, wenn man nach so einer Performance und so einem Rücktritt noch glauben kann, etwas im Alleingang entscheiden zu können?! Er hat so viel an der Glaubwürdigkeit der SPÖ zerstört, dass er einfach in so einer Spitzenfunktion nicht mehr tragbar ist. Ich hoffe, dass er aus Anstand seinen Wunsch nach einer Kandidatur bei der EU – Wahl zurücknimmt. Er hat bereits sehr viel Schaden produziert und ich würde für ihn meine Hand nicht ins Feuer legen ohne Angst davor, sie mir zu verbrennen. Ich kann ihm einfach nicht mehr glauben, dass er einen Wahlkampf im Sinne der SPÖ führen kann. Er ist für mich unglaubwürdig geworden.

Ein Höhepunkt auf der Kern’schen Minusskala war das Statement, in dem er live sagt, dass die Opposition nicht seines ist und er nicht mit dem Bihänder auf Leute eindreschen kann. Woran erkennt man gute Freunde liebe Genossen, frage ich mich, in guten oder in schlechten Zeiten? Auf einmal, da es unserer Partei schlechter geht und Christian Kern in der Opposition ist, passt ihm das nicht und was macht er? Er lässt die Partei im Stich. Die Opposition sei eben nicht seines, ist mehr als nur Geschmacksache. Es ist ein Schlag ins Gesicht zicktausender Funktionärinnen, Parteimitglieder, Aktivistinnen, die täglich während des Wahlkampfs für ihn ehrenamtlich auf der Straße waren und auch all jener Menschen, die bei Demos gegen die jetzige Regierung aufbegehren und vieler Unbekannter, die mit Hilfe der Social Media dem Rechtsruck in Österreich die Parole bieten. Kern ist sich zu gut für die Opposition? Und wir nicht? Wir als normale Bürger können uns mit der Regierung anlegen und mit dem Bihänder auf sie eindreschen und er, Christian Kern nicht? Wenn nicht der Parteivorsitzende, wer sonst? Passt das nicht in seine Lebensplanung? Ist er nur stark, wenn ihm die Zeiten gutgesinnt sind? Können wir uns auf jemanden verlassen, der uns in so einem wichtigen Moment im Stich lässt?

Wer wäre nicht lieber in Brüssel als Politiker tätig? Ist es glaubhaft, wenn er uns sagt, dass er dadurch noch besser der Sache der SPÖ dient? Wie dick muss die Rosa Brille sein, um dieses zu glauben? Und dann verlangt er, bestimmt er, traut sich zu erwarten, dass wir wieder für ihn bei der EU – Wahl laufen?

Es mag sein, dass er alles anders geplant hat und alles anders wollte und jetzt dennoch alles anders geworden ist. Es mag sein, dass unsere Nationalmannschaft eine der besten der Welt ist, dennoch waren wir bei der Europameisterschaft nicht erfolgreich und mussten es einsehen und nach Hause zurück.

Ich denke, Christian Kern muss jetzt auch einsehen, dass er einfach viel zu viele Fehler gemacht und der Partei geschadet hat und es das einzig Richtige wäre, sich von der EU – Wahl zurück zu ziehen und nicht mehr in der Spitzenpolitik tätig zu sein.
Wenn er wirklich will, dass Pamela Rendi-Wagner eine Chance hat, sich zu entfalten, dann muss er gehen und ihr wirklich Platz machen. Ansonsten wird er ihr enorm schaden, da er ihr in den Medien unweigerlich die Show stiehlt, denn niemand weiß, was er als Nächstes tun wird!!!Was wird die nächste Überraschung, die er für die Genossinnen parat hält?

Glaubwürdigkeit? Nein, leider nicht mehr.

Savo Ristić

Ristić sprach seine Enttäuschung auch vor der Kamera aus. Das Video findet ihr auf der zweiten Seite.

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