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Start und Landung: Deshalb dürfen die Sonnenblenden nicht unten sein

Start und Landung: Deshalb dürfen die Sonnenblenden nicht unten sein
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3 Min. Lesezeit |

Hinter der scheinbar banalen Aufforderung, die Fensterblenden beim Fliegen zu öffnen, steckt ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept mit überraschender Logik.

Sicherheitskonzept mit System

Die Aufforderung, die Sonnenblenden während Start und Landung zu öffnen, gehört zu den Standardansagen bei jedem Flug. Doch hinter dieser scheinbar nebensächlichen Bitte verbirgt sich ein durchdachtes Sicherheitskonzept. Eine ehemalige Flugbegleiterin gibt Einblick in die tatsächlichen Gründe dieser Maßnahme.

Start und Landung stellen die kritischsten Phasen eines Fluges dar. In diesen Momenten ist eine kontinuierliche Überwachung sowohl der Kabine als auch des Außenbereichs unerlässlich. Während das Kabinenpersonal die Situation im Inneren gut im Blick behält, ist ihre Sicht nach außen stark limitiert – sie verfügen lediglich über einzelne Fenster für die Außenbeobachtung.

Genau hier kommen die Passagiere ins Spiel: Mit geöffneten Sonnenblenden fungieren sie als zusätzliche Beobachter. Im Ernstfall – etwa bei Rauchentwicklung oder Feuer an den Triebwerken – können sie das Bordpersonal umgehend alarmieren. Die Reisenden werden so zu einem integralen Bestandteil des Sicherheitssystems.

Besonders wichtig: Die Sonnenblenden müssen vollständig geöffnet sein. Halb geöffnete Blenden sind nicht zulässig, da sie die Sicht behindern und die Reaktionszeit im Ernstfall verzögern können. Das Kabinenpersonal muss im Notfall sofort erkennen können, welche Seite des Flugzeugs für eine Evakuierung sicher ist – eine entscheidende Information, die über Leben und Tod entscheiden kann.

Ein weiteres Element des Sicherheitskonzepts betrifft die Kabinenbeleuchtung. Bei Dunkelheit wird das Licht vor Start und Landung gedimmt oder komplett ausgeschaltet. Diese Maßnahme dient der Anpassung der Augen an die äußeren Lichtverhältnisse. Im Notfall verhindert dies Desorientierung bei einer eventuellen Evakuierung. Gleichzeitig optimiert das Abdunkeln die Sicht auf Notausgänge, Fluchtwege und Rettungszeichen. Dadurch wird im Ernstfall die Orientierung erleichtert und die Evakuierungszeit verkürzt, da Passagiere und Crew sofort auf die äußeren Lichtverhältnisse vorbereitet sind. Erst nach Abschluss dieser kritischen Flugphasen wird die normale Beleuchtung wiederhergestellt und die Bewegungsfreiheit an Bord gegeben.

Während des Reiseflugs kann es hingegen vorkommen, dass die Crew um das Schließen der Sonnenblenden bittet – insbesondere bei Nachtflügen, wenn die Morgendämmerung einsetzt. Dies geschieht aus Rücksicht auf schlafende Passagiere, die nicht vorzeitig durch Sonnenlicht geweckt werden sollen.

Mentale Vorbereitung

In größeren Flugzeugen nehmen Flugbegleiter während Start und Landung auf speziellen Sitzen inmitten der Passagiere Platz. Viele Reisende nutzen diese Gelegenheit für Fragen, doch die zurückhaltende Reaktion der Crew hat einen wichtigen Grund.

In diesen kritischen Phasen konzentrieren sich Flugbegleiter vollständig auf ihre Sicherheitsaufgaben. Äußerlich ruhig sitzend, bereiten sie sich mental auf mögliche Notfallszenarien vor. Sie wiederholen im Kopf Evakuierungskommandos und vergegenwärtigen sich die Besonderheiten der ihnen zugewiesenen Flugzeugtür. Da jede Tür mit unterschiedlichen Notrutschen ausgestattet ist und spezifische Bedienungsabläufe erfordert, variieren auch die entsprechenden Kommandos.

Die Zurückhaltung der Flugbegleiter während dieser Phasen resultiert also nicht aus Unfreundlichkeit, sondern aus ihrer Fokussierung auf den Kernaspekt ihrer Tätigkeit: die Sicherheit aller Passagiere zu gewährleisten.

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KO KOSMO-Redaktion
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