Aus Benkos gescheitertem Luxustempel wird ein Wohn- und Hotelprojekt. Die Nachbarn atmen auf: Statt Dachpartys und Edelboutiquen kommt eine gemäßigtere Nutzung.
Die Neunutzungspläne für die ehemalige Benko-Bauruine in der Mariahilfer Straße wurden kürzlich den Anwohnern präsentiert. Das Konzept sieht nun 200 Wohneinheiten, ein erweitertes Hotelkonzept mit 220 Zimmern sowie den Verzicht auf gastronomische Einrichtungen auf der Dachterrasse vor. Ein Anrainer namens Herbert, dessen Identität von der Redaktion geschützt wird, äußert sich verhalten optimistisch: „Für die Nachbarn ist es sicher besser und leiser, da wohl keine Partys am Dach stattfinden werden, wie es vielleicht sonst gewesen wäre.“ Trotz des Verzichts auf Gastronomiebetriebe bleibt die Dachfläche für die Öffentlichkeit zugänglich.
Modifiziertes Konzept
Die Projektentwickler haben die ursprüngliche Konzeption deutlich modifiziert. Statt der anfänglich geplanten acht Etagen für Luxusgeschäfte werden nun lediglich drei Stockwerke für Einzelhandel reserviert. In den darüberliegenden Etagen bis zum achten Stock entstehen Wohnungen. Das Hotelprojekt erfährt eine Erweiterung auf 220 Zimmer. Diese Projektdetails wurden den Anwohnern durch Vertreter der Stumpf Development GmbH erläutert.
Herbert prognostiziert nach Projektabschluss eine weniger intensive Nutzung als im Ursprungskonzept vorgesehen. Die logistische Versorgung des Komplexes soll über die Mariahilfer Straße sowie die Karl-Schweighofer-Gasse erfolgen. Dennoch bleibt der Anwohner skeptisch: „Baurechtlich handelt es sich um einen schmalen Grat“, betont er. Besonders kritisch betrachtet er Aspekte wie die Gebäudehöhe und die grundstücksbezogene Widmung.
Zeitplan
Der Zeitplan sieht die Einreichung der Bauunterlagen bis Ende August vor. Bereits im Juli beginnt der Abriss des Bestandsgebäudes mit Ausnahme des Erdgeschosses. Die Bauarbeiten sollen 2026 starten, die Fertigstellung ist für Ende 2027 projektiert.
Preise und Marktentwicklung
Für die geplanten 200 Wohneinheiten werden auf dem Premium-Standort an der Mariahilfer Straße Quadratmeterpreise von bis zu 10.000 Euro erwartet. Die Umwidmung von einem reinen Luxus-Kaufhaus zu einem gemischten Wohn- und Hotelkomplex spiegelt die veränderte Marktlage nach der Signa-Insolvenz wider. Experten sehen in solchen Umnutzungen einen positiven Effekt auf die Stadtentwicklung, da sie zu einer Stabilisierung der Immobilienpreise und einer Belebung der betroffenen Stadtteile beitragen können.
Das Lamarr-Projekt ist nicht der einzige Fall einer Umwidmung ehemaliger Benko-Immobilien. Auch für andere prestigeträchtige Objekte wie das Park Hyatt am Hof und das Goldene Quartier in den Tuchlauben werden nach der Signa-Pleite neue Nutzungskonzepte und Eigentümer gesucht. Der Trend geht dabei deutlich in Richtung gemischter Nutzungen mit Wohn- und Hotelanteilen anstelle reiner Luxusimmobilien.