Bei einem Konzert auf dem Hipodrom in Zagreb sorgte der kroatische Musiker Marko Perkovic Thompson nicht nur musikalisch für Aufsehen. Unter massiver Polizeipräsenz versammelten sich laut Medienangaben bis zu 500.000 Anhänger, die aus dem In- und Ausland anreisten. Unter den Besuchern befanden sich auch Vertreter der kroatischen Regierung. Der Künstler nutzte die Veranstaltung, um neben seiner Musik auch politische und religiöse Standpunkte zu vermitteln – mit Verweisen auf christliche Werte, patriotische Gesinnung und einem Appell zur Rückbesinnung auf kroatische Traditionen.
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Als Thompson am Samstagabend vor der riesigen Menschenmenge auftrat, trug er ein T-Shirt mit der Ziffernfolge 03941158 – eine bewusst gewählte Botschaft mit historischer Brisanz. Diese Nummer identifizierte einst Zvonko Busic während seiner Haftzeit in den USA. Der kroatische Nationalist hatte 1976 mit seiner Ehefrau und weiteren Beteiligten ein amerikanisches Verkehrsflugzeug in seine Gewalt gebracht und gleichzeitig einen Sprengsatz in einem New Yorker Schließfach deponiert. Bei der Explosion kam ein Polizeibeamter ums Leben.
Busics Verehrung
Nach 32 Jahren Gefängnisaufenthalt wurde Busic 2008 entlassen und kehrte nach Kroatien zurück – ein Ereignis, das in Teilen der kroatischen Bevölkerung bis heute kontrovers glorifiziert wird. Thompsons Entscheidung, mit Busics Gefangenennummer aufzutreten, löste in den sozialen Medien lebhafte Debatten aus. Viele interpretierten dies als offene Ehrerbietung an den verurteilten Terroristen, den der Sänger bereits früher öffentlich gewürdigt hatte.
Internationale Kritik an Thompson
Für den Sänger ist diese Art der Provokation nicht neu. Thompson ist in mehreren europäischen Ländern mit Auftrittsverboten belegt, darunter die Niederlande, die Schweiz und Bosnien. Ihm wird seit Jahren vorgeworfen, nationalistische und revisionistische Positionen zu vertreten und die Ustaša-Vergangenheit zu verherrlichen, was regelmäßig internationale Kritik hervorruft. Dennoch genießt er in seiner Heimat enorme Popularität, wie die Rekordbesucherzahl am 5. Juli 2025 in Zagreb belegt.
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Sicherheitsmaßnahmen in Rekorddimensionen
Die Veranstaltung stellte auch logistisch einen Rekord dar: Über 6.500 Polizisten und 5.000 private Sicherheitskräfte sorgten für Ordnung. Die Behörden hatten ein 400-Betten-Notfallzentrum eingerichtet und 26 medizinische Notfallteams bereitgestellt. Laut kroatischen Medien handelte es sich um die größte Menschenansammlung in der Geschichte kroatischer Musikveranstaltungen. Trotz der kontroversen Botschaften blieben größere Zwischenfälle aus.
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Mögliche Konsequenzen
Erst im vergangenen Jahr hatte Thompson Busics Namen in Verbindung mit seinem Lied „Duh ratnika“ („Der Geist des Kriegers“) in den sozialen Medien geteilt. Ob die Kleiderwahl des Sängers oder seine politischen Äußerungen rechtliche Folgen haben werden, ist derzeit noch unklar.
Die zuständigen Behörden hatten vorab erklärt, potenziell strafbare Inhalte während der Veranstaltung zu dokumentieren und einer Prüfung zu unterziehen.