Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Kontroverse

Kehrt zu euren christlichen Wurzeln zurück“: Hunderttausende bei Thompson-Konzert

Kehrt zu euren christlichen Wurzeln zurück“: Hunderttausende bei Thompson-Konzert
FOTO: EPA/ANTONIO BAT
3 Min. Lesezeit |

Umjubelt und umstritten: Kroatiens polarisierender Sänger Thompson lockte am Samstag Massen nach Zagreb. Sein Konzert verband Musik mit politischen Botschaften.

Zum umstrittenen Mega-Konzert von Marko Perkovic Thompson strömten am Samstagabend zahlreiche Besucher auf den Hipodrom (Pferderennbahn) in Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens. Die Veranstalter sprachen von mehreren hunderttausend Zuschauern, die nicht nur aus allen Regionen Kroatiens, sondern auch aus dem Ausland anreisten. Der Sänger begrüßte seine Anhänger mit den Worten: „Gelobt seien Jesus und Maria, mein liebes Volk!“ und fügte hinzu: „Ich danke euch aus tiefstem Herzen, dass ihr in so großer Zahl gekommen seid.“

Der Künstler erläuterte, dass sein Auftritt musikalisch wie thematisch eine Zeitreise von der „fernen Vergangenheit“ bis in die Gegenwart darstellen werde – eine Anspielung auf sein Repertoire, das häufig historische Bezüge aufweist und wiederholt kontroverse Debatten ausgelöst hat. Das Programm umfasste bekannte Hits wie „Lijepa li si“, „Bojna Cavoglave“ und „E, moj narode“, wobei Thompson die Veranstaltung gleichzeitig als Plattform für weltanschauliche und politische Statements nutzte.

⇢ Vucic wütet gegen Thompson-Konzert: „Europa schweigt zu Neonazi-Show“

Gemeinschaftlicher Appell

In seiner Ansprache betonte er den gemeinschaftsstiftenden Charakter des Abends: „Ihr seid aus allen Teilen Kroatiens gekommen. Freunde aus dem Ausland sind ebenfalls hier. Uns alle verbindet die Liebe zur Familie und zur Heimat.“ Mit Nachdruck richtete der Musiker einen Appell an sein Publikum: „Kehrt zurück zu euren Wurzeln und eurer Tradition, kehrt zurück zu euren christlichen Wurzeln.“

Nach ersten Informationen verlief die Veranstaltung trotz vorangegangener kritischer Stimmen ohne nennenswerte Störungen.

⇢ Mega-Konzert unter Polizeiblick: Warum Thompson DIESEN Song streicht

Genaue Angaben zur Besucherzahl sowie eine vollständige Sicherheitsbilanz stehen noch aus.

Kontroverse Figur der kroatischen Musikszene

Thompson gilt in der kroatischen Kulturlandschaft als höchst kontroverse Figur. Kritiker werfen dem Sänger seit Jahren vor, in seinen Liedern und Auftritten nationalistische und rechtsextreme Botschaften zu verbreiten sowie Sympathien für das faschistische Ustaša-Regime zu zeigen. Besonders umstritten ist sein Hit „Bojna Čavoglave“, der mit einem Slogan beginnt, der während des Zweiten Weltkriegs von der Ustaša verwendet wurde.

Bei seinen Konzerten sind immer wieder Ustaša-Symbole im Publikum zu sehen, was international wiederholt Kritik ausgelöst und in mehreren Ländern zu Auftrittsverboten geführt hat. Thompson selbst und sein Management weisen diese Vorwürfe zurück und betonen, es handle sich um patriotische Musik, nicht um politische Propaganda.

Historiker verweisen darauf, dass Thompsons Popularität vor allem auf der Vermittlung traditioneller Werte wie Heimat, Religion und Familie beruht. Trotz der anhaltenden Kontroversen bleibt er einer der populärsten Musiker Kroatiens, besonders bei jüngeren Fans, und füllt regelmäßig Großveranstaltungsorte.

Die kroatischen Behörden und die Stadt Zagreb lehnten im Vorfeld Forderungen nach einem Konzertverbot ab und betonten, dass die Veranstaltung als Musikereignis und nicht als politische Kundgebung zu betrachten sei.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen