Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Arbeitszeitstreit

Trotz 46 Millionen unbezahlter Stunden: Industrie will 41-Stunden-Woche

Trotz 46 Millionen unbezahlter Stunden: Industrie will 41-Stunden-Woche
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

46 Millionen Stunden ohne Bezahlung oder Zeitausgleich – während aus der Industrie eine 41-Stunden-Woche und weniger Feiertage gefordert werden.

In Österreich ist erneut eine Debatte über längere Arbeitszeiten und die Streichung gesetzlicher Feiertage entbrannt. Ausgelöst wurde sie durch einen aktuellen Vorstoß des Präsidenten der Industriellenvereinigung Niederösterreich, Kari Ochsner. Er schlug am 15. August 2026 vor, die Wochenarbeitszeit auf 41 Stunden zu erhöhen oder einzelne Feiertage zu streichen. „Wenn wir eine 41-Stunden-Woche hätten, würde das den meisten Leuten nicht einmal auffallen. Wir könnten auch den ein oder anderen Feiertag einfach streichen“, erklärte Ochsner.

Neu ist die Forderung nicht: Bereits 2024 hatte die Industriellenvereinigung eine Erhöhung der gesetzlichen Normalarbeitszeit von 40 auf 41 Wochenstunden ins Spiel gebracht. Der damalige Bundeskanzler Karl Nehammer erteilte dem Vorstoß seinerzeit eine klare Absage.

Dabei erlaubt das österreichische Arbeitszeitgesetz grundsätzlich schon jetzt eine Arbeitszeit von bis zu 60 Stunden in einzelnen Wochen. Innerhalb eines Durchrechnungszeitraums von 17 Wochen darf die wöchentliche Arbeitszeit jedoch im Durchschnitt 48 Stunden nicht überschreiten.

Laut Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria wurden 2025 insgesamt rund 170,1 Millionen Mehr- und Überstunden geleistet. Nach Berechnungen der Arbeiterkammer wurden davon rund 45,9 Millionen Stunden weder bezahlt noch durch Zeitausgleich abgegolten. Das dadurch entgangene Bruttoentgelt beziffert die AK auf rund 2,5 Milliarden Euro.

Klare Ansage

Andreas Stangl, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, erteilte den Forderungen am 1. September eine klare Absage. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiteten bereits lange genug, betonte Stangl. Bevor über eine weitere Ausweitung der Arbeitszeit diskutiert werde, müssten Mehrarbeit und Überstunden korrekt abgegolten werden.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert konkret die Abschaffung kurzer Verfallsfristen, damit für Ansprüche aus Mehrarbeit und Überstunden die dreijährige Verjährungsfrist gilt. Außerdem verlangt sie einen gesetzlichen Mehrarbeits- und Überstundenzuschlag von mindestens 50 Prozent für Voll- und Teilzeitbeschäftigte.

Stangls Botschaft an die Arbeitgeberseite ist deutlich: „Anstatt Forderungen nach noch längeren Arbeitszeiten und Abschaffung von Feiertagen aufzustellen, sollen die Unternehmen ihren Beschäftigten das zahlen, was ihnen zusteht.“

Streit um Wettbewerbsfähigkeit

IV-Niederösterreich-Präsident Kari Ochsner begründet seinen Vorstoß mit der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Österreich habe im internationalen Vergleich zu wenige Jahresarbeitstage. Arbeiterkammer und Gewerkschaften halten dem entgegen, dass Wettbewerbsfähigkeit vor allem durch Investitionen, Innovation und eine höhere Produktivität entstehen müsse.

Beschlossen ist derzeit weder eine 41-Stunden-Woche noch die Streichung gesetzlicher Feiertage. Nach dem öffentlich bekannten Stand handelt es sich um eine politische Forderung aus der Industriellenvereinigung Niederösterreich und nicht um ein konkretes Gesetzesvorhaben der Bundesregierung.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen