Militärschläge, Drohungen, Gegenschläge – zwischen den USA und dem Iran eskaliert die Lage mit atemberaubender Geschwindigkeit.
Das US-Militär hat in der Nacht nach eigenen Angaben „massive Angriffe“ auf den Iran durchgeführt. Wie das Militär mitteilte, handelte es sich dabei um eine direkte Reaktion auf iranische Angriffe gegen drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus. Die Militärschläge dauerten mehrere Stunden an und trafen eine Reihe von Militärstandorten sowie Hafenanlagen.
Das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando der US-Streitkräfte, Centcom, erklärte, der Iran müsse für die Angriffe auf Handelsschiffe mit Zivilisten an Bord in der Meerenge „hohe Kosten“ tragen. Dem war ein Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Rande des NATO-Gipfels in Ankara vorausgegangen. Nach unbestätigten Angaben aus dem Iran richteten sich die Schläge gegen die Hafenstadt Bandar Abbas am Persischen Golf.
In der Centcom-Erklärung hieß es weiter: „Die vom Iran gezeigte Aggression war nicht gerechtfertigt, gefährlich und ein klarer Verstoß gegen die Waffenruhe.“ Zuvor hatte die Seehandelsaufsicht der britischen Marine, UKMTO, gemeldet, dass in der Straße von Hormus drei Tanker von Geschossen getroffen worden seien.
Irans Vergeltungsdrohung
Teheran reagierte mit scharfer Verurteilung und warf Washington seinerseits einen Bruch der geltenden Übergangsvereinbarung vor. Der iranische Vize-Außenminister und Chefunterhändler in den Gesprächen mit den USA, Kasem Gharibabadi, schrieb auf der Plattform X, die US-Angriffe verstießen gegen das Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges. In den frühen Morgenstunden des Mittwochs warnte der Iran, er werde auf die amerikanischen Angriffe mit einer „vernichtenden Reaktion“ antworten.
Das oberste gemeinsame Militärkommando des Iran, das Zentralkommando „Khatam al-Anbiya“, erklärte laut dem staatlichen Sender IRIB: „Die Streitkräfte der Islamischen Republik Iran werden auf die Aggression und die terroristischen Aktionen der USA mit einer vernichtenden Reaktion antworten.“
Sanktionen und Ölhandel
Bereits am Dienstag hatte Washington die erst gut zwei Wochen zuvor gelockerten Sanktionen auf iranische Ölexporte wieder in Kraft gesetzt. Die nun aufgehobene 60-Tage-Lizenz war Bestandteil eines vorläufigen Abkommens zwischen beiden Staaten gewesen und sollte begrenzte iranische Ölexporte ermöglichen sowie den Boden für weiterführende Verhandlungen über ein umfassenderes Abkommen bereiten. Die von den USA erteilte Genehmigung hatte die Förderung, Lieferung und den Verkauf von iranischem Öl bis zum 21. August erlaubt.
Die USA verfolgen das Ziel, die Verhandlungen mit dem Iran voranzutreiben, um die Meerenge wieder vollständig für den Schiffsverkehr zu öffnen. Frühere Angriffe in der Meerenge hatten bereits Vergeltungsschläge der USA ausgelöst, woraufhin der Iran arabische Golfstaaten attackierte. In Friedenszeiten floss ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Erdgases durch die Straße von Hormus.
Der Golfstaat Kuwait meldete in den frühen Morgenstunden, von Raketen und Drohnen angegriffen worden zu sein – offenbar die Reaktion des iranischen Regimes, das wahllos seine Nachbarn ins Visier nimmt. Der Iran erklärte zudem, die Straße von Hormus komplett gesperrt zu haben, und reagierte neben den Angriffen auf Kuwait auch mit militärischen Schlägen gegen Ziele in Bahrain.