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Vorsicht vor den Facebook „Doktoren”!

(Foto: iStock/Wavebreakmedia)

Über soziale Netzwerke kündigen verschiedene „Fachkundige” vom Balkan ihre Besuche in Wien an und laden leichtgläubige Landsleute zu medizinischen Behandlungen ein. Natürlich geschieht das alles ohne Garantie und unter hohen gesundheitlichen Risiken.

Wenn man die Werbung der Quacksalber anschaut, die sich auf Facebook vermehren wie Pilze nach dem Regen, muss man sich fragen, wo diese Menschen ihr Gewissen verloren haben. Da viele von ihnen ihre Besuche in Wien sehr offen ankündigen und unsere Landsleute auffordern, Termine für überteuerte Abrakadabra-Behandlungen zu buchen, drängt sich die Frage auf: Halten sie uns für Schwachsinnige, die sich gerne in Gefahr begeben? Ja, ihr habt richtig gelesen: Der Besuch dieser „Ärzte” stellt eine Gefahr für die Gesundheit dar und zieht manchmal unüberschaubare Folgen nach sich!

Der Atlas-Wirbel


Anlass für diesen Tegab die Werbung eines gewissen „Facharztes” aus Serbien für Atlaskorrekturen. Über Facebook forderte er Menschen, die Probleme mit diesem Rückenwirbel haben, auf, nach Wien zu kommen, wo er einige Tage ordinieren würde. Er lud sie ein, möglichst schnell einen Termin zu reservieren, denn sonst seien sie womöglich schon bald ausgebucht! In seinem Lebenslauf gab er an, eine Privatschule für Medizin abgeschlossen zu haben, was bei Leichtgläubigen den Eindruck fachlicher Kompetenz erwecken soll.

Für alle, die es nicht wissen: Der Atlas ist der erste Wirbel der Wirbelsäule, der ebenso wie alle anderen gleiten und seine Position verlassen kann, was zu Kopfschmerzen, Schwindel, einer gestörten bzw. asymmetrischen Kopfhaltung und manchmal auch zu einer schiefen Körperhaltung oder sogar Bewegungsstörungen führen kann. Vernachlässigt man diese Symptome, kann es zu Konzentrationsverlust, Schlaf- und Essstörungen und sogar zu einem unerklärlichen Anstieg der Körpertemperatur kommen. Gründe für einen Vorfall des Atlas können Verletzungen, Alterung oder schwache Ligamente sein und er kann sogar unwillkürliche Kopfbewegungen und eine schlechte Kopfhaltung im Schlaf hervorrufen. Mit diesem Gesundheitsproblem und seinen Folgen bei Kindern und Erwachsenen haben sich viele internationale Fachleute beschäftigt und über die Behandlungsmethoden wurden seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts zahlreiche Studien durchgeführt.

Es ist klar, dass jedes Problem mit der Wirbelsäule Funktionsstörungen mit sich bringt und möglichst frühzeitig behandelt werden muss. Aber das tun ausschließlich Ärzte, die eine Zusatzausbildung zum Chiropraktiker durchlaufen haben, oder ausgebildete Physiotherapeuten mit einem gültigen Diplom von einer offiziellen medizinischen Institution. Sich Menschen anzuvertrauen, die keinen offiziellen Nachweis ihrer Sachkunde besitzen, stellt eine ernsthafte Gefahr dar und kann verheerend enden.

Eine schreckliche Mahnung!


Vor einigen Monaten berichteten fast alle Medien der Balkan Region über eine Tragödie, die sich in einer Privatklinik in Belgrad zugetragen hatte. Dort war ein Patient zu einem Chiropraktiker gegangen, der den Titel Professor vor dem Namen führte, um sein Atlas-Problem behandeln zu lassen. Leider ging irgendetwas schief, dem Mann wurde schlecht, er landete im Krankenhaus, wo er drei Monate im künstlichen Koma lag und dann verstarb. Selbst die Behandlung durch einen Facharzt kann also für einen Patienten tragisch enden. Da ist es nicht schwer, sich vorzustellen, wie hoch das Risiko ist, wenn man sich unzureichend ausgebildeten Personen überlässt, deren Hauptmotiv für ihre Arbeit ausschließlich Geld ist.

Dem Magazin KOSMO stand Dr. Njegoš Čvorak, Leiter der Orthopädie und Traumatologie in der Tauernklinik Pinzgau, als Gesprächspartner zum Thema Rücken- und vor allem Atlasbehandlungen Rede und Antwort.

„Mit manuellen Behandlungen der Wirbelsäule werden gute Ergebnisse erzielt, aber die Voraussetzung ist, dass sie von fachlich ausgebildeten Ärzten und Physiotherapeuten durchgeführt werden. Ich betone, dass es nicht reicht, ein Diplom einer medizinischen Fakultät oder einer Hochschule für Physiotherapie zu haben, sondern man braucht unbedingt eine weitere Fachausbildung. Die Wirbelsäule trägt den ganzen Körper, durch das Rückenmark verlaufen empfindliche Nerven und bei einer manuellen Behandlung muss jede Fingerbewegung richtig dosiert werden”, betont Dr. Čvorak, der gemeinsam mit seinen Kollegen pro Jahr 600 konservative und invasive Rückenbehandlungen durchführt. Unser Gesprächspartner erinnert daran, dass die Vorschriften im Gesundheitsbereich in Österreich sehr klar und rigoros sind. Chiropraktische Behandlungen müssen ausschließlich von Personen durchgeführt werden dürfen, die einen Fachkundenachweis besitzen. Das bedeutet, dass alle, die ihre Diplome in Drittstaaten erworben haben, und dazu gehört auch unsere gesamte Region, eine Anerkennung in Österreich durchlaufen, Mitglieder der Ärztekammer werden und in das Gesundheitsberuferegister eingetragen werden müssen. Außerdem müssen sie eine ganze Reihe an Voraussetzungen erfüllen, um sicher mit Patienten arbeiten zu können.

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