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REPORTAGE

Wahre Helden: Das sind die Balkan-Tierärzte mit Herz

Wahre Helden: Das sind die Balkan-Tierärzte mit Herz (FOTO: KOSMO)

In etwa 1,39 Millionen österreichischer Haushalte leben Haustiere. Hunde, Katzen, Kaninchen, Vögel, Reptilien und Nagetiere gehören nicht nur österreichischen, sondern auch bosnischen, kroatischen und serbischen Familien und werden von Tierärzten betreut. Wie es ist, in Wien Tierarzt zu sein, und welche Herausforderungen und Freuden dieser Beruf mit sich bringt, haben wir Slaviša Škrbić und Mirsad Jašarević gefragt.

Die Veterinärmedizinische Universität Wien ist die einzige Bildungseinrichtung im Bereich der Tiermedizin in Österreich und die älteste Forschungseinrichtung zur Tiergesundheit im deutschen Sprachgebiet. Als solche liegt sie im internationalen Ranking weltweit auf dem sechsten Platz und zieht zahlreiche Tierfreunde an, die ihr Leben der Behandlung und Hilfe für unsere Vierbeiner widmen wollen. Was es heißt, Tierarzt zu sein, und wie schön, aber auch schwer dieser Beruf ist, verraten uns unsere Gesprächspartner.

Slaviša Škrbić: „Ohne Empathie geht es nicht”
In einer ruhigen Gegend des 10. Bezirks, zwischen wunderschönen Häusern und Gärten mit viel Grün, besteht bereits seit vielen Jahren die Tierarztpraxis „Tierambulatorium Wien”. Seit Juni 2017 ist sie im Besitz eines erfolgreichen Tierarztes aus Bosnien-Herzegowina.

Slaviša Škrbić ist 2004 nach Österreich gekommen, um sein Studium an der angesehenen Veterinärmedizinischen Universität abzuschließen. Die Liebe zur Tiermedizin entstand bereits in seiner Kindheit und ließ ihn nie seitdem nie wieder los. „Da ich auf dem Land aufgewachsen bin, war ich immer draußen und von Tieren umgeben. Meine Familie züchtete Schweine und Rinder und so bin ich schon als Kind mit der Tiermedizin in Berührung gekommen. Ich habe gerne zugesehen, wie der Tierarzt die Tiere untersuchte, und später habe ich meinen Mut zusammengenommen und ihm geholfen. Als ich alt genug war für das Gymnasium, wurde in Gradiška gerade die veterinärmedizinische Mittelschule eröffnet und mein Professor Mišo Subotić hat mich für diesen Beruf so begeistert, dass ich mich dann auch an der entsprechenden Fakultät eingeschrieben habe”, beginnt Slaviša seine Geschichte.

Das Studium der Tiermedizin führte Slaviša zuerst nach Belgrad und dann nach Wien, wo er vielfältige praktische Erfahrung sammelte und zwei Spezialisierungen abschloss. „Zuerst war das sehr herausfordernd, vor allem aufgrund der fremden Sprache und der neuen Kultur. Die Veterinärmedizinische Universität in Wien ist sehr gut und neben theoretischen Kenntnissen erwirbt man auch breite praktische Erfahrung. Es gibt während des Studiums Spezialisierungen, sogenannte Module. Ich habe ein Gebiet gewählt, das sich mit Nutztieren beschäftigt, d.h. mit Tieren in der Landwirtschaft. Anschließend habe ich ein Spezialisierungsprogramm durchlaufen, das „Internship” heißt. Da hatte ich Gelegenheit, mich intensiver mit Kleintieren zu beschäftigen. Ich habe auch drei Jahre in der Chirurgie verbracht, die ich ebenfalls sehr interessant fand. Dabei habe ich gesehen, dass ich, um später als selbständiger Tierarzt zu arbeiten, in Notfallmedizin und in innerer Medizin sehr kompetent sein muss. Daher habe ich begonnen, in größeren Kliniken wie der Tierklinik Parndorf und der AniCura Tierklinik Hollabrunn, der größten Tierklinik Österreichs, zu arbeiten. Da habe ich sehr viel gelernt und umfassende Erfahrung gewonnen. Ich hatte die Chance, mit hervorragenden Spezialisten zusammenzuarbeiten, und glaube, man lernt einfach am meisten von den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet.”

Langjährige Arbeit und großes Engagement für sein Fach haben Slaviša dazu bewogen, seine eigene Ordination zu eröffnen, in der mittlerweile vier Tierärzte arbeiten, die die Gebiete Notfallmedizin, innere Medizin, Chirurgie sowie auch Präventiv- und Alternativmedizin abdecken. Ihr wichtigstes Motto lautet Respekt – vor den Tieren, den Besitzern, aber auch den Angestellten. „Wir gehen in der Auswahl unserer Mitarbeiter, aber auch der Patienten, d.h. der Besitzer, sehr sorgfältig vor. Wir wollen nicht mit Menschen arbeiten, die keine Achtung und keinen Respekt vor Tieren haben. Gerade deswegen haben wir dieses Logo gewählt, das wir haben. Auch Hunde und Katzen haben ihre Manieren und eine bedingungslose Liebe zu ihrem Eigentümer, die unabhängig von der Situation konstant ist. Selbst wenn sie einmal verärgert sind, lässt ihre Achtung vor uns nicht nach”, betont Slaviša.

Slaviša mit seinem Patienten Chester: „Die Tiere fühlen immer eine unbedingte Liebe zu uns. Darum bestehen wir auch auf bedingungslosem Respekt ihnen gegenüber.” (FOTO: KOSMO)

Innerhalb seines Fachs hat Slaviša die Notfallmedizin, die eine gute Diagnostik erfordert, am liebsten gewonnen. „Wenn ein Patient ein akutes Problem hat und wenn die Besitzer kommen, dann beginnt die Diagnostik, die etwas von der Lösung eines Mysteriums hat. Dann ’drücken wir die richtigen Knöpfe’, um zur richtigen Diagnose zu kommen und den Patienten zu stabilisieren. Es ist eine große Befriedigung, wenn wir es schaffen, ein Tier zu stabilisieren, dem es vorher schlecht ging. Der Besitzer, der vorher traurig und besorgt war, lacht dann auf einmal, man sieht die Erleichterung auf seinem Gesicht und wir sind unendlich glücklich. Diese Situation nenne ich eine ’Win-win-win-Situation‘, in der alle drei Parteien auf ihre Kosten kommen: das Tier, der Besitzer und wir.”

Die Situation, in der wir einem Tier helfen können, nenne ich eine ’Win-win-win-Situation’, in der alle drei Parteien auf ihre Kosten kommen: das Tier, der Besitzer und wir.

Slaviša Škrbić

Aber leider geht nicht jede Geschichte gut aus. „Das Schwerste an dieser Arbeit ist, wenn wir junge Tiere mit schweren und unheilbaren Krankheiten hereinbekommen oder wenn wir diese einschläfern müssen. Das ist ein sehr komplexes Thema, über das wir tagelang sprechen könnten. Um es jedoch kurz zu machen, muss ich sagen, dass das Einschläfern etwas ist, das ich unterstütze, aber nur nach einer genauen Prüfung des Einzelfalls. Wenn diese ergibt, dass keine Hilfe und keine Rettung möglich ist. Wenn wir ein Tier einschläfern, ist unsere Empfehlung, das immer in seinem vertrauten Umfeld und mit Respekt vor dem Tier zu tun”, schließt Slaviša.

Das Einschläfern eines Tieres sollte in einem Umfeld erfolgen, in dem es sich sicher fühlt.

Slaviša Škrbić

Mit all seinen glücklichen und traurigen Momenten ist dieser Beruf sehr human und schön. Slaviša betont, dass die wichtigste Eigenschaft, die man besitzen muss, um diese Tätigkeit auszuüben, die Empathie ist.
„Mein Rat an alle, die erwägen, Veterinärmedizin zu studieren, ist, dass sie sich überlegen, warum sie das wollen. Sie sollen einfach einen Tierarzt in ihrer Nähe anrufen, um bei ihm ein bisschen hinter die Kulissen dieses Berufs zu schauen. Meine Erfahrung mit 43 Jahren ist, dass uns Dinge schnell begeistern können, aber wenn wir sie genauer anschauen und ihre unangenehmen Seiten sehen, kann uns das Interesse auch schnell wieder verlassen”, schließt Slaviša.

KONTAKT
Tierambulatorium Oberlaa
Himbergerstraße 14, 1100 Wien
01/6894001
tierarzt@tierambulatorium-oberlaa.at
tierambulatorium-oberlaa.at/

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