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Ladetechnik

Warum Ihr E-Auto trotz Schnelllader langsam lädt

Warum Ihr E-Auto trotz Schnelllader langsam lädt
quelle: (istockfoto Ladekabel E-Auto)
4 Min. Lesezeit |

Reichweite, Akku, Ladeleistung – doch eine Komponente entscheidet still mit: das Ladekabel.

Wer sich mit Elektromobilität auseinandersetzt, richtet den Blick zunächst auf Reichweite und Ladeleistung – sei es an der heimischen Wallbox oder an öffentlichen Schnellladern. Dabei gerät eine Komponente häufig ins Hintertreffen, die zwischen Stromquelle und Fahrzeugakku eine entscheidende Rolle spielt: das Ladekabel.

Aktive Steuerlogik

Ein zeitgemäßes Ladekabel ist weit mehr als ein Bündel Kupferleiter. Es handelt sich um eine aktive Komponente mit eigener Steuerlogik. Über zwei spezialisierte Kommunikationspins – den Control Pilot (CP) und den Proximity Pilot (PP) – findet zwischen Fahrzeug und Ladestation ein kontinuierlicher „Handshake“ statt.

Der PP-Pin übermittelt der Station, welche maximale Stromstärke das Kabel physikalisch verträgt. Diese Information ist über einen im Stecker integrierten Widerstand codiert. Erkennt die Ladestation beispielsweise ein 11-kW-Kabel (16 A), wird sie den Ladestrom niemals auf 32 A erhöhen, selbst wenn sie und das Auto dazu fähig wären.

Der CP-Pin übernimmt derweil die Steuerung des Ladevorgangs, die Verriegelung des Steckers sowie die Überwachung sicherheitsrelevanter Parameter. So wird der Ladevorgang sofort unterbrochen, falls eine Überhitzung an den Kontakten droht. Diese eingebettete Kommunikationslogik erklärt, warum nicht jedes Ladekabel gleich schnell lädt – es ist ein aktives Sicherheits- und Managementsystem.

Die maximal mögliche Ladeleistung eines Kabels ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Stromstärke in Ampere und der Anzahl der genutzten Phasen. Einphasige Kabel, die typischerweise 16 A oder 20 A übertragen, kommen auf Ladeleistungen zwischen 3,7 kW und 4,6 kW. Sie nutzen lediglich einen der drei Leiter des europäischen Stromnetzes und finden sich häufig bei älteren Elektrofahrzeugen oder Plug-in-Hybriden.

Der gegenwärtige Standard beim AC-Laden sind jedoch dreiphasige Kabel. Ein dreiphasiges Ladekabel mit 16 A pro Phase ermöglicht eine Ladeleistung von bis zu 11 kW (3 Phasen x 230 Volt x 16 Ampere). Die leistungsstärkste Variante im AC-Bereich setzt auf 32 A pro Phase und erreicht damit die maximal möglichen 22 kW.

Ein 22-kW-Kabel an einer 11-kW-Wallbox stellt kein Problem dar – umgekehrt wird ein 11-kW-Kabel an einer 22-kW-Säule jedoch unweigerlich zum Engpass. Die Ladekette besteht aus drei Gliedern: Ladestation, Ladekabel und dem im Fahrzeug verbauten On-Board-Charger (OBC). Die tatsächlich erzielte Ladeleistung richtet sich stets nach dem schwächsten dieser drei Elemente.

Ein 22-kW-fähiges Kabel und eine entsprechend leistungsstarke Ladestation bringen keinen Geschwindigkeitsvorteil, wenn der On-Board-Charger des Fahrzeugs nur 11 kW verarbeiten kann – wie es bei zahlreichen Modellen von VW, Audi oder Mercedes der Fall ist. Umgekehrt kann ein Fahrzeug mit einem 22-kW-OBC, wie etwa die Renault Zoe oder der Smart EQ, seine volle AC-Ladeleistung nur dann ausschöpfen, wenn sowohl Ladestation als auch Kabel für 22 kW ausgelegt sind. Kommt hier ein günstigeres 11-kW-Kabel zum Einsatz, drosselt das System die Leistung zwangsläufig auf 11 kW.

Qualität & Auswahl

In Europa hat sich der Typ-2-Stecker als universeller Standard für das AC-Laden etabliert. Doch trotz der genormten Steckerform bestehen erhebliche Unterschiede in der Verarbeitungsqualität, die sich unmittelbar auf Sicherheit, Langlebigkeit und Handhabung auswirken. Hochwertige Kabel zeichnen sich durch robustere Steckergehäuse aus schlagfestem Kunststoff sowie eine höhere Schutzklasse aus.

Eine IP54-Zertifizierung bietet Schutz vor Spritzwasser, während eine IP67-Klassifizierung sogar zeitweiliges Untertauchen übersteht. Das ist besonders bei Regen oder Schnee ein relevanter Faktor. Auch die Flexibilität des Kabelmantels bei niedrigen Temperaturen zählt zu den praxisrelevanten Qualitätsmerkmalen.

Merkmale eines hochwertigen Ladekabels umfassen die höchste Schutzart (IP67) für maximalen Schutz gegen extreme Witterungseinflüsse, robuste Stecker mit schlagfesten Gehäusen und versilberten Kontakten für bessere Leitfähigkeit und Korrosionsschutz sowie flexible Kabelmäntel aus Materialien wie TPU, die auch bei Kälte geschmeidig bleiben. Hinzu kommen integrierte Schutzkappen, die Kontakte vor Schmutz und Feuchtigkeit schützen, sowie TÜV- oder CE-Zertifizierungen, die die Einhaltung europäischer Sicherheitsnormen garantieren.

Welches Ladekabel das richtige ist, hängt maßgeblich vom persönlichen Nutzungsverhalten ab. Die Anforderungen unterscheiden sich je nachdem, ob jemand in einem urbanen Zentrum, auf einer Pendlerstrecke oder am Firmenparkplatz lädt.

Ausschlaggebend für die richtige Wahl sind Ladeort, Ladehäufigkeit und das verwendete Fahrzeug.

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KO KOSMO-Redaktion
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