„Irgendwann schlägt Mathematik Ideologie“: AMS-Chef Johannes Kopf spricht sich erneut für ein höheres Pensionsalter in Österreich aus.
Die Debatte um das Pensionsalter in Österreich erhält neuen Auftrieb. AMS-Chef Johannes Kopf sprach sich in der ORF-„Pressestunde“ erneut für eine langfristige Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters aus. Angesichts der demografischen Entwicklung werde daran auf Dauer kein Weg vorbeiführen, argumentierte Kopf. „Irgendwann schlägt Mathematik Ideologie“, brachte er seine Position auf den Punkt.
Dass die Diskussion über ein höheres Pensionsalter politisch schwierig ist, erklärt Kopf auch mit der Altersstruktur der Wählerschaft: „Der durchschnittliche Wähler bzw. die durchschnittliche Wählerin ist über 50.“ Gleichzeitig läuft bereits eine weitreichende Veränderung im Pensionssystem: Seit 2024 wird das Regelpensionsalter von Frauen schrittweise von 60 auf 65 Jahre angehoben. Ab 2033 liegt das Regelpensionsalter für Frauen wie für Männer bei 65 Jahren.
Ältere am Arbeitsmarkt
Die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters zeigt bereits deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Laut Kopf ist die Arbeitslosigkeit bei Frauen über 60 um rund 7.500 Personen gestiegen, gleichzeitig nahm die Zahl der Beschäftigten in dieser Altersgruppe um etwa 58.000 zu. Rund 88 Prozent des zusätzlichen Arbeitskräftepotenzials seien damit in Beschäftigung gelandet.
Gleichzeitig kritisierte Kopf Unternehmen, die ältere Bewerber kaum berücksichtigen: „Wer keine Älteren nimmt, der hat keinen Arbeitskräftemangel.“ Auch Zuwanderung allein könne den künftigen Arbeitskräftebedarf seiner Ansicht nach nicht lösen. An jene, die ausländische Arbeitskräfte grundsätzlich ablehnen, richtete er die Botschaft: „Dann muss man halt selber länger arbeiten.“
Lehre und Langzeitarbeitslosigkeit
Sorgen bereitet Kopf außerdem die hohe Langzeitarbeitslosigkeit. Rund ein Drittel der Arbeitssuchenden suche bereits länger als ein Jahr nach einer Beschäftigung. Nach drei Jahren wirtschaftlicher Schwäche sei es besonders schwierig, diese Menschen wieder dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Handlungsbedarf sieht der AMS-Chef auch bei der Berufsausbildung. Gymnasien würden seiner Ansicht nach zu wenig über die Möglichkeiten einer Lehre informieren. Gleichzeitig gibt es gerade in Wien deutlich zu wenige betriebliche Lehrstellen: Laut Kopf kommen in der Bundeshauptstadt derzeit rund sechs Bewerber auf eine offene Lehrstelle.
Dennoch sieht Kopf sehr gute Zukunftschancen für Menschen mit Lehrabschluss und plädiert unter anderem für ein neues Modell einer „Lehre nach Matura“. „Die Jobchancen von Menschen mit Lehre sind besser denn je“, sagte der AMS-Chef.