Fast 200 Drohnen, eine brennende Raffinerie, gesperrte Flughäfen – der Ukraine-Krieg erreicht Moskau mit neuer Wucht.
In der Nacht auf Donnerstag hat die Ukraine Moskau mit knapp 200 Drohnen angegriffen und dabei eine Raffinerie in Brand gesetzt. Wie Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin mitteilte, habe die Flugabwehr 180 Drohnen abfangen können, doch „einigen ist es gelungen, die Moskauer Ölverarbeitungsanlage zu erreichen“. In sozialen Netzwerken kursierende Bilder und Videos zeigen massive Feuerbälle und weithin sichtbare Flammen.
Laut einem Bericht des unabhängigen Internetportals „Astra“ brannte es an mindestens fünf Stellen innerhalb der Anlage. Offiziellen Angaben zufolge wurden darüber hinaus ein Wohngebäude sowie ein großer Gartenfachmarkt in der russischen Hauptstadt getroffen. Auch im Umland Moskaus sei ein Hochhaus beschädigt worden, wie der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, bekannt gab. Über Verletzte liegen bislang keine Informationen vor.
Raffinerie in Flammen
Die betroffene Ölraffinerie im Südosten Moskaus steht im Eigentum von Gazpromneft und zählt zu den größten Verarbeitungsanlagen Russlands – mit einer jährlichen Kapazität von elf Millionen Tonnen deckt sie einen wesentlichen Teil der Treibstoffversorgung Moskaus ab. Als Reaktion auf den Drohnenangriff wurde der Flugbetrieb an allen großen Moskauer Flughäfen vorübergehend eingestellt, wie die russische Luftfahrtbehörde mitteilte.
🔥🛢️Ukrainian Shaheed-looking drones on their way to finish-off the Moscow Oil Refinery https://t.co/naRZVa1e3H pic.twitter.com/5K1QoIZqCU
— Special Kherson Cat 🐈🇺🇦 (@bayraktar_1love) June 18, 2026
Das ukrainische Militär greift seit Monaten systematisch russische Treibstoffdepots und Raffinerien an – mit spürbaren Folgen: Zuletzt musste die Kraftstoffabgabe an Tankstellen im gesamten Land rationiert werden. Die ohnehin angespannte Versorgungslage dürfte sich durch die jüngsten Angriffe weiter verschlechtern. Besonders hart trifft der Treibstoffmangel die Landwirtschaft – es gibt bereits Warnungen, dass man „die Agrarindustrie bald dichtmachen könne“.
Selenskyjs Reaktion
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff auf die Raffinerie über seine Kanäle in sozialen Netzwerken. Er bezeichnete den Angriff als Teil der ukrainischen „Langstrecken-Sanktionen“ und erklärte, dies sei die gerechte Antwort auf die ständigen russischen Schläge gegen ukrainische Städte und Gemeinden.
Dozens of drones punched through Russian air defenses overnight, reaching the Moscow Oil Refinery just 14 km from the Kremlin.
The facility supplies around 40% of the Moscow region’s petrol and 50% of its diesel fuel. pic.twitter.com/NOIhMreLZj
— KyivPost (@KyivPost) June 18, 2026
In der gleichen Nacht beschoss das russische Militär seinerseits Kiew mit ballistischen Raketen, wie der Militärgouverneur der ukrainischen Hauptstadt, Tymur Tkascenko, bekanntgab. In der Innenstadt waren mehrere Explosionen zu hören; konkrete Angaben zu Schäden oder Opfern lagen zunächst nicht vor. Die ukrainische Luftwaffe bestätigte, dass mindestens zwei Raketen auf die Dreimillionenstadt gerichtet waren, eine weitere flog in Richtung des zentralukrainischen Gebiets Poltawa.
Seit mehr als vier Jahren wehrt sich die Ukraine gegen die von Kremlchef Wladimir Putin angeordnete Invasion. In den vergangenen Monaten hat Kiew dabei zunehmend auf Angriffe gegen Raffinerien und Treibstoffinfrastruktur im russischen Hinterland gesetzt – mit dem Ziel, die Versorgung der russischen Truppen zu untergraben und Moskau die Finanzierung des Krieges zu erschweren.