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Genderungleichheit

WC-Gebühren in Wien: Benachteiligen sie Frauen?

WC-Gebühren in Wien: Benachteiligen sie Frauen?
FOTO: iStock
2 Min. Lesezeit |

Während Männer kostenlos pinkeln können, müssen Frauen in Wien zahlen. Die ungleiche WC-Gebührenregelung sorgt für Unmut bei Gleichstellungsexperten.

In Wien müssen Nutzer an 28 stark frequentierten Standorten wie dem Rathausplatz, der Donauinsel und dem Copa Beach für geschlossene WC-Kabinen 50 Cent bezahlen, während Pissoirs kostenlos zugänglich bleiben. Die Magistratsabteilungen 45 und 48 rechtfertigen diese Regelung mit dem höheren Reinigungsaufwand und der Notwendigkeit von Aufsichtspersonal. Die Gebührenpflicht ist zeitlich begrenzt und gilt nicht rund um die Uhr.

Diese Praxis steht jedoch zunehmend in der Kritik, besonders aus Perspektive der Gleichstellung und Stadtplanung, wie der ORF berichtet. Die Genderexpertin und Architektin Sabina Riss kritisiert die strukturelle Benachteiligung: Frauen, die häufiger mit Kleinkindern oder älteren Familienangehörigen unterwegs sind, benötigen verstärkt geschützte Toilettenräume.

Ungleiche Belastung

Die zusätzliche Gebühr für geschlossene Kabinen trifft besonders Frauen, erklärt Riss. Im Gegensatz zu Männern, die kostenfrei Pissoirs nutzen können, entstehen für Frauen finanzielle und zeitliche Mehrbelastungen. Die aktuelle Regelung verstärke dadurch bereits bestehende Ungleichheiten im öffentlichen Raum.

Die Stadt Wien verweist zur Begründung der Gebühr auf die barrierefreie und kontaktlose Ausstattung der neuen „Bioline-Anlagen“ sowie den erhöhten Wartungsaufwand. Gleichzeitig stehen außerhalb der Wintermonate mobile Toilettenanlagen und zusätzliche Sanitärangebote in Kooperation mit Lokalen gratis zur Verfügung.

Die Mindestanzahl an Toilettenanlagen wird zwar durch die Wiener Bauordnung festgelegt, doch bleiben unterschiedliche Nutzungsmuster unberücksichtigt. Nutzerbefragungen bestätigen regelmäßig auftretende Engpässe und längere Wartezeiten für Frauen, insbesondere an stark frequentierten Orten wie Parks und Freizeitanlagen.

Planungsdefizite

Bei der Planung von Neubauten und öffentlichen Einrichtungen werden geschlechtsspezifische Anforderungen nach Ansicht von Riss unzureichend beachtet. Obwohl bekannt ist, dass Frauen aufgrund von Faktoren wie Menstruation oder Betreuungsaufgaben generell mehr Zeit auf Toiletten verbringen, spiegelt sich dieses Wissen kaum in der architektonischen Gestaltung wider.

Die Wiener Bauordnung schreibt zwar eine Mindestanzahl an Toilettenanlagen für öffentliche Gebäude vor, eine geschlechtsspezifische Differenzierung hinsichtlich der Nutzungsmuster oder Wartezeiten erfolgt jedoch nicht. In der Realität führt dies vor allem für Frauen zu längeren Wartezeiten und Engpässen.

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KO KOSMO-Redaktion
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