Berlin erlebte einen ungewöhnlichen Demonstrationstag: Xavier Naidoo, Rechtsextreme und Palästina-Aktivisten – alles gleichzeitig, alles auf der Straße.
In Berlin kam es an einem Tag zu einer Reihe von Demonstrationen, die in ihrer Ausrichtung und Teilnehmerschaft kaum unterschiedlicher hätten sein können. Im Mittelpunkt stand dabei ein Aufzug des umstrittenen Sängers Xavier Naidoo, der unter dem Titel „Transparenz, Rechtsstaat und Schutz von Minderjährigen – Aufklärung im Kontext möglicher deutscher Bezüge im internationalen Epstein-Komplex“ firmierte. Die Polizei zählte am Großen Stern rund 750 Teilnehmer, während sich auf der Gegenseite zwischen 200 und 300 Menschen versammelten.
Naidoo sprach in Anspielungen auf den Epstein-Skandal, redete von einem „Abgrund“ in Deutschland und thematisierte in Andeutungen sowohl Kindesmissbrauch als auch ein selbst erlebtes Ereignis aus seiner Kindheit. Zwischendurch trug er mehrere seiner früheren Lieder vor. Der Zug führte schließlich zum Kanzleramt, wo Naidoo einer Polizistin eine Petition übergab. Am Rande der Veranstaltung wurde eine Frau festgenommen, nachdem sie den verbotenen Hitlergruß gezeigt hatte.
Rechtsextreme Aufzüge
Gleichzeitig begleitete die Polizei zwei rechtsextreme Demonstrationen in den Berliner Stadtteilen Mitte und Marzahn, an denen insgesamt mehr als 200 Personen teilnahmen. Mehr als 30 Demonstranten wurden festgenommen, überwiegend wegen Propagandadelikten, Volksverhetzung, Beleidigung sowie Widerstand gegen Vollzugsbeamte. Für den Einsatz waren insgesamt 1.800 Polizisten mobilisiert worden.
Einer der Aufzüge, an dem rund 80 Personen teilnahmen und der Rechtsextremisten sowie Neonazis zuzurechnen war, führte vom Potsdamer Platz durch die Berliner Innenstadt. Die Polizei beschlagnahmte dabei Sticker mit verbotenen Parolen und setzte das Verbot von Uniformen und Vermummungen durch. Ein Mann wurde festgenommen, weil er einen Journalisten geschlagen haben soll.
Gegenproteste & Marzahn
Am Nachmittag kam es in der Nähe des Gendarmenmarktes zu Auseinandersetzungen zwischen linken Gegendemonstranten und Polizisten. Die Behörden sprachen von versuchten Sitzblockaden sowie von notwendig gewordenen Zwangsmaßnahmen.
Ein weiterer Aufzug fand an der Marzahner Promenade statt, wo 160 Anhänger der rechtsextremen Kleinstpartei „Der dritte Weg“ demonstrierten. Etwas mehr als 100 Gegendemonstranten hielten sich in unmittelbarer Nähe auf.
Darüber hinaus zogen mehrere Hundert Menschen durch Teile der Stadt, um auf den Palästina-Konflikt und den Krieg gegen den Iran aufmerksam zu machen.