Während die US-Notenbank die Zinsen senkt, hält die EZB ihre Leitzinsen konstant – trotz niedrigerer Inflation im Euroraum. Die Gründe für diesen unterschiedlichen Kurs sind vielschichtig.
Die Europäische Zentralbank hat ihre drei Leitzinsen im Oktober nicht angetastet. Diese Entscheidung gab die Notenbank am Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rates in Florenz bekannt. Der Einlagensatz, den Geldinstitute für ihre Einlagen bei der Zentralbank erhalten und der auch die Sparzinsen beeinflusst, verbleibt somit bei 2,0 Prozent. Auch der Hauptrefinanzierungssatz für Bankkredite bei der Notenbank bleibt konstant bei 2,15 Prozent, während der Spitzenrefinanzierungssatz für Übernachtausleihungen weiterhin 2,4 Prozent beträgt.
Mit diesem Kurs unterscheidet sich die EZB von der amerikanischen Federal Reserve (Fed), die am Mittwoch eine Zinssenkung vorgenommen hatte – bereits die zweite seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident. Die japanische Zentralbank hingegen ließ ihre Leitzinsen ebenfalls unverändert, wobei Marktbeobachter dort bald mit Zinserhöhungen rechnen.
Bemerkenswert ist der unterschiedliche Umgang mit der Inflation: Während die US-Notenbank trotz höherer Teuerungsrate von 3,0 Prozent im September ihre Zinsen senkt, hält die EZB ihre Sätze stabil – obwohl die Inflation im Euroraum zuletzt nur leicht auf 2,2 Prozent gestiegen war. Hierfür gibt es mehrere Erklärungen: Zum einen liegen die Zinsen in der Eurozone bereits deutlich unter dem US-Niveau, nachdem die EZB seit dem vergangenen Sommer acht Zinssenkungen vorgenommen hat. Der maßgebliche Einlagensatz beträgt nur noch 2,0 Prozent, während die US-Leitzinsen nach den jüngsten Senkungen zwischen 3,75 und 4,0 Prozent rangieren.
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Unterschiedliche Mandate
Zum anderen verfolgt die Fed ein duales Mandat (Preisstabilität und Beschäftigung), das neben Preisstabilität auch die Beschäftigungslage berücksichtigt. „Angesichts der Inflationsrate in den USA wären niedrigere Leitzinsen eigentlich nicht angezeigt gewesen“, erklärt Bastian Hepperle von Hauck Aufhäuser Lampe. „In der Fed überwiegt jedoch die Besorgnis über eine weitere Abschwächung am Arbeitsmarkt.“
Zudem wird von einer „Vorsichtszinssenkung“ gesprochen, da aufgrund des teilweisen Verwaltungsstillstands in den USA viele statistische Daten fehlen. Seit längerem übt US-Präsident Trump politischen Druck auf Fed-Chef Jerome Powell aus, die Zinsen zu senken. Auch im Euroraum gab es politische Forderungen nach Zinssenkungen, allerdings mit deutlich geringerem Nachdruck.
Der EZB-Rat beschloss in Florenz außerdem, das Projekt des digitalen Euro in die nächste Entwicklungsphase zu führen. Nach der Vorbereitungsphase von 2023 bis 2025 soll nun die technische Fertigstellung folgen. Die endgültige Entscheidung über die Einführung eines digitalen Euro steht jedoch noch aus, da die rechtlichen Rahmenbedingungen in Brüssel noch nicht abschließend geklärt sind. „Die finale Entscheidung des EZB-Rats über eine mögliche Ausgabe eines digitalen Euro wird erst nach Verabschiedung der entsprechenden Rechtsvorschriften getroffen“, teilte das Gremium mit.
Auswirkungen für Sparer
Die Tagesgeldzinsen sind parallel zu den Leitzinssenkungen kontinuierlich gefallen. Nach Erhebungen der FMH-Finanzberatung erhalten Sparer in Deutschland durchschnittlich nur noch 1,36 Prozent. Allerdings scheint sich dieser Trend zu stabilisieren, da zuletzt keine weiteren Rückgänge zu verzeichnen waren. Bei einjährigem Festgeld war sogar ein leichter Anstieg auf durchschnittlich 1,79 Prozent zu beobachten – vermutlich eine Reaktion auf gestiegene Kapitalmarktzinsen.
Dennoch haben die realen Sparzinsen in Deutschland, also unter Berücksichtigung der Inflation, einen besonders niedrigen Stand erreicht. Das Vergleichsportal Verivox weist darauf hin, dass der jüngste Inflationsanstieg bei vielen Tages- und Festgeldanlegern zu einem Wertverlust der Ersparnisse führt. Laut Verivox-Erhebungen ist der durchschnittliche Realzins beim Tagesgeld mit minus 1,12 Prozent auf den tiefsten Stand seit über eineinhalb Jahren gefallen. Auch beim Festgeld sei die reale Rendite bei durchschnittlich verzinsten Anlagen unabhängig von der Laufzeit negativ.
Die Bauzinsen verzeichneten im Sommer einen leichten Anstieg, der sich zuletzt jedoch nicht fortgesetzt hat. Durchschnittlich zahlen Kreditnehmer für ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung 3,64 Prozent. Der Kreditvermittler Interhyp befragt regelmäßig Experten für Baufinanzierung zu ihren Prognosen. Für die nächsten vier Wochen erwarten über 80 Prozent der Befragten stabile Bauzinsen auf dem aktuellen Niveau.
Für die kommenden sechs Monate rechnen zwei Drittel der Experten mit einem Anstieg der Bauzinsen auf bis zu vier Prozent. „Ein wesentlicher Grund für diese Einschätzung liegt in der zunehmenden Staatsverschuldung in Deutschland und der gesamten Eurozone“, erläutert Interhyp.