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Wien

1-Euro-pro-Tag-Modell vor dem Aus: Öffi-Jahresticket wird teurer

1-Euro-pro-Tag-Modell vor dem Aus: Öffi-Jahresticket wird teurer
FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Das 365-Euro-Jahresticket der Wiener Linien steht vor dem Aus. Bürgermeister Ludwig deutet erstmals konkrete Preiserhöhungen an – die Stadt muss sparen.

Die Zukunft des Wiener Öffi-Tickets steht auf dem Prüfstand. In den aktuellen politischen Dokumenten der Stadtregierung fehlt jede Erwähnung des einst gefeierten 365-Euro-Jahrestickets. Weder im Koalitionsprogramm von Rot-Pink II noch in der Antrittsrede des Bürgermeisters Michael Ludwig fand das Vorzeigeprojekt Erwähnung. Die bisherigen Zusicherungen der Stadt waren zeitlich begrenzt – Ludwig garantierte den Preis nur bis einschließlich 2026. Auf Anfragen hieß es lediglich, der Tarif werde „bis auf Weiteres“ unverändert bleiben.

Dieses „bis auf Weiteres“ könnte jedoch schneller enden als erwartet. „Die Budgetverhandlungen laufen, wir müssen überall sparen“, erklärte der Bürgermeister am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Ludwig bestätigte gegenüber dem KURIER, dass sowohl bei den Öffi-Tickets als auch bei den Parkpickerlgebühren Preiserhöhungen bevorstehen. Bislang waren diese Bereiche von der automatischen Valorisierung (regelmäßige Preisanpassung an die Inflation) ausgenommen, doch nun werde geprüft, „welche Erhöhung nötig ist“.

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Preisanpassung unvermeidbar

Die konkreten Pläne sind noch nicht bekannt. Interessant ist jedoch, dass die Wiener SPÖ selbst während des Wahlkampfs einräumte, dass die Jahreskarte eigentlich doppelt so teuer sein müsste. Diese Einschätzung basiert auf einer KURIER-Berechnung vom Feber: Ausgehend vom letzten Preisanstieg im Juni 2007 läge der aktuelle Preis bei 725 Euro – ein Plus von 61,4 Prozent. Die symbolträchtige 1-Euro-pro-Tag-Formel wurde am 1. Mai 2012 unter der rot-grünen Koalition eingeführt und blieb seither unverändert.

Eine Verdoppelung des Preises erscheint politisch kaum durchsetzbar. Wahrscheinlicher ist ein Modell nach Vorbild des Bundes beim Klimaticket. Dort wurde eine Erhöhung um etwa 28 Prozent beschlossen – von anfänglich 1.095 Euro auf künftig 1.400 Euro im Jahr 2026. Übertragen auf Wien würde dies eine Steigerung um rund 100 Euro bedeuten, was ab 2027 zu einer 465-Euro-Jahreskarte führen würde.

Diese Größenordnung deckt sich mit den Einschätzungen von Fachleuten. „Aus Gründen der politischen Realität glaube ich nicht, dass man um mehr als 100 Euro anheben wird“, äußerte sich WU-Logistik-Professor Sebastian Kummer kürzlich. Verkehrsforscher Ulrich Leth von der TU Wien pflichtete bei: „100 oder 150 Euro mehr wäre leichter politisch zu argumentieren.“

Finanzielle Auswirkungen

Für den Wiener Haushalt, der bis 2031 hauptsächlich durch Ausgabenkürzungen konsolidiert werden soll, würde eine solche Maßnahme spürbare Entlastung bringen. Derzeit muss die Stadt jährlich etwa 200 Millionen Euro zuschießen, um die 365-Euro-Jahreskarte zu subventionieren. Eine Preiserhöhung um 100 Euro könnte – bei rund 800.000 Jahreskartenbesitzern – etwa 80 Millionen Euro jährlich in die Stadtkasse spülen.

Die Wiener Linien halten sich zur möglichen Preisanpassung bedeckt: „Da die neue Legislaturperiode erst am Dienstag begonnen hat, ist es zu früh, irgendwelche Aussagen zu treffen.“ Man betont jedoch: „Die Jahreskarte ist ein Erfolgsmodell.“ Für diesen Erfolg seien sowohl ein hochwertiges, verlässliches Angebot als auch eine faire Preisgestaltung verantwortlich.

Der hohe Qualitätsstandard resultiere aus kontinuierlichen Investitionen und einem klaren politischen Bekenntnis zum öffentlichen Verkehr.

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KO KOSMO-Redaktion
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