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Erdinneres

12 Kilometer tief gegraben – Ihr werdet nicht glauben, was die Sowjets dort fanden

12 Kilometer tief gegraben –  Ihr werdet nicht glauben, was die Sowjets dort fanden
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Ein Loch, kaum breiter als ein Handteller – und tiefer als der Marianengraben. Was die Sowjets dort fanden, veränderte alles.

Tief in der Tundra der Kola-Halbinsel, unweit der norwegischen Grenze, klafft ein Loch im Boden, das kaum breiter ist als ein Handteller – und doch in eine Tiefe reicht, die selbst den berühmtesten Abgrund der Weltmeere übertrifft. Die Kola-Supertiefbohrung, 1970 von der Sowjetunion ins Leben gerufen, stößt auf 12.262 Meter in die Erdkruste vor – tiefer als der Grund des Marianengrabens, der tiefsten bekannten Stelle im Ozean. Ihr Durchmesser: gerade einmal 23 Zentimeter.

Das Ziel war ehrgeizig. Sowjetische Wissenschaftler wollten 15 Kilometer in die Tiefe vordringen und dabei Erdschichten erkunden, über die bis dahin kaum mehr als Vermutungen existierten. Für dieses Vorhaben wurden eigens Spezialmaschinen entwickelt – zunächst die Uralmash-4E, später die leistungsstärkere Uralmash-15000 –, denn die verfügbare Technologie war für derartige Bedingungen schlicht nicht ausgelegt.

Widerspenstiges Erdinnere

Doch die Erde zeigte sich widerspenstiger als erwartet. 1994 musste das Projekt in einer Tiefe von 12,2 Kilometern abgebrochen werden. Die Temperaturen hatten zu diesem Zeitpunkt die Marke von rund 200 Grad Celsius erreicht und machten den Weiterbetrieb der Maschinen unmöglich. Hinzu kamen fehlende Finanzmittel – das Ende des Projekts war besiegelt. Die Bohrung wurde mit einem Metalldeckel verschlossen, der mit zwölf Schrauben gesichert wurde.

Was die Ingenieure in dieser Tiefe vorfanden, widersprach so manchem Lehrbuch. Das Gestein verhielt sich unter dem enormen Druck und der Hitze nicht mehr wie Fels, sondern wie ein plastisches, formbares Material. Noch überraschender war der Fund von Wasser in Tiefen, die die Wissenschaft bis dahin als vollkommen trocken eingestuft hatte. In rund 6,7 Kilometern Tiefe stießen die Forscher zudem auf mikroskopisch kleine Fossilien – ein Fund, der das Verständnis der geologischen Geschichte dieser Region grundlegend veränderte.

Hochrechnungen auf Basis der gewonnenen Daten ließen wenig Spielraum für Optimismus: In der ursprünglich angestrebten Tiefe von 15 Kilometern wären Temperaturen von mindestens 300 Grad Celsius zu erwarten gewesen – ein Wert, bei dem keine der damals verfügbaren Maschinen noch funktionsfähig geblieben wäre. Bohrarbeiten in verschiedenen Formen wurden dennoch bis 2005 fortgesetzt, ehe die Forschungen 2008 endgültig eingestellt und der gesamte Komplex aufgegeben wurde.

Die Dimensionen des Projekts verdeutlichen, wie bescheiden der Vorstoß ins Erdinnere letztlich blieb: 12 Kilometer entsprechen lediglich einem Drittel der Dicke des Baltischen Schildes, der hier rund 35 Kilometer misst. Gemessen am Weg zum Erdmittelpunkt durchdrangen die sowjetischen Bohrungen gerade einmal 0,002 Prozent der Gesamtstrecke.

Unerwartete Befunde

Dennoch war das Projekt alles andere als vergeblich. Zwischen drei und sechs Kilometern Tiefe wurde Wasser nachgewiesen, dessen Existenz dort zuvor als ausgeschlossen galt. In sieben Kilometern Tiefe fanden sich fossile Überreste mikroskopischen Planktons sowie ungewöhnlich hohe Konzentrationen gasförmigen Wasserstoffs – Befunde, die das Wissen über geochemische Prozesse in der Erdkruste erheblich erweiterten.

Auch andernorts wagte man sich in die Tiefe. Im Jahr 1990 startete Deutschland im bayerischen Windischeschenbach ein vergleichbares Bohrprojekt. Die Kontinentale Tiefbohrung erreichte eine Tiefe von 9.101 Metern, wo Temperaturen von 260 Grad Celsius gemessen wurden. Auch hier verhielt sich das Gestein unter diesen Bedingungen wie eine zähflüssige Masse – das Bohrloch ließ sich nicht mehr offen halten, das Projekt wurde eingestellt.

Die Kola-Supertiefbohrung steht heute verlassen auf der Kola-Halbinsel. Ihr verrosteter Deckel zieht dennoch regelmäßig Neugierige an, die einen Blick auf jenen unscheinbaren Verschluss werfen wollen, unter dem der tiefste Einblick liegt, den die Menschheit je in das Innere unseres Planeten gewagt hat.

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KO KOSMO-Redaktion
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