Temu gelobt nach 200-Millionen-Strafe Besserung. Im Visier der EU: Algorithmen, die womöglich gefährliche Produkte nach vorn spülen.
Nach der am 28. Mai 2026 verhängten EU-Millionenstrafe sagt der Onlinehändler Temu schärfere Kontrollen zu. Bis Ende November will das Unternehmen der EU-Kommission einen detaillierten Risikobericht vorlegen. Im Mittelpunkt stehen laut Kommission jene Algorithmen, die unsichere oder gesundheitsgefährdende Produkte bewerben.
Der in Shanghai ansässige Händler hatte seine Risiken nach Angaben aus Brüssel bislang nicht plattformspezifisch offengelegt. Bei Testkäufen der EU-Kommission fielen zahlreiche Produkte bei grundlegenden Sicherheitsprüfungen durch. Besonders kritisch: Bei Ladegeräten fiel ein sehr hoher Anteil durch die Tests, bei Babyspielzeugen wurden Chemikalien über den gesetzlichen Grenzwerten sowie Erstickungsgefahren durch ablösbare Teile festgestellt.
Die Behörde kam zum Schluss, Temu habe die Zahl illegaler Produkte „deutlich unterschätzt“, und verhängte eine Geldbuße von 200 Millionen Euro. Nun hat Temu angekündigt, die Risikoüberwachung zu verschärfen und bis Ende November einen detaillierten Bericht abzuliefern.
Pflichten laut DSA
Der Digital Services Act (DSA), das EU-Gesetz für digitale Dienste, verpflichtet Temu, der EU-Kommission jedes Jahr einen Risikobericht zu übermitteln. Der Händler muss darin einschätzen, wie viele gefährliche Produkte auf der eigenen Plattform im Umlauf sind, und aufzeigen, mit welchen Maßnahmen er dagegen vorgeht.
Wie die EU-Kommission festhält, bezogen sich Temus bisherige Angaben bloß auf den Markt im Allgemeinen, nicht auf den konkreten Zustand der eigenen Angebote und Abläufe. Künftig soll der Bericht zudem auf Empfehlungs- und Werbe-Algorithmen eingehen, die problematische Produkte möglicherweise besonders sichtbar machen.
Folgen für Nutzer
Für Nutzerinnen und Nutzer in Österreich, darunter viele aus der BKS-Community, bringt die Zusage mehr Transparenz über Risiken und strengere Prüfungen auf der Plattform. Die EU-Kommission will den angekündigten Bericht bewerten und die Einhaltung des DSA überwachen. Sollten die Maßnahmen nicht ausreichen, können zusätzliche Auflagen folgen.
Käuferinnen und Käufer sollten Angebote genau prüfen, Verkäuferbewertungen kritisch lesen und bei Verdachtsmomenten die Meldefunktionen der Plattform nutzen. Der bis Ende November angekündigte Risikobericht soll aufzeigen, wie Temu gefährliche oder gesundheitsgefährdende Produkte identifiziert, welche Korrekturen an den Algorithmen geplant sind und welche Schritte gegen Verstöße gesetzt werden. Klar ist: Die Regulierung zielt darauf ab, riskante Angebote rascher zu erkennen und aus dem Verkehr zu ziehen, zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher in der gesamten EU.
Die EU-Kommission begründet ihr Vorgehen mit den Ergebnissen eigener Testkäufe: Zahlreiche Produkte hätten grundlegende Sicherheitschecks nicht bestanden. Die von Temu bisher gemeldete Menge illegaler Angebote sei vor diesem Hintergrund „deutlich unterschätzt“ worden. Der nun zugesagte, detaillierte Risikobericht muss konkrete Zahlen für die Temu-Plattform liefern und erläutern, wie der Händler gegen gefährliche Produkte vorgeht, einschließlich einer Überprüfung jener Algorithmen, die solche Angebote bewerben könnten.