Vucic räumt die Niederlage ein, in Washington meldet sich prompt ein Republikaner. Seine Botschaft gilt vor allem den Studierenden.
Nach dem Eingeständnis der Wahlniederlage durch Aleksandar Vucic hat sich der republikanische US-Abgeordnete Joe Wilson mit Glückwünschen an die Menschen in Serbien gewandt, allen voran an die Studierenden. Zugleich betonte er, die eigentliche Arbeit beginne erst jetzt. Seine Reaktion ist eine frühe Einzelstimme aus Washington und keine offizielle Position der USA.
Wilson äußerte sich, nachdem Vucic in der Zentrale der Serbischen Fortschrittspartei (SNS) eingeräumt hatte, dass seine Liste die Parlamentswahl verloren hat. Auf der Plattform X schrieb der langjährige Kongressabgeordnete: „Die Amerikaner übermitteln den Bürgern Serbiens nach einem hart umkämpften Wahlkampf ihre aufrichtigen Glückwünsche.“ Der Studierendenbewegung, die seit fast zwei Jahren die Proteste getragen hat, attestierte er Entschlossenheit und ein klares Bekenntnis zum Rechtsstaat. „Die harte Arbeit beginnt erst jetzt“, schrieb Wilson und stellte zugleich eine Erneuerung der Beziehungen zwischen Belgrad und Washington in Aussicht.
Wilsons Gratulation gehört zu den ersten politischen Reaktionen aus den Vereinigten Staaten auf Vucics Eingeständnis. Sie gibt allerdings nicht die Haltung des Weißen Hauses wieder, sondern ausschließlich die Position eines einzelnen republikanischen Abgeordneten.
Warnung vor Gewalt
Schon am Wahltag hatte sich Wilson besorgt über Berichte gezeigt, wonach Gewalt gegen Bürger eingesetzt werden könnte, um den Wahlprozess zu stören. „Derartige Angriffe sind völlig inakzeptabel. Ich appelliere an Serbien, den Frieden zu wahren“, erklärte er. Der britische Guardian griff diese Warnung auf.
Aus mehreren Landesteilen wurden Zusammenstöße, Drohungen gegen Wahlbeobachter und weitere Unregelmäßigkeiten gemeldet. Laut Medienberichten sind diese Angaben aber nicht unabhängig überprüft.
In der Vergangenheit hatte Wilson die Nähe Belgrads zu Moskau und Peking kritisiert und sich dafür ausgesprochen, die Abhängigkeit von russischen Energieträgern zu verringern. Mitte Oktober wandte er sich in Washington an zuständige Stellen, unter anderem an Außenminister Marco Rubio. Er regte Sanktionen gegen vier serbische Geschäftsleute an, die mit Vucics Umfeld in Verbindung gebracht werden. Dabei handelte es sich um die Forderung eines Abgeordneten, nicht um eine Entscheidung der US-Regierung.