Während Politiker seit Jahrzehnten Versprechungen machen, bleibt der Autobahnbau in Bosnien ein Dauerprovisorium. Der Korridor 5C wird zum Symbol für Stillstand.
Fast 30 Jahre nach Kriegsende schleppt sich der Autobahnbau in Bosnien und Herzegowina im Schneckentempo voran. Während Politiker seit Jahrzehnten vollmundige Versprechungen machen, sind die Bürger weiterhin mit verstopften Landstraßen, endlosen Staus und gefährlichen Verkehrsbedingungen konfrontiert. Im Zentrum aller Infrastrukturträume steht der Korridor 5C – jene Autobahnverbindung, die einmal vom kroatischen Ploče bis ins ungarische Budapest führen soll. Doch immer drängender wird die Frage: Werden überhaupt unsere Kinder jemals ohne Baustellen, Umleitungen und Unterbrechungen diese Strecke befahren können?
Offiziell begann der Autobahnbau in Bosnien und Herzegowina im Jahr 2001, doch die ersten tatsächlichen Autobahnkilometer wurden erst Jahre später dem Verkehr übergeben. Schon damals kristallisierte sich der Korridor 5C als Herzstück der Straßeninfrastruktur heraus. Ernüchternd ist die Bilanz 24 Jahre später: Weniger als 140 Kilometer der geplanten 337 Kilometer sind fertiggestellt – gerade einmal ein Drittel der Gesamtstrecke. In der Republika Srpska (serbisch dominierte Entität innerhalb Bosnien und Herzegowinas) entstand immerhin eine Autobahnverbindung von Doboj nach Gradiška, die derzeit in Richtung Bijeljina erweitert wird.
Im Vergleich dazu zeigen andere Balkanländer deutlich mehr Fortschritt: Kroatien hat seit dem Ende der Jugoslawienkriege sein Autobahnnetz von knapp 330 km auf über 1.300 km ausgebaut und das Land von der Adria bis zur ungarischen Grenze erschlossen. Nordmazedonien hat trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen seit 2002 über 290 km Autobahn gebaut, darunter den strategisch wichtigen Korridor 8 (Ost-West-Verbindung) und Korridor 10 (Nord-Süd-Verbindung). Selbst das wirtschaftlich schwächere Albanien hat seine Autobahnlänge seit 2005 von 20 km auf über 400 km erweitert und damit die Reisezeit zwischen wichtigen Städten um bis zu 70 Prozent reduziert.
Aktuellen Daten zufolge befinden sich 55 Kilometer neuer Streckenabschnitte im Bau, verteilt auf sieben Baustellen. Die ambitionierten Pläne sehen eine Fertigstellung des gesamten bosnischen Korridorabschnitts bis 2030 vor. Diese Zeitpläne hängen jedoch von zahlreichen Unwägbarkeiten ab – von politischer Stabilität über Finanzierungsfragen bis hin zu technischen Herausforderungen. Ein weiterer Rückschlag: Kürzlich scheiterte eine Ausschreibung für einen Abschnitt bei Doboj, was zusätzliche Verzögerungen nach sich zieht.
Technische Hürden
Eine der größten technischen Hürden stellt der Tunnel Prenj dar – das längste und komplexeste Tunnelbauwerk des gesamten Korridors 5C. Seine Fertigstellung soll sechs Jahre in Anspruch nehmen, wobei der Baubeginn erst für Ende 2025 anvisiert wird. Ähnlich verhält es sich mit dem Tunnel Kvanj zwischen Buna und Pocitelj, wo schwierige geologische Verhältnisse die Bauarbeiten erschweren. Die Abschnitte rund um Mostar werden noch länger auf ihre Realisierung warten müssen.
Trotz vereinzelter Fortschritte bleiben die Kernprobleme unverändert: lähmende Bürokratie, komplizierte Vergabeverfahren und permanente politische Spannungen. Obwohl die EU einen erheblichen Teil der Finanzierung durch Kredite bereitstellt, tut sich Bosnien und Herzegowina oft schwer, den erforderlichen Eigenanteil aufzubringen. Dass Autobahnen Leben retten können, haben wir bereits im Februar thematisiert, während wir vor sechs Jahren eine Infografik über den Autobahnausbau in der Region veröffentlicht haben. Seit 2019 hat sich erschreckend wenig verändert. Bezeichnend: Noch im Februar war von einer Fertigstellung des Korridors 5C bis 2028 die Rede – heute spricht man von 2030. In nur vier Monaten wurde die Ziellinie um volle zwei Jahre nach hinten verschoben.
Anderen Balkanländern ist es gelungen, diese Hürden zu überwinden. Serbien hat beispielsweise seit 2012 durch strategische Partnerschaften mit internationalen Unternehmen und klare politische Priorisierung über 300 km neue Autobahnen gebaut. Das Land hat ein transparentes Projektmanagement etabliert und die Autobahngesellschaft „Koridori Srbije“ professionalisiert. In Montenegro wurden trotz schwieriger Topografie innerhalb von nur fünf Jahren 41 km der komplexen Autobahn Bar-Boljare fertiggestellt, indem ein chinesisches Unternehmen mit dem kompletten Projekt beauftragt wurde – ein Modell, das zwar umstritten ist, aber zumindest für schnellen Baufortschritt sorgte.
Im Gespräch mit der Wirtschaftsexpertin Svetlana Cenic wird deutlich, dass der Autobahnbau durchaus zügiger hätte voranschreiten können. Als Haupthindernisse identifiziert sie „die Auftragnehmerwahl, fehlende durchdachte Projekte und Verzögerungen bei der Beschaffung hochwertiger Planungsunterlagen“. „Ganz zu schweigen von der verschwendeten Zeit durch Ausschreibungstricks und Versuche, ordnungsgemäße Verfahren zu umgehen… Glücklicherweise wurden die meisten Abschnitte durch EBRD- und EIB-Kredite finanziert, was den Spielraum für Manipulationen einschränkte – obwohl weder die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung noch die Europäische Investitionsbank sich sonderlich in die Auswahl einmischten und stets alle Mängel kannten“, erklärt Cenic. Sie fügt hinzu: „Bei uns wird alles in die Länge gezogen – mal fehlen angeblich die Planungen, dann gibt es nicht genug heimische