Zwischen nuklearen Machtdemonstrationen und diplomatischen Warnungen spitzt sich die Lage zu. Nato-Chef Rutte sendet jetzt eine unmissverständliche Botschaft an Putin.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat eine unmissverständliche Botschaft an den Kreml gerichtet und Wladimir Putin vor dem Einsatz von Nuklearwaffen gewarnt. „Putin muss wissen, dass ein nuklearer Krieg niemals gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf“, erklärte Rutte in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“.
Seit mehr als dreieinhalb Jahren führt Russland als Atommacht Krieg gegen die Ukraine. In dieser Zeit hat Kremlchef Putin wiederholt das russische Nukleararsenal als strategisches Druckmittel ins Spiel gebracht – offenbar auch mit dem Ziel, westliche Unterstützung für Kiew einzudämmen.
Erst vor etwa zwei Wochen demonstrierte Moskau seine militärische Schlagkraft mit einem großangelegten Manöver seiner strategischen Nuklearstreitkräfte, das zeitgleich zu einer laufenden Atomübung der Nato in Europa stattfand.
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Nukleare Abschreckung
Rutte, der frühere niederländische Regierungschef, verwies in diesem Zusammenhang auf das Nato-Nuklearmanöver „Steadfast Noon“, das im vergangenen Monat über der Nordsee durchgeführt wurde. „Die Übung wurde erfolgreich abgeschlossen, was mir ein absolutes Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der nuklearen Abschreckung der Nato verschafft“, betonte der Generalsekretär. „Von der Übung ging das klare Signal an jeden Feind aus, dass die Nato ihre Verbündeten gegen alle Bedrohungen schützen kann und wird.“
Der Nato-Chef appellierte zugleich an politische Entscheidungsträger im Westen, die Bedeutung von Atomwaffen stärker in den öffentlichen Diskurs einzubringen. „Es ist wichtig, dass wir mit unseren Gesellschaften mehr über nukleare Abschreckung sprechen, um sicherzustellen, dass die Menschen verstehen, wie sie zu unserer gemeinsamen Sicherheit beiträgt“, sagte Rutte.
Atomare Kräfteverhältnisse
Er fügte hinzu: „Wenn Russland gefährliche und rücksichtslose nukleare Rhetorik verwendet, müssen unsere Bevölkerungen wissen, dass kein Grund zur Panik besteht, da die Nato über eine starke nukleare Abschreckung verfügt, um den Frieden zu bewahren.“
Im Bündnis verfügen drei der insgesamt 32 Nato-Staaten über Atomwaffen: die USA, Frankreich und Großbritannien. Russland hingegen gilt als größte Atommacht weltweit. Nach Angaben der International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN) verfügt Moskau derzeit über den umfangreichsten bestätigten Atomwaffenbestand – mehr als 5500 Sprengköpfe.
Die USA folgen mit 5044 nuklearen Waffen.