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Pflegenotstand

Toter Patient zwei Stunden unbemerkt im Warteraum

Toter Patient zwei Stunden unbemerkt im Warteraum
(istockfoto: Warteraum)
3 Min. Lesezeit |

Ein Patient liegt im Warteraum – und niemand bemerkt, was geschehen ist. Eine Pflegerin schildert einen Moment, der sie nicht loslässt.

Die Kollektivvertragsverhandlungen für das nichtärztliche Personal der oberösterreichischen Ordensspitäler gehen am Donnerstag in eine weitere Runde – es ist bereits der siebte Anlauf, um eine Einigung zu erzielen. Von den Verhandlungen sind rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen, die in sechs Einrichtungen tätig sind: Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern Elisabethinen, Krankenhaus Barmherzige Schwestern Ried, Krankenhaus St. Josef Braunau, Klinikum Wels-Grieskirchen sowie Krankenhaus Sierning. Zuletzt hatte es kaum Bewegung gegeben, weshalb die Beschäftigten am 3. März erneut die Arbeit niederlegten. Im Mittelpunkt des Konflikts steht die Arbeitszeit: Die Gewerkschaft vida drängt auf eine deutliche Entlastung und hat ihre ursprüngliche Forderung nach einer 35-Stunden-Woche inzwischen auf 37 Stunden bis 2028 zurückgenommen.

Alarm im Warteraum

Aus dem Pflegealltag häufen sich Berichte über die zunehmende Belastung der Beschäftigten. Eine Pflegerin schildert nun eine Situation aus ihrem Dienst, die zeigt, unter welchem Druck das System steht. Der betreffende Tag verlief zunächst ohne Besonderheiten: „Im Wartebereich betrug die Wartezeit etwa zwei Stunden.“

Nachdem sie ihre Patienten versorgt hatte, wurde ihr schließlich ein Bett mit einem Mann in den Raum gebracht. Der Patient hatte zu diesem Zeitpunkt bereits rund eineinhalb Stunden gewartet. Als sie ihn berührte, bemerkte sie sofort etwas Beunruhigendes: „Er war bereits sehr kalt.“ Die Haut habe sich „unnatürlich kühl“ angefühlt. „Mir wurde heiß, mein Herz raste, und eine lähmende Angst breitete sich in mir aus“, beschreibt sie ihre Reaktion in jenem Moment.

Eine Ärztin tastete daraufhin den Puls am Hals, die Pflegerin gleichzeitig am Handgelenk des Mannes: „Nichts. Kein Puls. Kein Lebenszeichen.“ Als die Decke zurückgeschlagen wurde, offenbarte sich das volle Ausmaß: „Der Patient hatte bereits Totenflecken am Körper.“

Stiller Tod, unbemerkt

Während ihres Dienstes hatte sie immer wieder Patienten vorgezogen, „weil es ihr Zustand nicht erlaubte, länger sitzenzubleiben“. Gleichzeitig begleitete sie Patienten zur Toilette und reagierte auf akute Zwischenfälle. Was sich dann ereignete, bezeichnet sie als ein „zutiefst erschütterndes Erlebnis“.

Nach einer kurzen Absprache wurde der Mann korrekt im Bett gelagert, würdevoll zugedeckt und ihm die Augen geschlossen. Im Nachhinein hätten sie noch darüber gesprochen, dass der Patient „vermutlich bereits auf der Station verstorben war – und es niemandem aufgefallen war“.

Was die Pflegerin nicht loslässt, fasst sie in folgende Worte: „Es ist ein unbeschreiblich schrecklicher Moment, einen Menschen vor sich liegen zu sehen, der aufgrund von Wartezeit und Personalmangel still und allein im Warteraum verstorben ist.“ Und weiter: „Niemand hat es bemerkt. Niemand war bei ihm. Dieser Patient musste unsere Welt ohne Begleitung und ohne Beistand verlassen.“

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KO KOSMO-Redaktion
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