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Importrisiko

Kilometerstand gefälscht, Schäden vertuscht: So riskant sind Importautos wirklich

Kilometerstand gefälscht, Schäden vertuscht: So riskant sind Importautos wirklich
(FOTO: iStock)
5 Min. Lesezeit |

Ein günstiger Importwagen kann teuer werden – denn was auf dem Papier fehlt, versteckt sich oft im Blech.

Wer beim Gebrauchtwagenkauf auf ein günstiges Importangebot setzt, geht oft ein höheres Risiko ein, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Experten warnen seit Längerem davor, dass importierte Fahrzeuge überdurchschnittlich häufig versteckte Schäden aufweisen – ein Problem, das durch fehlende grenzüberschreitende Datentransparenz systematisch begünstigt wird. Da Staaten Fahrzeugdaten nicht miteinander teilen und viele ältere Schadensaufzeichnungen nie digitalisiert wurden, startet ein importiertes Auto auf dem neuen Markt faktisch mit einer blütenweißen Vergangenheit.

Laut Daten des auf Fahrzeughistorien spezialisierten Unternehmens carVertical kann der Anteil beschädigter Importfahrzeuge auf bestimmten Märkten fast dreimal höher liegen als bei Fahrzeugen, die ausschließlich im Inland genutzt wurden. Eine Befragung des Unternehmens zeigt zudem, dass 92,2 Prozent der Autokäufer der Ansicht sind, Verkäufer seien verpflichtet, frühere Schäden offenzulegen – doch nicht alle halten sich daran.

Konkrete Schadenszahlen

Konkrete Zahlen belegen das Ausmaß des Problems: Von allen Fahrzeugen, die carVertical-Nutzer in Serbien zwischen Jänner 2025 und März 2026 überprüfen ließen, wiesen 44,8 Prozent der Importfahrzeuge eine dokumentierte Schadenshistorie auf – gegenüber 34,8 Prozent bei Autos, die ausschließlich auf dem heimischen Markt gefahren wurden. Die Wahrscheinlichkeit dokumentierter Schäden ist bei importierten Fahrzeugen damit rund 1,3-mal höher.

Dieses Bild deckt sich mit den Ergebnissen einer früheren carVertical-Untersuchung zu Tachomanipulationen, der zufolge bei Importfahrzeugen die Wahrscheinlichkeit zurückgedrehter Kilometerstände zwei- bis fünfmal höher ist als bei lokal gehandelten Autos – ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich dabei um ein strukturelles, kein zufälliges Problem handelt.

Rund 76 Prozent der in Serbien geprüften Gebrauchtwagen stammen aus dem Ausland. Viele davon wurden zuvor mit billigen, nicht originalen Ersatzteilen instand gesetzt, was das Risiko beim Kauf eines mangelhaften Fahrzeugs zusätzlich erhöht. „Aus dem Ausland importierte Autos sind grundsätzlich ein riskanterer Kauf. Privatpersonen und Händler erwerben häufig Unfallfahrzeuge, reparieren sie so kostengünstig wie möglich und verkaufen sie weiter. Die Schadensrate bei Importfahrzeugen ist so hoch, dass das Risiko, ein mangelhaftes Auto zu erwerben, keinesfalls unterschätzt werden sollte“, erklärt Matas Buzelis, Automobilmarkt-Experte bei carVertical.

Besonders tückisch sind dabei Schäden im mittleren Bereich – üblicherweise bis zu 15.000 Euro. Diese kommen häufig vor, lassen sich nach hohen Standards reparieren und sind dadurch für Laien wie auch für Fachleute schwer zu erkennen und präzise zu bewerten. Sascha Paas, Autohändler und Sachverständiger im Gutachterbüro Florian Mengert, erklärt das Phänomen anhand des deutschen Markts: „In Deutschland entstehen viele wirtschaftliche Totalschäden aus kommerziellen, nicht aus technischen Gründen. Wegen der hohen Arbeitskosten werden Fahrzeuge oft als unwirtschaftlich für eine Reparatur im Inland eingestuft, obwohl die Instandsetzung technisch problemlos möglich wäre. Solche Autos werden dann in Länder mit niedrigeren Lohnkosten exportiert, dort repariert und anschließend auf Märkten wie jenem in Serbien verkauft.“

Regulatorische Grauzone

Das Fehlen eines einheitlichen europäischen Fahrzeugdatenregisters schafft dabei eine strukturelle Grauzone. Käufer haben keine Möglichkeit, sich über zurückgedrehte Kilometerstände, frühere Unfälle oder Besitzerwechsel bei Fahrzeugen zu informieren, die in einem anderen Land registriert waren. Diese Daten bleiben in nationalen Datenbanken gesperrt – auf Kosten der Gebrauchtwagenkäufer quer durch Europa.

Buzelis sieht darin auch einen regulatorischen Widerspruch: „Die Ironie liegt darin, dass ausgerechnet die aktuelle Auslegung der DSGVO Hindernisse für jene Unternehmen schafft, die Transparenz herstellen wollen. Unklare Definitionen des ‚berechtigten Interesses‘ zwingen Unternehmen in ein teures rechtliches Labyrinth – von Land zu Land verschieden. Ein freier Zugang zu depersonalisierten technischen Fahrzeugdaten in Europa würde diese Hürden beseitigen, Innovationen fördern und Verbrauchern den Schutz bieten, den sie sich eindeutig wünschen.“

Dass dieser Wunsch nach Schutz real und weitverbreitet ist, belegt eine carVertical-Befragung unter 14.000 Autofahrern in ganz Europa: Für 75,6 Prozent der Befragten ist eine saubere Fahrzeughistorie wichtiger als ein niedriger Kaufpreis – nur 9,6 Prozent nannten den Preis als ausschlaggebenden Faktor. „Wenn ein Auto in ein anderes Land importiert wird, beginnt seine Geschichte oft von vorne – Mängel werden verschleiert, der Kilometerstand manipuliert. Solange es kein einheitliches System gibt, das die Historie eines Fahrzeugs für alle Käufer zugänglich macht, leidet die Qualität des Gebrauchtwagenmarkts insgesamt“, so Buzelis.

Die Grundlage der Untersuchung bilden Fahrzeugberichte, die carVertical-Nutzer zwischen Jänner 2025 und März 2026 abgerufen haben, sowie eine im Februar und März 2026 durchgeführte Befragung mit 14.000 Teilnehmern aus 22 Ländern. Da ausschließlich aktive Nutzer der Plattform befragt wurden, spiegeln die Ergebnisse die Einstellungen von Personen wider, die sich konkret im Kaufprozess befinden. carVertical ist in 37 Ländern tätig – vorwiegend in Europa, aber auch in den USA, Mexiko und Australien – und greift für seine Berichte auf Daten aus mehr als 1.000 Registern und Datenbanken weltweit zurück.

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KO KOSMO-Redaktion
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