Ein Kreuzfahrtschiff, tausend Passagiere – und ein Hafen, der sie nicht einlassen will. Die Begründung sorgt für Aufsehen.
Die türkischen Behörden haben einem Kreuzfahrtschiff mit überwiegend amerikanischen LGBTQ+-Passagieren den Einlauf in ihre Häfen verweigert. Als Begründung wurden der Schutz „moralischer Standards“ sowie „Familienwerte“ angeführt. Die Entscheidung wurde am Donnerstag vom Geschäftsführer des veranstaltenden Unternehmens öffentlich bestätigt.
Das Schiff „Scarlet Lady“ der Reederei „Virgin Voyages“ sollte im Rahmen einer von „Atlantis Events“ organisierten Mittelmeer-Tour am 5. Juli in Griechenland ablegen und zwei Tage später im türkischen Hafen Kuşadası anlegen – mit anschließendem Weiterfahren nach Istanbul. Die lokalen Behörden untersagten den Anlauf jedoch mit dem Verweis, das Schiff sei von einer Gruppe gechartert worden, die „für Verhaltensweisen bekannt ist, die mit unserer Gesellschaft und unseren moralischen Werten unvereinbar sind“. An Bord werden mehr als 1.000 Passagiere erwartet.
Die türkische Provinzverwaltung Aydın erklärte in einer offiziellen Mitteilung, dass der für den 7. Juli 2026 geplante Anlauf der Scarlet Lady im Hafen von Kuşadası abgesagt wurde, weil die von Atlantis Events gecharterte Gruppe für ein Verhalten bekannt sei, das mit der gesellschaftlichen Struktur und den moralischen Werten der Türkei unvereinbar sei und große Unruhe in Teilen der Bevölkerung verursacht habe. Die Gouverneursverwaltung betonte zugleich, dass die Absage ein isolierter Fall sei und keinerlei Einfluss auf andere Kreuzfahrtanläufe im Hafen von Kuşadası oder die weitere Entwicklung des Kreuzfahrttourismus in der Region haben solle.
Geänderte Reiseroute
„Atlantis Events“ reagierte mit einer Änderung der Reiseroute, die man auf „Umstände außerhalb der eigenen Kontrolle“ zurückführte. Anstelle der türkischen Häfen steuert das Schiff nun Kairo an sowie die griechische Insel Kreta.
Rich Campbell, Präsident und Geschäftsführer von „Atlantis Events“, zeigte sich gegenüber CNN offen erschüttert. „Ehrlich gesagt ist das ziemlich schockierend. Und der Grund ist, dass wir eine schwule Gruppe sind“, sagte er. Besonders beunruhige ihn, dass ein Staat selbst entscheide, welche Touristen willkommen seien und welche nicht.
Campbells Reaktion
Campbell betonte zugleich, dass es sich bei seiner Organisation um kein politisches Unternehmen handle. In 36 Jahren Geschäftstätigkeit sei es das erste Mal, dass dem Unternehmen ausdrücklich der Zugang zu einem Hafen verwehrt worden sei – allein aufgrund dessen, wen es vertrete. „Wir kommen aus keinem anderen Grund, als Geld auszugeben, uns gut zu amüsieren, Ausflüge zu machen und jeder Kultur, die wir besuchen, äußerst respektvoll zu begegnen“, so Campbell laut einem Bericht des Portals Index.