Livno am Limit: Ärzte legen ihre Zulassungen nieder – und stellen damit das gesamte regionale Gesundheitssystem vor den Kollaps.
Am Montagmorgen um acht Uhr haben Ärztinnen und Ärzte des Gespanschaftskrankenhauses Livno sowie des dortigen Gesundheitszentrums ihre Kündigungen eingereicht. Der Schritt ist ein unmissverständliches Signal der Unzufriedenheit – mit den Gehältern, mit den Arbeitsbedingungen, mit einem System, das sie nach eigenem Empfinden seit Jahren im Stich lässt. Die Mediziner beklagen, dass ihre Bezüge zu den niedrigsten in der gesamten Föderation Bosnien und Herzegowina zählen. Das von der Regierung der Herzegowina-Bosnien-Gespanschaft angebotene Gehaltsplus von drei Prozent lehnten sie als völlig unzureichend ab.
Dass es zu diesem Schritt kommen würde, hatte der Verband der Berufsgewerkschaften der Ärzte und Zahnärzte der FBiH bereits im Vorfeld angekündigt. In einer Aussendung hieß es, die Lage im Gesundheitswesen der HBŽ habe eine kritische Schwelle überschritten und stelle eine ernsthafte Gefahr für die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung in der Gespanschaft dar.
Kritischer Personalmangel
Neben den niedrigen Löhnen steht ein gravierender Personalmangel im Zentrum der Kritik. Weil schlicht zu wenige Ärztinnen und Ärzte im System verblieben sind, müssen die verbleibenden Kräfte weit mehr Bereitschaftsdienste leisten, als es gesetzlich vorgesehen wäre. Der Verband fasste die zentralen Missstände klar zusammen: die niedrigsten Stundensätze in der gesamten Föderation, unzureichende Koeffizienten und Grundgehälter, chronischer Personalmangel, eine erdrückende Schicht- und Dienstbelastung sowie die fortschreitende Abwanderung junger Medizinerinnen und Mediziner aus dem öffentlichen Gesundheitssystem.
An die Bevölkerung Livnos und der gesamten Gespanschaft richtete der Verband eine klare Botschaft: Ihr Protest richte sich nicht gegen die Patientinnen und Patienten, und es gehe auch nicht bloß um materielle Forderungen. Vielmehr stehe der Fortbestand einer funktionierenden Gesundheitsversorgung auf dem Spiel. Sollten die zuständigen Stellen nicht reagieren, könnten nach Ablauf der Kündigungsfristen sowohl das Krankenhaus als auch die Gesundheitszentren ohne ärztliches Personal dastehen.
Klare Forderungen
Der Verband fordert von der Regierung der HBŽ und den zuständigen Institutionen, die Gehälter und Rechte der Ärztinnen und Ärzte unverzüglich an jene im Rest der Föderation anzugleichen und konkrete Maßnahmen gegen den Personalmangel zu ergreifen.
Die Verantwortung für einen möglichen Kollaps des regionalen Gesundheitssystems, so der Verband, liege klar bei den Gespanschaftsbehörden.