Serbien hebt sein jahrzehntelanges AKW-Verbot auf – und beginnt nun, die nächste Generation dafür auszubilden.
Serbien hatte sein seit Jahrzehnten bestehendes Verbot für den Bau von Atomkraftwerken Ende 2024 aufgehoben. Eine technische Studie, an der der französische Energiekonzern EDF beteiligt ist, kommt zu dem Ergebnis, dass das Land bis 2032 technologisch in der Lage sein könnte, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Einem möglichen Atomkraftwerk zufolge dieser Roadmap wäre frühestens um das Jahr 2040 mit einer Inbetriebnahme zu rechnen.
Nuklearer Studiengang
Die konkreten Vorbereitungen auf eine mögliche Nutzung von Kernenergie nehmen in Serbien zunehmend Gestalt an. Das Institut für Nuklearwissenschaften „Vinca“ und die Fakultät für technische Wissenschaften in Novi Sad haben ein Memorandum unterzeichnet, das die Grundlage für einen neuen Masterstudiengang zur Ausbildung künftiger Nuklear-Ingenieure schafft. Wie RTS berichtet, könnte der Studienbetrieb bereits im nächsten akademischen Jahr aufgenommen werden, sofern die Akkreditierung rechtzeitig abgeschlossen wird.
Der Direktor des Instituts „Vinca“, Slavko Dimovic, bezeichnete den Aufbau von Fachpersonal als einen der wichtigsten Schritte. Ohne gut ausgebildete Ingenieure könne Serbien kein seriöses Nuklearprogramm entwickeln.
Das neue Programm soll theoretisches Wissen mit praktischer Ausbildung verknüpfen. Neben dem Studium in Serbien sind auch Auslandsaufenthalte für die Studierenden vorgesehen. Kooperationen mit europäischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Kernkraftwerken sind in Planung.
Der Studiengang richtet sich dabei bewusst nicht nur an Absolventinnen und Absolventen physikalischer Fachrichtungen. Auch Personen mit einem Abschluss in Elektrotechnik, Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder verwandten technischen Disziplinen sollen die Möglichkeit erhalten, sich zu bewerben. Serbien will eine breite technische Wissensbasis aufbauen, noch bevor auf politischer Ebene endgültige Entscheidungen über ein mögliches Atomkraftwerk fallen.
Öffentliche Debatte
In der Bevölkerung bleibt das Thema Kernenergie heikel. Fragen rund um Sicherheit, Kosten, Abhängigkeiten, Fachkräftemangel und Kontrollmechanismen beschäftigen die Menschen in der Region.
Das Institut „Vinca“ will dem mit gezielten Informationsangeboten begegnen: Geplant sind Tage der offenen Tür, öffentliche Diskussionsveranstaltungen und Workshops.