Millionen Serben besitzen Aktien – und wissen es womöglich nicht einmal. Hinter dem Anspruch steckt eine komplizierte Geschichte.
Fast fünf Millionen serbische Staatsbürger haben dem Grunde nach Anspruch auf Anteile am Akcionarski fond (serbischer Staatsfonds) – und zwar jeweils sieben Aktien pro Person. Der Fonds wurde im Jahr 2010 ins Leben gerufen und vereint jene Aktien und Beteiligungen an staatlichen Unternehmen, die im Verlauf früherer Privatisierungsverfahren nicht veräußert worden waren. Rechnerisch entfallen 98,65 Prozent der Anteile auf die Bürgerinnen und Bürger, lediglich 1,35 Prozent verbleiben beim Staat.
Die tatsächliche Kontrolle über den Fonds liegt dennoch faktisch in staatlicher Hand – ein Umstand, den Kritiker als grundlegendes strukturelles Problem werten: Die Mehrheit gehört formal der Bevölkerung, doch an der Steuerung des Fonds können die Anteilseigner kaum mitwirken. Formell ist die Republik Serbien als Gründer und Eigentümer des Akcionarski fond registriert, der seit dem 2. Juli 2010 als geschlossene Aktiengesellschaft mit Sitz in Belgrad im Unternehmensregister geführt wird. Die rechtliche Grundlage bildet das Gesetz über das Recht auf kostenlose Aktien und Geldentschädigung im Privatisierungsverfahren.
Kein Marktpreis
Da der Akcionarski fond nicht an der Börse notiert ist, besteht für die Anspruchsberechtigten keine Möglichkeit, ihre Anteile über den regulären Kapitalmarkt zu handeln. Ein transparenter Marktpreis existiert entsprechend nicht. Zu einem tatsächlichen Mittelzufluss käme es erst dann, wenn Vermögenswerte des Fonds veräußert und die Erlöse an die Berechtigten ausgeschüttet würden.
Berechnungen auf Grundlage verfügbarer Daten beziffern das Fondsvermögen auf rund 36 Milliarden Dinar, was einem Gegenwert von etwa 300 Millionen Euro entspricht. Würde dieser Betrag tatsächlich ausgeschüttet, ergäbe sich für jede anspruchsberechtigte Person ein Betrag von knapp unter 70 Euro. Gesichert ist das jedoch nicht: Die auf dem Papier ausgewiesenen Werte müssen erst in liquide Mittel umgewandelt werden.
Frist bis 2027
Ein konkretes Datum für eine mögliche Ausschüttung ist bislang nicht festgelegt. Der Ökonom Dragan Stojkovic geht davon aus, dass sich der weitere Verlauf an der im Privatisierungsgesetz verankerten Frist orientieren könnte, die bis zum 31. Dezember 2027 läuft. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die eigentumsrechtliche Klärung von gesellschaftlichem und öffentlichem Kapital abgeschlossen sein.
Für die serbische Diaspora ist das Thema insofern von Bedeutung, als Familienangehörige in Serbien möglicherweise Anspruch auf kostenlose Aktien hatten – wobei viele Betroffene vermutlich gar nicht wissen dürften, dass diese Frage noch immer ungeklärt ist.
Weder eine garantierte Auszahlung noch ein verbindlicher Betrag stehen derzeit in Aussicht.