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Montenegro vor dem EU-Beitritt: Wie bereit ist das Land für 2028? (Teil 4/4)

Montenegro vor dem EU-Beitritt: Wie bereit ist das Land für 2028? (Teil 4/4)
Foto: Mit Unterstützung von KI generiert
5 Min. Lesezeit |

Teil 4/4: Zwischen Wien und Podgorica. Was der Beitritt für die Menschen verändern würde

Für viele Menschen aus Montenegro ist die Verbindung zur Europäischen Union längst Teil des Alltags. Sie leben und arbeiten in Österreich, während Familien und persönliche Bindungen in Montenegro bleiben. Ein EU-Beitritt würde deshalb nicht nur die politische Position des Landes verändern, sondern könnte auch ganz konkrete Auswirkungen auf Menschen haben, deren Leben heute zwischen Wien und Podgorica stattfindet.

Österreich gehört zu jenen EU-Staaten, die Montenegros europäischen Weg besonders deutlich unterstützen. Gleichzeitig bestehen zwischen beiden Ländern enge wirtschaftliche und persönliche Beziehungen.
Gerade deshalb hat ein möglicher EU-Beitritt Montenegros auch für Österreich eine besondere Bedeutung.

Österreich zählt zu den wichtigen Unterstützern

Präsident Jakov Milatović bezeichnet Österreich als einen der konsequentesten Befürworter einer europäischen Zukunft Montenegros und des gesamten Westbalkans.

Österreich bringe Staaten zusammen, die eine raschere Erweiterung unterstützen, und habe sich auch 2026 stark für Montenegros europäischen Weg eingesetzt.

Milatović sieht Österreich zugleich als Beispiel für Bereiche, in denen Montenegro noch lernen könne: institutionelle Kultur, verantwortungsvolle Regierungsführung, sozialer Dialog, wirtschaftsnahe Bildung, lokale Entwicklung sowie der Umgang mit Raum und Umwelt.

Auch wirtschaftlich bestehen enge Verbindungen

Österreich gehört laut Milatović zu den zehn größten Investoren in Montenegro. Rund 30 österreichische Unternehmen beschäftigen dort etwa 900 Menschen.

Know-how und Investitionen bestehen bereits in Banken, Versicherungen, Energie, Wasserwirtschaft und Logistik.

Zusätzlich sieht der montenegrinische Präsident Potenzial in Energie, Infrastruktur, nachhaltigem Tourismus, digitaler Wirtschaft und grünen Technologien.

Claudia Bauer hält 2028 für realistisch

Auch aus Österreich kommt Unterstützung für das politische Ziel eines EU-Beitritts im Jahr 2028.

Bundesministerin für Europa, Integration und Familie Claudia Bauer hält dieses Ziel weiterhin für realistisch.

Montenegro sei zu Recht der Frontrunner unter den Beitrittskandidaten und ein Vorbild für die gesamte Region. Die 18 vorläufig abgeschlossenen Kapitel zeigten das Tempo, mit dem das Land vorankomme. Auch die Vorbereitungen für den Beitrittsvertrag liefen bereits.

Gleichzeitig verweist Bauer auf wichtige verbleibende Aufgaben, insbesondere bei Rechtsstaatlichkeit und im Kampf gegen organisierte Kriminalität.

„Die letzten Schritte sind oft die schwierigsten“, sagt die Ministerin.

Montenegro habe seine Reformbereitschaft unter Beweis gestellt und könne auf Österreichs Unterstützung zählen. Wenn das Land seine Reformen umsetze, müsse auch Europa Wort halten.

Bauer fasst ihren Standpunkt mit einem klaren Satz zusammen: „Wer liefert, soll auch vorankommen.“

Was würde sich für Menschen in Österreich konkret ändern?

Für KOSMO ist besonders die Frage relevant, was eine EU-Mitgliedschaft für jene Menschen bedeuten würde, deren Familien und Alltag bereits heute auf Montenegro und Österreich verteilt sind.

Nach Bauers Einschätzung würde ein Beitritt den Alltag vieler Familien deutlich einfacher machen.

Als EU-Bürgerinnen und EU-Bürger könnten Menschen aus Montenegro leichter in Österreich leben, arbeiten und studieren. Auch beim Familienleben, bei Pensionen und sozialen Ansprüchen sowie bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen würde es einfachere Verfahren und mehr Rechtssicherheit geben.

Bauer beschreibt den möglichen Wandel so: „Wer heute zwischen Wien und Podgorica lebt, soll sich morgen nicht mehr zwischen zwei Systemen bewegen müssen, sondern in einem gemeinsamen Europa zu Hause sein können.“

Gerade daran werde der konkrete Wert der europäischen Integration für die Menschen sichtbar.

Claudia Bauer, Bundesministerin für Europa, Integration & Familie
Foto: © BKA Schrötter

Ein Signal an Serbien, Bosnien und Herzegowina und die Region

Claudia Bauer sieht die Bedeutung eines montenegrinischen EU-Beitritts nicht auf Montenegro beschränkt.

Für Menschen aus Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie anderen Staaten der Region könnte ein erfolgreicher Abschluss des Prozesses zeigen, dass sich Reformen und der europäische Weg tatsächlich auszahlen.

„Montenegros Beitritt wäre eine europäische Erfolgsgeschichte“, sagt Bauer.

Entscheidend sei allerdings, dass jeder Staat nach seiner eigenen Leistung beurteilt werde. Dieselben Maßstäbe müssten auch für andere Kandidaten gelten.

Österreich bleibt eine starke Stimme für den Westbalkan

Bauer betont zudem die besondere Beziehung Österreichs zur Region. Der Westbalkan liege nicht irgendwo, sondern im Herzen Europas und sei längst Teil des gemeinsamen Alltags. Gerade Österreich sei mit der Region historisch, wirtschaftlich und menschlich eng verbunden.

„Für mich ist klar: Die Zukunft des Westbalkan liegt in der Europäischen Union“, sagt Bauer.

2028 wäre nicht das Ende des Weges

Montenegro hat alle 33 Verhandlungskapitel geöffnet, 18 davon vorläufig geschlossen. Der Beitrittsvertrag wird bereits vorbereitet. Gleichzeitig bleiben Reformen bei Rechtsstaatlichkeit, Kriminalitätsbekämpfung, Verwaltung, Umwelt und Wirtschaft notwendig.

Auch Gordana Đurović weist darauf hin, dass Reformen mit einer EU-Mitgliedschaft nicht enden würden. Selbst nach der Unterzeichnung eines Beitrittsvertrags müssten die übernommenen Verpflichtungen während der Ratifizierungsphase weiter umgesetzt werden.

Für Montenegro wäre ein Beitritt deshalb nicht einfach der Schlusspunkt eines langen Prozesses, sondern der Eintritt in eine neue Phase.

Für die vielen Menschen, deren Alltag schon heute zwischen Montenegro und Österreich stattfindet, könnte diese politische Entscheidung gleichzeitig sehr konkret werden: einfachere Verfahren, mehr Rechtssicherheit und eine noch engere Verbindung zwischen zwei Ländern, die gesellschaftlich längst miteinander verbunden sind.

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VM Vera M.
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