Ein totes Neugeborenes, fünf Angeklagte und 16 Stunden Verhandlung: Im Fall von Nickelsdorf gibt es ein Urteil – mit einem Schuldspruch und vier Freisprüchen.
Am 18. Jänner 2026 wurde hinter einer Trafostation am Grenzübergang Nickelsdorf im Burgenland ein totes Neugeborenes entdeckt. Nun ist der Prozess am Landesgericht Eisenstadt zu Ende gegangen: Die damals 17-jährige Mutter wurde wegen Tötung eines Kindes bei der Geburt zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Vier mitangeklagte Familienmitglieder wurden freigesprochen.
Die Geschworenen entschieden in allen fünf Fällen einstimmig mit acht zu null Stimmen. Der Schwester, dem Schwager, dem Bruder und der Mutter der mittlerweile 18-Jährigen war vorgeworfen worden, an einem Mord beteiligt gewesen zu sein. Dass sie von der Tat wussten oder die junge Frau dabei unterstützten, konnte ihnen jedoch nicht nachgewiesen werden.
Baby starb an schweren Kopfverletzungen
Eine Obduktion ergab, dass das Mädchen lebensfähig war und nach der Geburt zumindest einige Minuten gelebt hatte. Als Todesursache wurde ein Schädel-Hirn-Trauma festgestellt. Die junge Mutter hatte vor Gericht erklärt, sie habe das Kind allein im Auto zur Welt gebracht und sei davon ausgegangen, dass es bereits tot gewesen sei.
Die schweren Verletzungen erklärte sie damit, dass ihr das Neugeborene beim Ablegen aus der Hand gerutscht sei. Ein medizinischer Sachverständiger hielt diese Darstellung allerdings für nicht ausreichend, um das Verletzungsbild zu erklären. Die Befunde deuteten vielmehr darauf hin, dass das Kind gegen einen harten Gegenstand geschlagen worden war.
Überwachungsvideos führten zur Familie
Die Ermittler kamen den fünf Angeklagten mithilfe von Aufnahmen einer Überwachungskamera auf die Spur. Die Familie war am 17. Jänner mit einem Kleinbus von Rumänien nach Deutschland unterwegs gewesen und hatte bei einer Tankstelle nahe Nickelsdorf angehalten.
Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie die damals 17-Jährige kurz nach 22 Uhr mit einer Tasche aus dem Fahrzeug steigt und sich in Richtung einer Trafostation bewegt. Hinter dieser wurde das tote Baby am nächsten Tag gefunden. Auch eine blutige Matratze wurde entsorgt.
Die Angehörigen erklärten vor Gericht, sie hätten nichts von der Schwangerschaft gewusst. Die Blutspuren hätten sie mit der Menstruation der jungen Frau in Verbindung gebracht. Auch die Mutter des Kindes beteuerte, allein entbunden und von einer Totgeburt ausgegangen zu sein.
Verhandlung dauerte 16 Stunden
Der Prozess erstreckte sich über knapp 16 Stunden und endete erst weit nach Mitternacht. Noch vor der Urteilsverkündung musste eine der Mitangeklagten nach einem Zusammenbruch von Rettungskräften versorgt werden.
Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft gab zunächst keine Erklärung ab. Auf den Überwachungsaufnahmen ist außerdem ein älterer Mann zu sehen, der ebenfalls im Kleinbus unterwegs war. Er konnte bislang nicht ausgeforscht werden.