Abends zieht es viele unaufhaltsam zur Schokolade – und die Wissenschaft hat dafür eine klare Erklärung gefunden.
Wer kennt das nicht: Der Abend neigt sich dem Ende zu, und plötzlich meldet sich ein unwiderstehliches Verlangen nach Schokolade, Keksen oder irgendetwas Süßem. Doch hinter diesem scheinbar harmlosen Phänomen steckt mehr als bloße Schwäche oder mangelnde Disziplin – Wissenschaftler haben gleich mehrere Ursachen identifiziert.
Auffällig ist, dass der Heißhunger auf Süßes besonders häufig zwischen neun und zehn Uhr abends auftritt. Studien belegen, dass das Verlangen nach Süßigkeiten im Tagesverlauf kontinuierlich zunimmt – und zwar unabhängig davon, ob tatsächlich ein Hungergefühl besteht. Als maßgebliche Einflussfaktoren gelten Schlafmangel, eingeschliffene Gewohnheiten sowie der sogenannte zirkadiane Rhythmus, also die innere biologische Uhr des Menschen.
Innere Uhr
Dieser Taktgeber des Körpers steuert eine Vielzahl physiologischer Prozesse – darunter auch den Appetit. Forschungsergebnisse zeigen, dass das Hungergefühl in den Morgenstunden am schwächsten ausgeprägt ist und gegen 20 Uhr seinen täglichen Höhepunkt erreicht. Dasselbe gilt für das Verlangen nach süßen und salzigen Speisen: Auch dieses folgt dem Rhythmus der inneren Uhr und steigt im Laufe des Tages merklich an.
Ein weiterer, gut belegter Faktor ist Schlafmangel. Bereits nach einer Nacht mit nur fünf Stunden Schlaf steigt der Spiegel von Ghrelin – einem Hormon, das Hunger signalisiert – messbar an, und das Verlangen nach Kohlenhydraten nimmt zu. Besonders aufschlussreich ist dabei ein Studienbefund, dem zufolge eine Verlängerung der Schlafdauer um eineinhalb Stunden das abendliche Verlangen nach Süßem um bis zu 62 Prozent reduzieren kann. Wer also regelmäßig zu wenig schläft, kämpft abends nicht nur gegen Müdigkeit – sondern auch gegen seinen eigenen Hormonhaushalt.
Macht der Gewohnheit
Nicht zu unterschätzen ist schließlich die Macht der Gewohnheit. Wer es sich angewöhnt hat, beim abendlichen Fernsehen zu snacken, hat im Laufe der Zeit eine feste Verknüpfung zwischen Situation und Verhalten aufgebaut. In solchen Fällen ist nicht physischer Hunger der Auslöser, sondern das vertraute Ritual selbst – das Sofa, die Fernbedienung, die gewohnte Tageszeit.
Der Griff zur Süßigkeit erfolgt dann beinahe automatisch, ganz ohne bewusstes Zutun.