Das einstige Prestigeprojekt der Signa-Gruppe (Immobilien- und Handelskonzern des österreichischen Unternehmers René Benko) auf der Mariahilfer Straße bekommt eine neue Zukunft. Das als Luxus-Kaufhaus Lamarr konzipierte Gebäude, das nach der Insolvenz des Benko-Imperiums als unvollendete Baustelle zurückblieb, wird nun grundlegend umgestaltet. Der neue Eigentümer, Immobilieninvestor Georg Stumpf, präsentierte am Mittwochabend den Anrainern seine Pläne für das Areal.
Die ursprüngliche Vision eines achtstöckigen Luxustempels mit 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche für hochpreisige Waren und Dienstleistungen wird aufgegeben. Wie in der ZiB2 berichtet wurde, sieht das neue Konzept einen weitgehenden Abriss der bestehenden Bausubstanz vor. Lediglich der erste Stock soll erhalten bleiben. Entsprechende Vermutungen kursierten bereits seit Anfang Mai.
Neues Nutzungskonzept
An die Stelle des geplanten Einkaufszentrums treten nun 200 Wohneinheiten. Der vordere Teil des Komplexes wird weiterhin für Handelsflächen reserviert, während im hinteren Bereich ein Hotel entstehen soll. Nach Angaben der Anrainer ist die Fertigstellung für 2028 vorgesehen. Ein Element aus dem ursprünglichen Lamarr-Konzept bleibt jedoch bestehen: Die fast 1.000 Quadratmeter große begrünte Dachterrasse soll wie geplant öffentlich zugänglich sein.
Auswirkungen auf die Mariahilfer Straße
Die Umwidmung des Projekts von einem reinen Luxus-Kaufhaus zu einem gemischten Komplex wird nach Einschätzung von Experten langfristige Auswirkungen auf die Einkaufsmeile haben. Während die ursprüngliche Planung auf exklusive Kundschaft und maximale Wertschöpfung im Luxussegment abzielte, soll die neue Mischnutzung für eine breitere, kontinuierlichere Frequenz sorgen. Stadtentwicklungsexperten sehen in der öffentlichen Dachterrasse weiterhin ein städtebauliches Highlight, das die Aufenthaltsqualität im Umfeld stärken kann.
Aus wirtschaftlicher Perspektive betonen Branchenkenner, dass die Wertschöpfung pro Quadratmeter bei Luxus-Einzelhandelsflächen zwar höher liegt, die gemischte Nutzung jedoch als stabilisierender Faktor wirkt. Nach den Erfahrungen mit der Signa-Insolvenz wird die geringere Abhängigkeit von einzelnen Branchen als Vorteil für die Zukunftsfähigkeit des Standorts gewertet.
Geteilte Reaktionen
Die Reaktionen der Nachbarschaft auf die Umbaupläne fallen unterschiedlich aus, wie Interviews in der ZiB2 zeigten. Einerseits herrscht Erleichterung darüber, dass die seit rund eineinhalb Jahren stillstehende Baustelle endlich verschwindet, andererseits bestehen Bedenken wegen der zu erwartenden Lärmbelastung durch die Bauarbeiten.
Für weitere prominente Immobilien aus dem Signa-Portfolio, darunter das Park Hyatt Am Hof und das Goldene Quartier in den Tuchlauben, werden derzeit ebenfalls neue Eigentümer gesucht.