Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Inflationsdebatte

Alarm im Handel: Drohen bald leere Regale?

Alarm im Handel: Drohen bald leere Regale?
FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Während Finanzminister Marterbauer staatliche Preisbremsen für Lebensmittel ins Spiel bringt, warnt der Handelsverband vor leeren Regalen und verweist auf die wahren Preistreiber.

Finanzminister Marterbauer erwägt Preisbremse für Lebensmittel, um die österreichische Inflation zu bekämpfen. Angesichts der Teuerungsrate, die 1,5 Prozentpunkte über dem Euro-Zonen-Durchschnitt liegt, schließt der SPÖ-Politiker auch direkte Markteingriffe nicht aus. Besonders die Preisdifferenz bei identischen Markenprodukten zwischen Österreich und Deutschland bereitet dem Minister Kopfzerbrechen.

Konkrete Maßnahmenpläne stehen allerdings noch aus – Marterbauer betonte lediglich die Notwendigkeit einer gemeinsamen Regierungsstrategie zur Inflationssenkung.

Scharfe Kritik vom Handel

Die Wirtschaftsvertreter reagieren mit scharfer Ablehnung auf die Pläne des Finanzministers. Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will führte im Ö1-Morgenjounal am Mittwoch die Preisanstiege hauptsächlich auf explodierende Energiekosten und Lohnsteigerungen zurück. Er verwies darauf, dass der Handel in der Teuerungskrise bereits inflationsdämpfend agiert habe.

„Es hängen alleine 140.000 Jobs, alleine im Handel dran. Wenn man beim Regalpreis eingreift, ist es circa so, wie wenn man dem Postboten den schlechten Steuerbescheid vorwirft“, so Will.

Der Handelsverband-Chef warnt eindringlich vor staatlichen Preiseingriffen bei gleichzeitigen Lohnerhöhungen: „Es ist nicht möglich, dass man einen Preisstopp verhängt, wenn man gleichzeitig die Gehälter dramatisch erhöht“. Als Negativbeispiel führt Will Ungarn an, wo Preisregulierungen zu Versorgungsengpässen geführt hätten.

„Dort hat es zu leeren Regalen geführt, weil die Produzenten nicht mehr zu diesem Preis produzieren wollten und konnten“, erklärt der Geschäftsführer des Handelsverbandes weiter.

Den Vorwurf mangelnder Preistransparenz weist Will entschieden zurück. Er verweist auf die umfassende Preiskennzeichnung im österreichischen Einzelhandel: „Wir weisen Kilo- und Literpreis zusätzlich zum Artikelpreis aus.“ Ergänzend würden Grund- und Aktionspreise separat ausgezeichnet.

„Kunden können hier mündig entscheiden, wo sie einkaufen und welche Produkte sie erwerben“, stellt Will weiter klar.

Preisunterschiede im Binnenmarkt

Bei den Preisunterschieden für identische Markenprodukte zwischen Österreich und den Nachbarländern sieht der Handelsverband jedoch tatsächlich Handlungsbedarf. „Globale Konzerne teilen sich den europäischen Binnenmarkt wie Tortenstücke auf“, kritisiert Will. Kleinere Märkte wie Österreich und Belgien seien dabei systematisch benachteiligt.

Mit einem konkreten Beispiel verdeutlicht der Verbandsvertreter das Problem: „Wenn ein österreichischer Händler etwa einen Haarspray kauft, zahlt er 3,20 Euro – dasselbe Produkt ist in Deutschland hingegen für 2 Euro erhältlich“, erklärt der Chef des Handelsverbands.

Das Ausmaß dieser Preisdifferenzen untermauern aktuelle Zahlen der Arbeiterkammer: Identische Marken-Lebensmittel kosten in Österreich durchschnittlich um 27 Prozent mehr als in Deutschland. Bei einzelnen Produkten wie Speiseeis betragen die Aufschläge sogar bis zu 107 Prozent. Von 70 verglichenen Artikeln waren 59 in Österreich teurer, nur sechs günstiger und fünf gleich teuer.

Auch bei Berücksichtigung der unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze bleibt der „Österreich-Aufschlag“ bestehen: Netto kosten identische Markenprodukte in Österreich durchschnittlich 23 Prozent mehr als in Deutschland.

„Die Politik in Österreich sollte diesen Unterschied endlich verstehen lernen“, so Will abschließend.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen