Während die Schweiz vor drohenden Stromausfällen warnt, bereitet sich Österreich mit Militärübungen auf den Ernstfall vor. Die Energiekrise erreicht die Alpenländer.
Die Schweiz befürchtet angesichts der weltweiten Energiekrise zunehmend Versorgungsengpässe. Die Elektrizitätskommission des Landes warnte bereits im Juni – nicht zum ersten Mal – vor möglichen großflächigen Stromausfällen. Ein wesentliches Problem stellt dabei die unsichere Importlage dar. Die Nachbarstaaten zeigen sich nicht durchgehend bereit, Elektrizität an die Eidgenossen zu liefern. Deutschland vollzieht den Ausstieg aus Kernkraft und Kohle, während Österreich ohne eigene Atomkraftwerke selbst auf Stromimporte angewiesen ist.
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Fraglich bleibt auch, ob Italien überschüssigen Strom aus seinen Kernkraftwerken abgeben würde oder diesen zur Deckung des eigenen Bedarfs benötigt. Für Bern ist daher ein Energieabkommen mit der EU von entscheidender Bedeutung, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Schweizer Energiesorgen
Laut einem Bericht der Schweizer Nationalversammlung könnte dem Land in der kommenden Winterperiode an zwei Tagen Strom fehlen. Die Behörden haben bereits 30.000 Unternehmen schriftlich darüber informiert, dass bei Versorgungsengpässen mit Liefereinschränkungen zu rechnen sei. Zwar wird der Ausbau erneuerbarer Energiequellen vorangetrieben, doch bleibt unklar, wie Umweltministerin Simonetta Sommaruga nach dem Scheitern des CO2-Gesetzes in einer Volksabstimmung den Ausbau klimafreundlicher Stromerzeugung umsetzen will.
Problematisch für die Schweizer Energieversorgung ist zudem die Wetterabhängigkeit von Solaranlagen, besonders in den Wintermonaten. Gleichzeitig steigt der Stromverbrauch langfristig an – nicht zuletzt durch die wachsende Zahl von Elektrofahrzeugen. Auch die Erweiterungsmöglichkeiten der Wasserkraft sind begrenzt. Die bestehenden Kernkraftwerke sollen 2034 vom Netz gehen, möglicherweise aus technischen und wirtschaftlichen Gründen sogar früher, wie Tanjug berichtet.
Österreichs Vorbereitung
In Österreich bereiten sich Militär und Polizei mit einer gemeinsamen Übung auf mögliche Blackout-Szenarien vor, während Diskonter bereits Notfallausrüstung anbieten. Ein längerer Stromausfall in größeren Gebieten oder im gesamten Land wird in den Medien zunehmend als realistisches Szenario diskutiert.
Die Behörden nehmen die Bedrohung ernst und haben für den 12. November die Übung „Energie 21“ angesetzt, bei der Reaktionen auf einen großflächigen Stromausfall trainiert werden sollen.
An dieser Übung werden mehrere Bundesländer sowie das Innen- und Verteidigungsministerium teilnehmen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass extreme Kälte in Europa zu erhöhtem Stromverbrauch bei gleichzeitigen Produktionseinschränkungen führen könnte. Initiiert wurde die Übung vom Bundesland Tirol und Landeshauptmann Günther Platter.
Die Verantwortlichen betonen die Notwendigkeit eines funktionierenden Krisenmanagements und einer engen Zusammenarbeit zwischen Behörden und Energieversorgern.
Auch der Handel reagiert: Die Diskontkette Hofer hat inzwischen Kurbelradios, batterielose Taschenlampen und Kraftstoffgeneratoren in ihr Sortiment aufgenommen.