Während Griechenland auf erneuerbare Energien setzt, warnen Experten vor einem drohenden Blackout auf dem Balkan. Die Ursachen liegen tiefer als nur in der Sommerhitze.
Das Institut für Energie Südosteuropas (IENE) in Athen schlägt Alarm: Dem Balkan droht im Sommer ein erneuter großflächiger Stromausfall. Die Experten sehen ähnliche Risikofaktoren wie beim Blackout im Juni vergangenen Jahres, der Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Teile Kroatiens lahmlegte. Als besonders problematisch gilt dabei der Energiemix Griechenlands, das 45 Prozent seines jährlichen Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen deckt – an manchen Tagen liefern Solar- und Windkraftanlagen sogar bis zu 80 Prozent des Verbrauchs.
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„Das Elektroenergie-System auf dem Balkan funktioniert tatsächlich wie ein System verbundener Gefäße“, erklärt Universitätsprofessor Nedim Suljic gegenüber der Zeitung „Avaz“. „Der massive Ausfall im vergangenen Sommer entstand durch eine extreme Überlastung des Netzes.“ Die Hitze trieb den Stromverbrauch durch Klimaanlagen in die Höhe, was zum Kollaps einzelner Hochspannungsleitungen führte. Fällt eine grenzüberschreitende Leitung aus, entsteht ein Dominoeffekt – die Überlastung anderer Leitungen löst deren Schutzmechanismen aus, und das System bricht zusammen.
Droht ein ähnliches Szenario, könnte sich laut Suljic auch diesen Sommer wiederholen. Die Prognosen deuten auf Hitzewellen und damit verbundenen Spitzenverbrauch hin, während die Infrastruktur weiterhin vernachlässigt wird. „In unserem Land fließen seit Jahren kaum Investitionen in den Energiesektor, während die Politik überall ihre Finger im Spiel hat.“
Die allgegenwärtige Korruption in Bosnien-Herzegowina belastet die gesamte Wirtschaft, einschließlich der Energiebranche. Dringend notwendige Investitionen ins Übertragungsnetz werden durch politische Querelen auf staatlicher Ebene blockiert.
Die Verantwortlichen verfolgen Parteiinteressen statt das Gemeinwohl“, kritisiert Suljic im Gespräch mit „Avaz“.
Regionale Lösungen
In seiner Analyse „Wie anfällig ist Südosteuropa für Stromausfälle?“ – die auch durch den jüngsten Blackout in Spanien und Portugal inspiriert wurde – kommt das IENE zu einem vorsichtig optimistischen Schluss: „Südosteuropa bleibt je nach Bedingungen anfällig für Stromausfälle.“ Durch sorgfältige Planung, regionale Koordination und rechtzeitige Investitionen kann die Region diese Risiken jedoch eindämmen und weiterhin an einer saubereren und sichereren Energiezukunft arbeiten.