Statt der befürchteten Rezession winkt ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent, doch die Arbeitslosigkeit steigt weiter. Österreichs Wirtschaft kämpft mit strukturellen Problemen.
Die wirtschaftliche Lage in Österreich bleibt angespannt, auch wenn die Wirtschaftsforschungsinstitute IHS (Institut für Höhere Studien) und Wifo (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung) ihre Prognosen leicht nach oben korrigiert haben. Statt eines befürchteten dritten Rezessionsjahres in Folge rechnen die Experten nun mit einem minimalen BIP-Wachstum von 0,1 Prozent. Diese marginale Verbesserung entspricht allerdings eher einer Stagnation als einem echten Aufschwung. AMS-Chef (Arbeitsmarktservice) Johannes Kopf dämpft zudem aufkommenden Optimismus: „Auch wenn Wirtschaftsforschung und Industrie einen ersten Silberstreif einer Konjunkturerholung am Horizont erkennen wollen, noch sinkt die Beschäftigung und seit April 2023 steigt die Arbeitslosigkeit in Österreich deutlich.“
Die schwächelnde Konjunktur schlägt sich unmittelbar auf den Arbeitsmarkt nieder. Ende Juni waren beim Arbeitsmarktservice 364.419 Menschen als arbeitslos registriert oder befanden sich in Schulungsmaßnahmen. Dies bedeutet einen Anstieg um 7,8 Prozent oder in absoluten Zahlen um 26.368 Personen gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote kletterte um 0,5 Prozentpunkte auf nunmehr 6,8 Prozent.
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Aktuelle Zahlen bestätigen den besorgniserregenden Trend: Im ersten Quartal 2025 stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 11 Prozent. Besonders betroffen sind industriell geprägte Bundesländer wie Oberösterreich, wo die Arbeitslosenquote um 1,2 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent anstieg, und die Steiermark mit einem Plus von 1,1 Prozentpunkten auf 5,7 Prozent. Wien verzeichnet mit 10,2 Prozent weiterhin die höchste Arbeitslosenquote im Bundesländervergleich. Nach nationaler Definition lag die Arbeitslosenquote im April 2025 bereits bei 7,3 Prozent.
Besonders alarmierend entwickelt sich die Langzeitarbeitslosigkeit, die von 0,2 auf 1,3 Prozent angestiegen ist – ein deutliches Zeichen für die Verfestigung struktureller Probleme am Arbeitsmarkt. Überproportional betroffen sind laut Statistik Austria Personen mit niedriger formaler Bildung und ausländischer Staatsbürgerschaft.
Strukturelle Herausforderungen
Österreichs Wirtschaft sieht sich mit mehreren strukturellen Herausforderungen konfrontiert: Der Fachkräftemangel verschärft sich durch die demografische Alterung, während gleichzeitig die hohe Steuer- und Abgabenlast die Personalkosten in die Höhe treibt. Zusätzlich belasten überdurchschnittliche Energie- und Betriebskosten die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Produktion.
Die ausgeprägte Bürokratie und Regulierungsdichte erweist sich für viele Unternehmen als zeitraubender Faktor. Besonders problematisch erscheint die anhaltende Produktivitätsschwäche – die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde liegt seit Jahren unter dem EU-Durchschnitt.
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