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BOSNIEN-HERZEGOWINA

Baljvine: Das Dorf ohne Krieg zwischen Serben und Bosniaken

Baljvine - Dorf ohne Krieg
(FOTO: zVg.)

Dieser Ort südlich von Banja Luka ist der einzige des Landes, in welchem Serben und Bosniaken niemals Krieg führten – vielmehr beschützen sie sich gegenseitig.

Zwischen Banja Luka und Mrkonjić Grad liegt der Ort Baljvine. In ihm leben rund 1.200 Menschen – Muslime und Serbisch-orthodoxe, heute in einem Verhältnis von circa 60 zu 40. In einer Reportage von TV N1 sprechen die Einwohner davon, dass alle im Ort, ungeachtet der ethnischen Zugehörigkeit, befreundet sind, nur Mischehen gebe es keine.

Auch die Moschee des Ortes, 1908 errichtet, ist eine der wenigen in der Serbischen Republik, die während des Krieges nicht zerstört wurden. Sie überstand diesen, wie die Einwohner selbst bestätigten, dank des gemeinsamen Einsatzes von sowohl Bosniaken als auch Serben.

„Das Militär war hier und wir haben gesagt, dass diese Moschee nicht zerstört werden kann. Dies ist das einzige Heiligtum, welches ich vor jedem Schaden bewahren würde“, so der Serbe Jovo Tešanović. Dies bestätigte ein weiterer Bewohner aus Baljivine, Senad Dizdarević und meinte, dass die Serben halfen die Moschee zu schützen und dass diese die einzige in der RS sei, welche noch auf ihrem Fundament stehe.

Jahrzehntelange Freundschaft
Die Freundschaft zwischen den Nachbarn dauert bereits lange Zeit an. Bereits im Zweiten Weltkrieg versteckten und schützen sie sich gegenseitig vor den Tschetniks und Ustascha. Im letzten Krieg in Jugoslawien war die Front nur 15 Kilometer von Baljivine entfernt und mehrmals seien Soldaten der Armee der Republika Srpska (Vojska Republike Srpske, VRS) im Ort gewesen.

Ihre bosniakischen Mitbürger schützen die serbischen Bewohner von Baljivine jahrelang – bis zum August 1995. „Die ganze Zeit über haben sie uns geschützt, bis wir das Dorf verlassen mussten. Das war allerdings dann schon eine andere Situation, da gab es keine Rettung mehr, weder für Orthodoxe, noch für Muslime. Wir mussten einfach alle raus“, erinnert sich Omer Murica.

Die Bosniaken mussten den Ort rund zehn Tage vor den serbischen Nachbarn verlassen. Dies war kurz vor der Militäraktion „Južni potez“ des Kroatischen Verteidigungsrates (Hrvatsko vijeće obrane, HVO). Die HVO-Soldaten nahmen damals Mrkonjić Grad ein und rückten fast bis zur Stadtgrenze von Banja Luka vor. Damals forderte der Krieg auch das einzige Opfer aus dem Dorf selbst – Jovan Konjević.

Nach dem Kriegsende kehrten die Bewohner von Baljivine in ihren Ort zurück, welcher nur noch aus Ruinen bestand. Gemeinsam bauten die Serben und Bosniaken ihr Dorf wieder auf und führten ihr friedliches und harmonisches Zusammenleben dort weiter, wo es während des Krieges kurz pausiert werden musste.