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NGO-BERICHT

Big Business Balkanroute: Jährlich 2-stelliger Millionenbetrag durch Migrantenschmuggel

Symbolbild (FOTO: iStockphoto)

Ein neuer Bericht der „Globalen Initiative gegen grenzüberschreitende organisierte Kriminalität“ zeigt auf, wie viel Geld „Fixer“, „Gatekeeper“ und „Pakethändler“ jährlich verdienen, indem sie Migranten über die Westbalkanroute schmuggeln.

50 Millionen Euro– Das ist der Betrag, den Migrantenschmuggler in den westlichen Balkanländern pro Jahr verdienen. Das teilte die NGO „Global Initiative Against Transnational Organized Crime“ in einem veröffentlichten Bericht mit. In dem Paper wurden die drei wichtigsten Schmuggelzonen des westlichen Balkans unter die Lupe genommen: Die Grenzen Griechenlands zu Nordmakedonien und Albanien, die Grenze zwischen Bosnien-Herzegowina und der EU in Kroatien, sowie die Grenzen Serbiens zu Ungarn und Rumänien.

Rund 50 Mio. Euro jährlich
Der Betrag, den Schmuggler über diese Routen machen, wird von der NGO auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Allerdings betonte sie auch, dass der Betrag noch höher sein könnte, da einige Migranten auf andere Weise in die EU reisen, beispielsweise mit dem Boot von Albanien nach Italien.

Dem Bericht zufolge gelangen die meisten Migranten und Asylsuchenden auf die Schmuggelzone des Westbalkans in einem ersten Schritt von Griechenland aus – entweder über Gevgelija in Nodmazedonien aus, oder über Kakavija und Kapshtica in Albanien: „Insgesamt wird das Migrantenschmuggelgeschäft am westlichen Balkan an den Grenzen zwischen Griechenland und dem benachbarten Nordmazedonien und Albanien im Jahr 2020 auf 19,5 bis 29 Mio. Euro geschätzt“, heißt es in dem Bericht.

Schmuggelzonen in Bosnien-Herzegowina und Serbien
Die zweite große Schmuggelzone befindet sich laut dem Bericht in Bosnien und Herzegowina, „insbesondere in der Nähe der Stadt Bihać im Kanton Una-Sana“: „Wir schätzen, dass Schmuggler in dieser Region im Jahr 2020 zwischen 7 bis 10,5 Mio. Euro gemacht haben, von denen der überwiegende Teil im Kanton Una-Sana generiert wurde“, heißt es weiter.

Die wichtigsten Brennpunkte für den Migrantenschmuggel in der dritten Zone an der serbischen Grenze sind „Horgoš, das Gebiet um Subotica, Sombor, die Tunnel in der Region Kelebija und über die Theiss, für diejenigen, die nach Osten in Richtung Rumänien und dann zurück nach Ungarn reisen“. Über diese Route wurden im Jahr 2020 geschätzt zwischen 8,5 Mio. und 10,5 Mio. Euro von den Schmugglern erwirtschaftet, heißt es im Bericht.

Verschiedene Arten von Schmugglern: „Fixer“, „Gatekeeper“ und „Pakethändler“
In dem Bericht werden mehrere Arten von Schmugglern beschrieben. So bezeichnet das Wort „Fixer“ etwa Schmuggler, die den Transport arrangieren und „normalerweise innerhalb der Grenzen eines Landes operieren“. Die Preise bei diesen Schmugglern reichen von mindestens 20€ pro in Montenegro registrierter Person, die über den Landtransport zu Siedlungen nahe der Grenze zu Bosnien-Herzegowina geführt werden soll, bis zu maximal 500 bis 700€. Für diesen Preis durchquert man mit dem Fahrzeug das gesamte Gebiet Nordmazedoniens nach Gevgelija (nahe der Grenze zu Griechenland) oder bis nach Kumanovo an der Grenze zu Serbien, heißt es in dem Bericht.

„Gatekeeper“ werden hingegen in dem Bericht Personen genannt, die an Grenzen operieren und für den „sicheren Durchgang“ Gebühren erheben. Am lukrativsten und organisiertesten sei diese Form des Schmuggels an Grenzen, die am schwersten zu überschreiten sind: Zwischen Griechenland und Nordmazedonien, Nordmazedonien und Serbien; Serbien und Ungarn; sowie Kroatien und Bosnien und Herzegowina.

„Die kriminellen Gruppen an diesen Orten scheinen eine Mischung aus Einheimischen mit Kenntnissen des Geländes und der Polizei sowie Staatsangehörige von Ländern zu sein, aus denen Asylsuchende und Migranten stammen (wie Afghanistan, Pakistan, Marokko und Syrien)“. Die an Gatekeeper gezahlten Preise sind im Allgemeinen höher als die für „Fixer“, da sie Asylbewerbern und Migranten helfen, sich über Grenzen hinweg zu bewegen und natürliche Barrieren wie Flüsse und Berge zu umgehen.

„Zum Beispiel zahlen Migranten ungefähr 2.500 Euro für die Reise von Subotica in Nordserbien zu einer Siedlung nahe der ungarischen Grenze, wo sie in verlassenen Bauernhäusern und Fabriken untergebracht wurden, bevor sie nach Ungarn geschmuggelt wurden“, so der Bericht.

Das große Geld wird laut dem Bericht der NGO jedoch mit sogenannten „Pauschalangeboten“ für Migranten gemacht. Das Abschließen solcher Geschäfte würde nämlich „ein hohes Maß an Raffinesse und Planung sowie transnationale Netzwerke, Dokumente und den Zugang zu Fahrzeugen“ erfordern: „Für mehrere tausend Euro wird Migranten in Griechenland oder der Türkei ein Pauschalangebot versprochen, das sie nach Westeuropa bringt. Das Überschreiten mehrerer internationaler Grenzen in der Region kann je nach Startpunkt und Ziel zwischen 600 und 20.000 Euro pro Person kosten“, heißt es.

Die Informationen für den Bericht wurden im vierten Quartal 2020 gesammelt und basieren auf Feldforschungen und Interviews mit aktuellen und ehemaligen Strafverfolgungsbeamten, investigativen Journalisten, Forschern, lokalen Beamten, Asylbewerbern und Migranten, humanitären Organisationen, internationalen Organisationen und Vertretern der Zivilgesellschaft vor Ort.

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