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Mietmarkt

Bonität über alles: Der brutale Auswahlkampf um die letzte Mietwohnung

Bonität über alles: Der brutale Auswahlkampf um die letzte Mietwohnung
(FOTO: iStock/tupungato)
4 Min. Lesezeit |

Der Wohnungsmarkt wird zum Casting: Vermieter sitzen am längeren Hebel und wählen nach strengen Kriterien aus. Für viele Suchende bleibt nur die Hoffnung auf Entspannung.

Die Wohnungssuche gleicht derzeit einem Hürdenlauf: Das begrenzte Angebot an Mietwohnungen verschafft Vermietern eine komfortable Auswahlposition. Interessenten müssen strenge Kriterien erfüllen, um im Wettbewerb zu bestehen.

Für Wohnungssuchende bleibt die Situation angespannt. Die Nachfrage in Ballungsräumen übersteigt weiterhin deutlich das verfügbare Angebot. Kein Wunder, dass attraktive Objekte oft innerhalb weniger Tage vergeben sind. Eine baldige Entspannung ist nicht in Sicht: Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder prognostiziert für das laufende Jahr lediglich 25.200 Fertigstellungen – ein drastischer Rückgang gegenüber den rund 46.000 vor drei Jahren. Besonders dramatisch entwickelt sich der Sektor der frei finanzierten Mietwohnungen: Nach etwa 7.600 fertiggestellten Einheiten im Vorjahr werden es heuer voraussichtlich nur noch 4.700 sein.

Wohnungssuchende stehen somit vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen nicht nur eine passende Wohnung finden, sondern sich anschließend gegen zahlreiche Mitbewerber durchsetzen. Anders ausgedrückt: Sie müssen den Erwartungen der Vermieter entsprechen, die letztendlich die Entscheidungshoheit besitzen. An erster Stelle der Vermieter-Prioritäten steht die finanzielle Leistungsfähigkeit. „Sie ist ein großes Thema geworden“, bestätigt Hirsch. Dabei bleibt es nicht bei bloßen Nachfragen zur Zahlungsfähigkeit. „Die Bonität wird vor der Vorbereitung des Mietvertrags auch tatsächlich überprüft“, erklärt die S-Real-Geschäftsführerin. Diese Prüfung, etwa durch Vorlage von Gehaltsabrechnungen, diene jedoch nicht ausschließlich dem Vermieter, sondern schütze auch den Mieter selbst. „Schließlich sollen sie sich die Wohnung ja langfristig leisten können und sich nicht verschulden.“

Entscheidende Auswahlkriterien

Neben den finanziellen Aspekten spielt ein weiterer Faktor eine entscheidende Rolle – der persönliche Eindruck. Eine aktuelle Erhebung von ImmoScout24 in Deutschland zeigt, dass für 85 Prozent der Vermieter die persönliche Wahrnehmung bei der Auswahl ihres künftigen Mieters ausschlaggebend ist – noch vor nachweisbarem Einkommen oder Bonitätsnachweis, die für 82 beziehungsweise 35 Prozent wichtig sind. Besonders gefragt sind demnach Bewerber, die als zuverlässig, konfliktfrei und umsichtig wahrgenommen werden. Auch Sympathie spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Man muss sich miteinander wohlfühlen. Denn man hat immer wieder miteinander zu tun, beispielsweise, wenn es um Reparaturen geht“, sagt Hirsch.

Um im Wettbewerb bestehen zu können, verlangen Vermieter in der Regel die Vorlage der letzten drei Gehaltsnachweise sowie eine aktuelle Bonitätsauskunft. Eine gut vorbereitete Bewerbungsmappe mit diesen Unterlagen erhöht die Chancen auf eine Zusage deutlich.

Gesetzlich dürfen Kinder kein Auswahlkriterium bei der Mietersuche sein. Die Realität sieht jedoch mitunter anders aus. „Es werden Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte mit hoher Bonität bevorzugt. Familien und größere Gruppen haben es auf dem Mietwohnungsmarkt hingegen derzeit schwer“, berichtet Hirsch. Angesichts dieser Situation „seien Politik und Gesellschaft gefordert, darauf zu achten, dass auch diese bei der Wohnungssuche zum Zug“ kämen.

Auch Tierhalter haben bei der Wohnungssuche häufig das Nachsehen. Zwar kann das Halten von Haustieren vom Vermieter nicht grundsätzlich untersagt werden. „Aber es ist nicht verboten, dass er statt eines Tierhalters jemanden bevorzugt, der kein Haustier besitzt“, erläutert Hirsch. Dass Vermieter solche Kriterien dennoch in ihre Entscheidung einfließen lassen, begründet Hirsch auch mit der Rücksichtnahme auf andere Mieter. „Eine funktionierende Hausgemeinschaft ist Vermietern sehr wichtig. Darüber hinaus sind sie verpflichtet, Mieter vor Störungen durch andere Mieter zu schützen“, erklärt Hirsch.

Hilfreiche Tipps

Nach Jahren der Stagnation kommt nun wieder Bewegung in den Markt für Eigentumswohnungen. „Eigentum wird wieder interessant“, konstatiert S-Real-Geschäftsführerin Martina Hirsch. Die Preise seien teilweise gesunken, zudem steigt die Vergabe von Wohnkrediten nicht zuletzt durch den Wegfall der KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung) wieder an. Dies ist die positive Nachricht. „Vielleicht bringt das Anziehen auf dem Eigentumsmarkt eine gewisse Entspannung“, hofft Hirsch.

Platz für Kinder: Gesetzlich dürfen kinderreiche Familien aufgrund der Sprösslinge nicht benachteiligt werden. In der Praxis sieht das leider in vielen städtischen Gegenden anders aus. Bei Neubauprojekten und Sanierungen, bei denen Wert auf Diversität und die zukünftige Generation gelegt wird, finden sich leichter Gleichgesinnte.

Stille Tierliebe: Das Halten von Haustieren darf vom Vermieter nicht generell untersagt werden. „Aber es ist nicht verboten, dass er statt eines Tierhalters jemanden bevorzugt, der kein Haustier besitzt“, sagt S-Real-Geschäftsführerin Martina Hirsch. Eine bedeutende Rolle spielen Größe, Verhalten und vor allem Lautstärke des Tieres.

Achtung Rauchgeruch: Das Rauchverhalten werde zunehmend zum Entscheidungskriterium, sagt Markus Lindblad, Sprecher des auf rauchfreie Nikotinprodukte spezialisierten Onlinehändlers Northerner.

„Niemand schreibt in die Anzeige: ‚Keine Raucher.‘ Doch viele denken es sich.“ Falle der Geruch bei der Besichtigung auf, sei der Eindruck kaum zu revidieren.

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KO KOSMO-Redaktion
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