Der Brenner-Basistunnel verzögert sich um mindestens 16 Jahre und wird deutlich teurer als geplant. Laut aktuellem Bericht des EU-Rechnungshofs kann die Eröffnung frühestens 2032 erfolgen, während die Kosten inzwischen auf etwa 8,37 Milliarden Euro geschätzt werden – eine Steigerung um 40 Prozent gegenüber den ursprünglichen Planungen.
Der EU-Rechnungshof kritisiert in seiner Bewertung, dass zahlreiche große Verkehrsinfrastrukturprojekte der Europäischen Union erheblich von ihren Zeit- und Kostenplänen abweichen. Neben dem Brenner-Basistunnel betrifft dies auch andere Großvorhaben wie die Feste Fehmarnbelt-Querung, die Bahnverbindung zwischen Lyon und Turin, das Baskische Dreieck sowie die Rail Baltica, deren Kosten sich seit 2020 mehr als verdoppelt haben.
Unmögliche Zielsetzung
Die ursprüngliche Zielsetzung, das europäische Verkehrskernnetz bis 2030 fertigzustellen, ist nach Einschätzung des EU-Rechnungshofs inzwischen unmöglich geworden. Während man vor fünf Jahren noch vorsichtig formulierte, dass dieses Ziel „wahrscheinlich nicht zu erreichen ist“, konstatieren die Prüfer nun unmissverständlich: „Es ist nicht zu erreichen.“ Als Hauptgründe für die massiven Verzögerungen und Kostensteigerungen nennt der Rechnungshof die Corona-Pandemie, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, veränderte rechtliche Rahmenbedingungen sowie unerwartete technische Schwierigkeiten.
Die Verzögerungen beim Brenner-Basistunnel sind in Fachkreisen bereits seit Jahren bekannt. Der aktuelle Bericht des Europäischen Rechnungshofs präzisiert nun die Daten und Zahlen im Rahmen einer Aktualisierung seines Sonderberichts zu wichtigen EU-Verkehrsinfrastrukturen aus dem Jahr 2020.
Brenner-Nordzulauf
In seiner Prüfung hat der EU-Rechnungshof die Zubringerstrecken zum Brenner-Basistunnel nicht berücksichtigt – weder die südlichen Abschnitte in Italien noch die nördlichen in Bayern. Über den Bau des Brenner-Nordzulaufs in Deutschland wird der Deutsche Bundestag entscheiden. Nach Auskunft des Bundesverkehrsministeriums soll das Projekt im ersten Halbjahr in die parlamentarische Beratung gehen. Die Kosten für die von der Deutschen Bahn favorisierte Trasse werden je nach Risikoeinschätzung auf neun bis 15 Milliarden Euro beziffert.
Ein Ministeriumssprecher teilte mit, dass ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,4 ermittelt wurde – der volkswirtschaftliche Nutzen des Brenner-Nordzulaufs übersteigt demnach die Kosten um das 1,4-fache. Die endgültige Entscheidung über Fortgang und Ausgestaltung des Projekts liegt nun bei den Bundestagsabgeordneten.
Auf Nachfrage eines BR24-Nutzers zur Einordnung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses präzisierte das Team von „Dein Argument“: Die aktuellen Kostenschätzungen für den Brenner-Nordzulauf bewegen sich zwischen neun und 15 Milliarden Euro, wobei die genaue Summe davon abhängt, wie die Vorzugstrasse der Deutschen Bahn umgesetzt wird. Laut Bundesverkehrsministerium spielt dabei eine entscheidende Rolle, inwieweit regionale Wünsche berücksichtigt werden, etwa die Forderung nach zusätzlichen Tunnelbauten nördlich von Rosenheim unter dem Inn.
Das derzeit berechnete Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,4 könnte sich je nach Entscheidung des Bundestags ändern – sollten zusätzliche Bauten genehmigt werden, müsste diese Kennzahl neu berechnet werden. Die Bürgerinitiativen gegen den Neubau einer Brennernordzulauf-Strecke im Raum Rosenheim wollen weiterhin Flagge zeigen.
Sie setzen sich für die Modernisierung der bestehenden Bahnverbindung von Bayern nach Tirol ein. Mit einer Entscheidung des Bundestags wird für 2026 gerechnet.