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KOSMO CLASSICS

Cafex: Lokal mit Tradition und Seele

Wie es ist, so einen Kultort zu führen, der Seele hat, erfährt KOSMO von Slobodan Jovanovic, Inhaber des Kult-Clubs Cafex (FOTO: zVg., iStock)

Gute Unterhaltung, Musik und freundliches Personal machen eine Bar bei den Menschen beliebt. Wenn sich diese Züge dann über Jahre halten, wird das Lokal zum Kult. Wie es ist, so einen Kultort zu führen, der genau diese Eigenschaften hat, erfährt KOSMO von Slobodan Jovanovic, Inhaber des Kult-Clubs Cafex.

KOSMO: Wie und wann haben Sie sich entschieden, in diesem Zweig der Gastronomie aktiv zu werden?
Slobodan Jankovic:
Meine Karriere begann schon 1995 am Geburtstag meines ältesten Sohnes. Es war die Diskothek „Škorpion”, die ich gemeinsam mit meinem Schwager etwa vier Jahre betrieben habe. Dann sind wir in einen etwas größeren Club übersiedelt. Das war die Diskothek „Nachtwerk“, die damals stadt- und landesweit bekannt war und bis zu 4.000 Leute fasste. In dieser Diskothek habe ich beim Arbeiten alle unseren großen Stars kennengelernt. Željko Joksimović hatte seinen ersten Auftritt im „Nachtwerk“. Einer der ersten Auftritte von Aca Lukas war in diesem Club. Obwohl fast jedes Wochenende bekannte Sänger aus unserer Region aufgetreten sind, haben wir auch internationale Musik gespielt. Daher hatten wir ein sehr gemischtes Publikum und auch Österreicher sind in den Club gekommen. Wie beliebt die Diskothek war, zeigt auch die Tatsache, dass in einer Schicht bis zu 120 Mitarbeiter beschäftigt waren. Nach vier Jahren habe ich einen neuen Club eröffnet, den ich einige Zeit betrieben habe, und danach habe ich eine einjährige Auszeit von diesem Job genommen. Dann habe ich mich entschieden, wieder anzufangen und einen neuen Club zu kaufen. Ich muss zugeben, dass ich das Cafex vor 18 Jahren versehentlich gekauft habe, denn der vorherige Besitzer und ich hatten uns nicht richtig darüber verständigt, welcher Club zu verkaufen war. Als ich das Lokal nach dem Kauf das erste Mal betreten habe, habe ich gesehen, dass der damalige Zustand nicht meinem Geschmack entsprach, und so habe ich entschieden, einige Dinge zu verändern. Ich habe die einheimische Musik aus dem Wochenendprogramm geworfen, was uns ein gemischtes Publikum eingebracht hat. Für unsere Landsleute habe ich den Mittwochabend reserviert, an dem unsere Musik gespielt wurde.

Sie haben gesagt, dass es das Cafex schon 21 Jahre gibt und dass Sie es jetzt 18 Jahre lang führen. Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimnis, dessentwegen das Publikum diesen Club so liebt?
Dies ist das einzige Lokal in der Stadt, das eine Seele hat. Du kannst dich entspannen, niemand wird dich anfassen oder belästigen. Die Preise sind korrekt, das Personal ist mehr als freundlich. Mich selbst halte ich auch für korrekt. Ich achte, soweit es in meiner Macht steht, auf jeden Gast. Ich glaube, das Entscheidende ist, dass sich die Leute, die hierherkommen, hier wie zu Hause fühlen.

Alles ist irgendwie moderner, Menschen lernen sich immer weniger in Clubs kennen, sondern in den sozialen Netzwerken. Das hat zur Folge, dass man weniger in Clubs geht.

Slobodan Jankovic

Sie sind schon lange aktiv. Was, würden Sie sagen, hat sich bis heute verändert, seitdem Sie das „Nachtwerk” geführt und das Cafex übernommen haben?
Ich würde sagen, dass wir alle mit der Zeit gehen und dass man das auch an den Clubs sieht. Alles ist irgendwie moderner, Menschen lernen sich immer weniger in Clubs kennen, sondern in den sozialen Netzwerken. Das hat zur Folge, dass man weniger in Clubs geht, als das früher der Fall war.

In der heutigen Zeit werden Nachtclubs schnell eröffnet und wieder geschlossen. Ihr Cafex besteht schon fast zwei Jahrzehnte. Was ist Ihr Geheimnis?
Ich glaube, dass die Schule auf jeden Fall ganz entscheidend ist. Ich hatte einen sehr guten Lehrer, der 1999 aus Amerika geholt wurde, um uns auszubilden und zu beraten, wie wir diese Arbeit machen sollten. Man muss jemanden haben, der einem diese Arbeit, die man nach dem Lehrbuch, aber auch mit Liebe und Engagement betreiben muss, von der Pike auf zeigt. Und auch der, der den Job macht, darf sich nicht verstellen, sondern muss zu seinen Gästen und Mitarbeitern ehrlich sein. Wichtig ist, in der Arbeit geduldig zu sein, denn Sie kennen unsere Volksweisheit: „Geduldig – gerettet”. In dieser Arbeit muss man sehr geduldig sein.

Sie machen diese Arbeit jetzt seit vielen Jahren. Gibt es irgendeine Anekdote aus Cafex, an die Sie sich besonders gerne erinnern?
Ich kann mich rühmen, dass Dragan Bjelogrlic mein persönlicher Gast war. Für mich war es ein ganz besonderes Erlebnis, jemanden kennenzulernen, der so berühmt ist und aus einer ganz anderen Branche kommt als meiner. Ich bin auch mit Lepa Brena und Dragana Mirkovic zusammengesessen. Woran ich mich aber am liebsten erinnere, sind Zeljko Joksimovic und sein erster Auftritt. Ich erinnere, dass ich fasziniert war, als ich ihn zum ersten Mal singen hörte. Als er geendet hatte, sagte ich ihm: „Du wirst eines Tages noch der Nachfolger von Zdravko Colić”. Er konnte das nicht glauben, aber die Jahre haben gezeigt, dass ich Recht hatte.

Um erfolgreich zu sein, ist es wichtig, jemanden zu haben, der einem die ganze Arbeit von Grund auf zeigt.

Slobodan Jankovic

Welche Vorteile und welche Nachteile sehen Sie in dieser Arbeit?
Der größte Vorteil sind die Bekanntschaften und Kontakte, die man über die Jahre mit Leuten knüpft, die als Gäste kommen. In Cafex kommen viele bekannte Persönlichkeiten wie Fußballnationalspieler aus BiH, Kroatien oder Serbien, Schauspieler, Sänger, Manager, Politiker… Nachteile gibt es viele, aber der größte ist, dass das Privatleben darunter leidet, denn wenn man im Geschäft erfolgreich sein und ein gutgehendes Lokal führen will, dann wirkt sich das sehr auf das Privatleben aus.

Was würden Sie jungen Menschen raten, die in diesen Zweig der Gastronomie einsteigen wollen?
Denkt zuerst gut darüber nach, ob ihr euer Privatleben auf diese Weise opfern wollt, und setzt euch dann keine unmöglichen Ziele, die sich nicht erfüllen lassen. Seid nett zu allen, bemüht euch, eure Gäste zufriedenzustellen, und seid in allem, was ihr tut, geduldig.

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Nachdem sie ihr Bachelorstudium an der Fakultät für Politikwissenschaften in Belgrad abgeschlossen hat, begann Aleksandra ihre journalistische Karriere bei der Tagespresse in Serbien, wo sie bis zu ihrem Master-Abschluss gearbeitet hat. Letztes Jahr verschlug es die wissbegierige Serbin schließlich nach Wien. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft für Journalismus als Redakteurin des KOSMO-Magazins aus. Stets professionell und mit viel Interesse, berichtet sie über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen. In ihrer Freizeit liest die Politologin am liebsten ein Buch, oder entdeckt auf ihrem Fahrrad neue Orte in Wien.