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Kultlokal „Lepa Brena” feiert 30. Geburtstag

Kultlokal „Lepa Brena” feiert 30. Geburtstag (FOTO: KOSMO, zVg.)

Viele Lokale wurden im Laufe der Jahre geschlossen oder verkauft, aber nicht das „Lepa Brena”, das dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen bzw. die 30-jährige erfolgreiche Geschäftsführung durch seinen Inhaber ­Milenko Šoškan feiert.

KOSMO: Wann sind Sie nach Wien gekommen und wann haben Sie das „Lepa Brena” eröffnet?
Milenko Šoškan: Ich bin 1972 nach Wien gekommen. Ich hatte Mutter und Vater verloren und bin gekommen, bevor ich zum Militärdienst eingezogen wurde, weil ich mir ein Motorrad oder ein Auto kaufen wollte. Aber dann habe ich hier eine Arbeit gefunden, mit der ich sehr gut verdient habe, und bin geblieben. 20 Jahre später, 1992, habe ich das Lokal „Lepa Brena” gekauft, das es damals schon seit sieben Jahren gab. Damals hatte der Krieg bereits begonnen und die Situation war für alle sehr schwer. Mein großer Wunsch war es damals, etwas Schönes für unsere Leute zu schaffen, sie zusammenzubringen und gute Stimmung zu machen. Zuerst wollte ich einen eigenen Club gründen, aber ich fand keine passenden Räumlichkeiten. Dann wurde ich auf das „Lepa Brena” aufmerksam, das zum Verkauf stand. Ich freue mich noch immer, dass damals alle zu mir kamen, unabhängig von ihrer Religion und Nationalität. Das Lokal war eine Art Nest, in das die Menschen immer kommen konnten, um zu reden, Musik zu hören und einen Moment des Glücks und des Friedens zu finden.

Das Lokal war eine Art Nest, in das die Menschen immer kommen konnten, um einen Moment des Glücks zu finden.

Milenko Šoškan

Sie führen nicht nur dieses Lokal erfolgreich, sondern Sie sind in der Stadt auch für die Organisation von Musik- und Sportveranstaltungen bekannt. Was machen Sie da genau?
Nachdem ich das Lokal übernommen hatte, habe ich beschlossen, mich auch bei Sport- und Kulturveranstaltungen zu engagieren, denen ich einen großen Teil meiner Freizeit widmete. Ich organisierte die Gründung des Vereins „Nikola Tesla” mit, war Vorstandsmitglied das Serbischen Zentrums und des Vereins „Humanitas”. In den dreißig Jahren war ich an der Organisation unzähliger Kleinfeldfußballturniere beteiligt, an denen alle teilnahmen, unabhängig von ihrer Herkunft. Dann beschloss ich, meiner Heimat zu helfen und investierte Geld in den Wiederaufbau einer Wassermühle, die 1958 abgerissen worden war. Ich legte den Grundstein dieser Wassermühle, an der sich jetzt im Sommer Menschen aus Prijedor bis Banja Luka treffen, Spaß haben und grillen. Außerdem habe ich geholfen, in dem Dorf eine Straßenbeleuchtung zu installieren, und ich habe ein Geschäft und ein Heim gekauft, die ich dem Dorf in meinem Testament hinterlassen werde. Und wenn Sie nach Musikveranstaltungen fragen, da habe ich einen Wettbewerb der Kaffeehaussänger und eine Oscarverleihung organisiert. Ich habe mich immer bemüht, die Wettbewerbe möglichst fair und korrekt auszutragen und diese Tradition jedes Jahr weiterzuführen.

Viele Lokale werden eröffnet und wieder geschlossen. Sie sind einer der wenigen, die sich seit 30 Jahren gehalten haben. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Ich glaube, dass es in Europa niemanden gibt, der schon länger ein Lokal mit Volksmusik führt. Das Erfolgsgeheimnis sind definitiv meine Arbeit und mein Wille, aber auch die ehrliche Geschäftsführung. Bei mir sind die Löhne immer rechtzeitig gezahlt worden und ich habe für mehr als 150 Menschen Arbeitserlaubnisse eingeholt.

Mit welchen Herausforderungen waren Sie in diesen 30 Jahren konfrontiert?
Mein Ziel war es, den 20. Jahrestag zu erreichen, und dann habe ich auf den 30. gewartet. Jetzt habe ich das Lokal meinem Sohn übergeben und bin offiziell Geschäftsführer geworden. Ich werde bis zum nächsten Jahr bei ihm arbeiten, dann gehe ich in meine Heimat und zu dem alten Leben zurück, das unsere Vorfahren einst gelebt haben. Ansonsten gab es keine Situationen, die mir schwergefallen sind. Jede Zeit bringt etwas Neues, aber wenn man arbeitet, wie es sich gehört, dann gibt es keine Probleme. Das größte Glück und die Bestätigung, dass ich es gut mache, waren für mich immer die Menschen, die wiederkommen in das Lokal und mich dazu beglückwünschen, dass ich trotz aller Herausforderungen noch immer da bin. Viele Gastronomen beschweren sich über Schutzgelderpressung, aber ich muss sagen, dass sind blöde Geschichten. Niemand kommt zu Ihnen und fordert Geld, wenn Sie ihm nichts schulden. Man muss mit sich selbst und mit anderen im Reinen sein, denn nur so kann man überall Tür und Tor öffnen und diese auch auf schöne Weise schließen.

Was war das Schönste an dieser Arbeit?
Durch diese Arbeit bin ich mit Menschen in Kontakt gekommen. Aber am schönsten ist es für mich noch immer, wenn ich wieder in meine Heimat komme. Dort bin ich ich selbst auf meinem eigenen Land. Ich habe ein Wochenendhaus im Kozara-Gebirge, in dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Das Geld kann in der Gastronomie manchmal verflucht sein, denn man nimmt es von Betrunkenen, d.h. von Personen, die nicht bei vollem Bewusstsein sind. Darum wollte ich niemals diesen Weg gehen, dass ich jemanden betrunken mache, um möglichst viel von ihm zu bekommen. Das Geld habe ich immer zu humanitären Zwecken eingesetzt.

Man muss mit sich selbst und den anderen im Reinen sein, denn nur so kann man überall Tür und Tor öffnen.

Milenko Šoškan

Wird Ihnen die Gastronomie fehlen?
Ich bin schon ein bisschen erschöpft von dieser Arbeit, aber ich werde noch ein Jahr lang hier sein und dann ziehe ich mich definitiv zurück. Jetzt ist es Zeit, dass jüngere Generationen die Führung übernehmen.

Haben Sie in Ihrem Lokal auch einmal Gastauftritte von Sängern gehabt?
Ein paar Male habe ich Gastauftritte von Snežana Đurišić, Srećko Sušić, Savo Radusinović, Mira Škorić, Jandrino jato, Žare und Goci Bend, Sinovi Manjače etc. organisiert. Das war aber für mich niemals das Hauptmotiv, denn das Lokal hat auch ganz alleine hervorragend funktioniert. Aber es waren Sänger und Sängerinnen wie Snežana Đurišić, Srećko Sušić und Sava Radusinović bei mir.

Was würden Sie jüngeren Menschen raten, die in der Gastronomie aktiv werden wollen?
Wenn sie diese Arbeit machen, dann sollten sie nur das tun und nicht nebenbei noch etwas anderes arbeiten. Der Inhaber muss als Erster ins Lokal kommen und als Letzter noch da sein. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Seit 30 Jahren sperre ich das Lokal auf und in der Nacht wieder zu. Und das ist mir nie schwergefallen, denn ich hatte Lust dazu. Neben der Arbeit ist also auch das Engagement ein wichtiger Faktor für den Erfolg. Außerdem ist auch ein ordentliches Familienleben wichtig, d.h. der Partner muss Verständnis dafür haben, dass man bis spät in die Nacht hinein arbeitet. Wichtig ist auch, dass das Geld nicht die einzige Motivation ist. Natürlich leben wir davon, aber man darf nicht gierig sein. Ich habe meine Mitarbeiter nie gerufen und gefragt, wie viel Geld in der Kasse ist, sondern ob im Lokal alles in Ordnung ist.

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