Start Aktuelle Ausgabe Jakov Ugljar: „Das Dayton hat es geschafft, alle zusammenzubringen”
KOSMO CLASSICS

Jakov Ugljar: „Das Dayton hat es geschafft, alle zusammenzubringen”

Jakov Ugljar: „Das Dayton hat es geschafft, alle zusammenzubringen” (FOTO: zVg., KOSMO)

Ohne Jakov Ugljar wären das Nachtleben und die Musikszene Wiens nicht annähernd das gewesen, was sie waren. In der zweiten Folge unserer neuen Rubrik stellen wir Ihnen den Mann vor, der verantwortlich zeichnete für unvergessliche Partys mit Musik für die Seele, zu der wir bis in die Morgenstunden tanzten.

KOSMO: Der Club „Dayton” war damals eine Kultdisco. Was war der Schlüssel zum Erfolg?
Jakov Ugljar: Das „Dayton” war dafür bekannt, dass hier ganz ex-Yu zusammenkam. Wir sprechen da über die Jahre unmittelbar nach dem Krieg, und da war die Situation mit den Clubs ein bisschen heikel, d.h. man wusste, in welche Lokale die Serben gingen, in welche die Kroaten und in welche die Bosniaken. Auch wenn die Inhaber der Clubs da keine Unterschiede machten, teilten sich die Leute auf diese Lokale auf. Das „Dayton” hat es geschafft, alle zusammenzubringen, und es war das einzige Lokal, das drei Tage in der Woche, freitags, samstags und sonntags, voll war. Selbst bekannte österreichische Gastronomen konnten nicht glauben, dass so viele Leute regelmäßig zu uns kamen. Dabei waren sie selbst Stammgäste und Augenzeugen dieses Phänomens. Der Grund für dieses erfolgreiche Geschäft war, dass wir wirklich auf ein normales und höfliches Benehmen unseres Personals bestanden. Wir hatten immer eine gute Beziehung zu unseren Gästen und haben niemals irgendeinen Druck ausgeübt. Gastronomen müssen bescheiden und normal sein, damit die Gäste gerne kommen und Geld dalassen. Niemand zahlt gerne irgendwo, wo ihm unhöflich begegnet wird. Außerdem haben wir darauf geachtet, wie sich unsere Gäste benahmen. Bei uns konnte niemand in der Trainingshose hereinkommen. Es gab einen Dresscode und den haben alle akzeptiert, da hat sich niemand beschwert. Es gab Versuche von ein paar Burschen, illegale Geschäfte zu machen. Ein weiterer Grund dafür war, neben dem korrekten Benehmen, auch der, dass hier jeder etwas für seinen Musikgeschmack finden konnte. Wir hatten einen Block Unterhaltungsmusik, dann einen mit Volksmusik, dann Dance-Varianten usw. Unser Fokus war aber nicht Volksmusik, sondern Dance und Pop. Es war niemals langweilig, sondern immer abwechslungsreich. Später haben wir angefangen, auch Liveauftritte von Sängern zu organisieren. Es kamen also mehrere Elemente zusammen (das bunt gemischte Personal, normale, kultivierte Menschen, vielfältige Musik, Liveauftritte und die entspannte Atmosphäre), die den Erfolg des „Dayton” garantierten. Wenn du morgens in den Spiegel schaust und dich für nichts schämen musst, dann bist du auf dem richtigen Weg. Das hat das Publikum anerkannt und belohnt.

Welche Anekdoten oder Situationen sind Ihnen aus dem „Dayton” in Erinnerung geblieben?
Ich erinnere mich an einen Auftritt von Halid Bešlić, der gleichzeitig auch das erste Volksmusikkonzert bei uns war. Nach Mitternacht kamen auch die Inhaber anderer Lokale zu uns in die Disco. Als das Konzert zu Ende war, sind wir 15 bis 20 Gastronomen und Mitarbeiter noch mit Halid zusammengesessen. In den frühen Morgenstunden bat Halid um die Rechnung und wollte für uns alle zahlen und dann ließ er unserer Kellnerin ein Trinkgeld in derselben Höhe da, die auch die Zeche betragen hatte. Als sie ihm sagte, das sei zu viel, antwortete er: „Auch du bist die Freundin und die Tochter von irgendwem und jetzt ist es 7.30 Uhr am Morgen. Also bitte, nimm den doppelten Betrag.” Das ist eine sympathische Geschichte und sie zeigt, dass Halid ein großartiger Mensch ist. Eine andere sympathische Szene spielte sich mit Srđan und Ana von Moby Dick ab. Sie sind bei uns aufgetreten, und da wir damals das einzige Lokal waren, das auch Pop und Dance-Musik spielte, bestellten die Leuten unzählige Male dieselben Lieder. Irgendwann kam Srđan zu mir und fragte mich, was er machen sollte, wenn die Leute nonstop dasselbe bestellten. Er konnte einfach nicht glauben, wie sehr die Leute ihre Songs liebten.

Auf der nächsten Seite geht´s weiter…

Vorheriger ArtikelWKStA nimmt frühere ÖVP-Ministern Sophie Karmasin fest
Nächster ArtikelRussischer Oligarch setzt 1 Mio. Dollar auf Putins Kopf aus
Mit ihrer Unermüdlichkeit, ihrem scharfen Verstand und ihrer Kreativität brachte die gebürtige Belgraderin einen neuen Wind in die Redaktion, ohne welchen das Büro aus heutiger Perspektive nur schwer vorstellbar wäre. Die diplomierte Übersetzerin kümmert sich nicht nur um ihre eigenen überaus interessanten Reportagen und Artikel, sondern unterstützt das ganze Team mit ihren sprachlichen Kenntnissen. Die Verbindung von österreichischer Genauigkeit und der balkanischen Lebhaftigkeit macht sie zu einer wahren Bereicherung der KOSMO-Redaktion und das jeden Arbeitstag auf ein Neues.