Chris Stephan: „Die Balkan-Community hat ihre Eigenheiten und das taugt mir!“

INTERVIEW

Chris Stephan: „Die Balkan-Community hat ihre Eigenheiten und das taugt mir!“

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Chris Stephan
(FOTO: Christopher Glanzl)

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Schon als wir telefonisch unseren Interviewtermin vereinbarten, war mir klar, dass ich es mit einem Original zu tun habe. Mindestens genauso entspannt und locker wie am Telefon trudelte Chris Stephan – wie er leibt und lebt – um 10 Uhr morgens auch zu unserem Frühstücks-Interview im Tesla Coffe & Concept auf der äußeren Mariahilferstraße ein.

Im Zuge unseres knapp zweistündigen Gesprächs sollte mir bewusstwerden, wer tatsächlich hinter der Entertainment-Maschine steckt, die kein Fettnäpfchen scheut und dafür österreichweit längst Kultstatus genießt. Kein Thema tat seiner Gesprächslaune Abbruch, kaum eine Frage war dem Moderator zu pikant und Langweile hatte hier keinen Platz…

Authentizität, Leidenschaft für den Beruf und eine Prise Wahnsinn…“Chrisi von Fernsi“ – wie er sich selbst liebevoll nennt – kann in der österreichischen Medienlandschaft in puncto Spiel, Spaß und Spannung wirklich niemand das Wasser reichen – oder sollte ich lieber „Soda Zitron“ sagen, denn davon schien der 38-Jährige im Zuge unseres Gesprächs nicht genug zu bekommen…

Flachwitz beiseite und nun zu den Anfängen von Chris Stephan Wadie, dem Sohn eines Libanesen und einer Alexandrinerin, der die Herzen der Österreicher mit seiner aufgeweckten Art schon vor Jahren im Sturm erobert hat…

Chris im Tesla Coffe & Concept bei seiner Lieblingsbeschäftigung – dem Essen! (FOTO: Christopher Glanzl)

KOSMO: Du bist zwar in Mödling geboren, verbrachtest aber einen Teil deiner Kindheit in Australien… Wie kam es dazu?
Chris Stephan: Meine Mutter und ich haben dort unseren Sommerurlaub verbracht, als ich sieben oder acht Jahre alt war und sind dann auch gleich dort geblieben für zwei drei Jahre. Als wir letztendlich aber doch wieder nach Wien gezogen sind, hatte ich Deutsch praktisch komplett verlernt, weil ich nur noch Englisch gesprochen habe. Nur durch die Hilfe meiner Mutter habe ich es dann von der Neulandschule ins Sportgymnasium geschafft. Sie hat nämlich meine Deutsch-Aufsätze geschrieben und ich habe sie dann einfach auswendig gelernt. (lacht)

Wie lief deine Schulzeit ab… Warst du damals auch schon fürs Entertainment zuständig?
Ja, ich war immer schon der Klassenclown, aber die meisten, die in diesem Bereich arbeiten, waren früher schon auffällig. Spiel, Spaß und Spannung waren eben damals schon mein Hauptjob. (lacht) Es gab eben die Streber und es gab jene, die lieber fortgegangen sind. Ich gehörte zur zweiten Gruppe. In der siebten Klasse war ich dann gar nicht mehr bei der Sache und bin sitzengeblieben…die Pubertät vermutlich. Als mir die Direktorin dann aber riet, das mit der Schule sein zu lassen und lieber eine Tischlerlehre anzustreben – obwohl ich zwei linke Hände habe – , wechselte ich in eine Waldorfschule und bekam im Kartoffeldruck prompt eine 1. (lacht)

Dieses Gesamtkonstrukt passte einfach viel besser zu meinem Wesen. Es ist offener, lockerer, individueller und es wird viel mehr Wert auf die Praxis gelegt. Dazu rate ich jedem, dem es ähnlich geht, wie mir damals. Mein Credo war immer schon, authentisch zu bleiben und immer das zu machen, was ich gerade machen wollte und dann zu schauen, was passiert.

Nach der Matura warst du eine Zeit lang als Wasserspender-Verkäufer tätig… Wie ist es dir schließlich gelungen, zu einem der beliebtesten Moderatoren Österreichs zu avancieren?
Ja richtig, ich war schon früh im Verkauf tätig. Zuvor habe ich Versicherungen an den Mann gebracht und eines kann ich dir sagen – das ist einer der härtesten Jobs überhaupt, aber es war eine gute Schule. Man muss sich vermarkten können, und wenn es dir gelingt, Wasser zu verkaufen, dann kannst du auch Putin einen Russischkurs andrehen. (lacht)

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Auch während unseres Interviews versprühte die Frohnatur in gewohnter Manier seinen Charme. (FOTO: Christopher Glanzl)

Das habe ich eine Zeit lang gemacht, bis ich nicht auf eine Zeitungsannonce von RADIO MAX, dem Einkaufsradio gestoßen bin. Zwölf Jahre lang habe ich anschließend dort die Morningshow moderiert und dabei Mitarbeiter in den verschiedenen Filialen zum Arbeiten motiviert.

Eine Dekade im TV

Bereits seit über einem Jahrzehnt grinst der 38-Jährige nun schon aus unseren Fernsehgeräten und lotete im Laufe der Zeit durch seinen Klamauk auch schon die eine oder andere Grenze aus. Inzwischen versucht Chris aber mehr Tiefgang in seinen Shows zu etablieren, wie beispielsweise mit seinem erfolgreichen Format „WOWstria – Das kann Österreich„, dessen neue Staffel ab August immer donnerstags um 19.00 Uhr auf PULS 4 in „Café Puls – Das Magazin“ zu sehen sein wird.

„Durch diese Rubrik treffe ich starke Persönlichkeiten, die einen steinigen Weg hatten, und beleuchte ihre Erfolge. Unter anderem traf ich UFC-Kämpfer Aleksandar Rakić, Karate-Talent Marina Vuković und die synchronschwimmenden Alexandri-Schwestern. Ich versuche, etwas aus meinen Interviewpartnern heraus zu kitzeln und neben Spaß und Unterhaltung auch ein wenig Stoff zu verankern“, so Chris, der bislang vor allem für die Sendung „Drück die 4“ bekannt war, in der er als Gücksbote in ganz Österreich unterwegs ist und Zuschauer mit 444 Euro belohnt, wenn sie PULS 4 auf Platz 4 am TV-Gerät gespeichert haben.

„Man kann auch von der Gesellschaft als ernst empfundene Themen locker aufbereiten und einen Schmäh einbauen. Das bringt dem Gesprächspartner Freude und wenn mein Gegenüber lacht, dann weiß ich, dass ich etwas richtig gemacht habe. Die ernsten Gespräche hat man im Leben ohnehin oft genug“, erklärt der Moderator die Motivation hinter seiner frischen Herangehensweise.

Aber auch für taff, das stärkste Magazin Deutschlands, strawanzt der gebürtige Wiener regelmäßig durch die Straßen. Auch bei unseren Nachbarn führte er inzwischen Formate ein, die er in Österreich bereits erfolgreich integriert hat und erreicht dadurch beeindruckenderweise bis zu 900.000 Zuschauer pro Folge.

„Man kann auch von der Gesellschaft als ernst empfundene Themen locker aufbereiten und einen Schmäh einbauen.
Die ernsten Gespräche hat man
im Leben ohnehin oft genug“

– Chris Stephan

Im Zuge unseres Gesprächs in dem belebten Lokal erkennen ihn immer wieder Gäste, grüßen ihn freundlich oder rufen „Drück die 4“. Motiviert reagiert der Moderator auf jeden einzelnen Fan. Ob ihm das hin und wieder zu viel wird, möchte ich schließlich von dem Enthusiasten wissen…
Chris: Manchmal bin ich nicht so gut drauf bzw. gedanklich ganz wo anders, aber damit muss man in meinem Beruf klar kommen. Wenn ich mal nicht so lustig reagiere, wie es Zuschauer aus dem Fernsehen von mir gewohnt sind, dann wirken manche ziemlich überrascht. Aber man muss zwischen Formaten, wie „Drück die 4“, in denen ich vier Minuten lang Vollgas gebe und meinem privaten Ich unterscheiden. Man sagt mir oft, ich sei in Wahrheit viel ruhiger, aber im Endeffekt ist nur wichtig, dass die Leute wissen, was ich mache und etwas mit mir anfangen können. Wenn sie sagen ‚Ah, schau…da ist der Lustige aus’m Fernsehen!‘, dann habe ich etwas richtig gemacht.

Du bist nicht nur „der Lustige aus’m Fernsehen“, sondern auch der, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Hat aber auch dich schon einmal ein Gesprächspartner eingeschüchtert? Eventuell ein Idol, das du treffen durftest?
So etwas wie ein Idol habe ich nicht und eingeschüchtert fühle ich mich auch von niemandem. Ich behandle jeden Menschen gleich, egal wer er ist.  Es gibt aber sehr wohl Menschen, die ich besonders beeindruckend finde und die mich inspirieren, wie Aleks Rakić zum Beispiel. Ihn habe ich für „WOWstria“ interviewt. Ich kenne ihn und seine Geschichte. Er ist total lieb, hat eine coole Persönlichkeit, ein gutes Herz und ist gleichzeitig eine Maschine, die klare Ziele verfolgt und alles gibt. Das respektiere ich mit jeder Faser meines Seins.

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„Von gewissen Leuten und Promis in bestimmten Positionen würde ich mir mehr Bodenständigkeit wünschen“, so der Moderator. (FOTO: Christopher Glanzl)

Du triffst durch deinen Job auch allerhand Promis. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit ihnen?
Von gewissen Leuten und Promis in bestimmten Positionen würde ich mir mehr Bodenständigkeit wünschen. Sie verstehen nicht, dass man ohne den Rückenwind der Medien wenig ist. Man darf niemals glauben, man stünde über allem…egal wie viele Likes oder Follower man hat. All das hat keinerlei Bedeutung und keinen Wert hinsichtlich der Persönlichkeit eines Menschen, es macht einen keinen Deut besser. Dennoch freue ich mich über jeden Follower auf meinem Instagram-Account Chrisstephan_tv. (lacht)

Kam es im Laufe deiner langjährigen TV-Präsenz aufgrund deines „losen Mundwerks“ schon einmal zu einer Handgreiflichkeit vor oder hinter den Kameras?
Ich wollte am Anfang meiner Karriere auffallen, um jeden Preis, und habe deshalb auch viele außergewöhnliche Aktionen gestartet. Mein Ziel war es aber zu Beginn, meinen Namen bekannter zu machen. Ich habe oft provoziert, aber mit den Jahren wird man ruhiger.

Einen kleinen „Schlagabtausch“ gab es allerdings schon – und zwar jenen, zwischen David Alaba und mir! (lacht) Ich habe ihn vor einigen Jahren vom Flughafen in München abgeholt und ihn anschließend zum Bayern Training gefahren. Bewaffnet habe ich ihn mit einer Schlagobers-Dose, mit der mich besprühen durfte, sobald ich ihm eine dumme Frage stellte. Dementsprechend lustig und einmalig war diese kleine „Spritztour“ dann auch. (lacht)

Abgesehen davon wurde ich einmal im Auftrag der Redaktion im Rapid-Dress zu einem Austria-Match geschickt und musste dort einem Fan entlocken, dass Rapid die geilste Mannschaft der Welt ist. Das Ganze wurde relativ brenzlig, als mich dann zwei eingefleischte Austrianer im Visier hatten und ich die Flucht ergreifen musste. Es ist zum Glück aber nichts passiert. Im Nachhinein betrachtet, eine nicht so kluge Aktion. Danke nochmals an die Redaktion von damals für diese großartige Idee. (lacht)

„Ich wollte am Anfang meiner Karriere auffallen, um jeden Preis!“
– Chris Stephan

Du scheinst inzwischen aber weit mehr zu sein, als „nur lustig“…Wenn ich mich nicht irre, bist du auch als Motivationsredner aktiv?
Ja genau, ich moderiere sehr viel für Lehrlingsevents. Immer mehr  Unternehmen wollen Jugendliche auf Augenhöhe erwischen und dafür bin ich der Richtige. Ich gehe offen, direkt und locker auf sie zu und versuche sie auf diese Weise zu motivieren. Außerdem ist es nicht schlecht, wenn sie mit jemandem sprechen, der es in der Schule auch nicht immer leicht hatte.

Was können wir in Zukunft sonst noch von dir erwarten?
Ich konzentriere mich wie bisher auf meine bestehenden Formate und versuche diese in erster Linie groß zu machen. Mit neuen Ideen muss man im Fernsehen häufig auf die richtigen Momente warten, aber ich bin niemand, der wartet. Ich muss schaffen und weiterkommen, mich entwickeln. Man darf niemals aufhören zu träumen, aber gleichzeitig muss man zufrieden sein, mit dem was man hat. Viele wollen hoch hinaus und merken dann am Höhepunkt, dass sie dennoch nicht glücklich sind. Man darf aber seine Zufriedenheit nicht von seinen Zielen abhängig machen. Aber vielleicht kommt ja noch etwas ganz Großes – mal abwarten!

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit Chris‘ Beziehung zur Balkan-Community und seinem Privatleben, über das bislang so gut wie nichts bekannt war…

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