Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Bahnchaos

Defekter Zug: 400 Menschen stundenlang in Tunnel gefangen (FOTO)

Defekter Zug: 400 Menschen stundenlang in Tunnel gefangen (FOTO)
FOTO: iStock/Alexandr Baranov
3 Min. Lesezeit |

Ein ICE mit rund 400 Reisenden kam am Samstagnachmittag aufgrund einer technischen Störung im Eisenbahntunnel Knoten Hadersdorf zum Stillstand. Der Vorfall löste einen umfangreichen Einsatz der Rettungskräfte aus und führte zu massiven Beeinträchtigungen im Bahnverkehr. Während der Evakuierung verließen einige Fahrgäste eigenmächtig den Zug, was zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich machte und die Räumung verzögerte. Der Zugverkehr zwischen Wien-Meidling und Tullnerfeld musste vorübergehend eingestellt werden, Fernverkehrszüge wurden umgeleitet.

Die Blaulichtorganisationen rückten am Samstagnachmittag zu einem Großeinsatz vor den Toren Wiens aus. Wie ein ÖBB-Sprecher dem KURIER mitteilte, blieb gegen 13:30 Uhr ein mit etwa 400 Passagieren besetzter ICE der Deutschen Bahn im Tunnel Knoten Hadersdorf stehen. Der Zug war auf dem Weg nach Hamburg, als er kurz nach der Station Wien-Meidling wegen eines technischen Defekts liegen blieb.

Da ein Abschleppen nicht möglich war, planten die Verantwortlichen zunächst, die Reisenden im Tunnel in einen Ersatzzug umsteigen zu lassen. Der betroffene ICE 90 „Donauwalzer“ hatte den Wiener Hauptbahnhof planmäßig um 13:13 Uhr verlassen. Nur wenige Minuten nach seinem Halt in Meidling kam der Zug im Tunnel zum Stehen.

Massive Verkehrsbehinderungen

Als Folge der eingeleiteten Notfallmaßnahmen wurden sämtliche Fernverkehrszüge über Rekawinkel umgeleitet, was zu erheblichen Verzögerungen führte. Der Zugverkehr auf der Strecke zwischen Wien-Meidling und Tullnerfeld wurde zunächst komplett eingestellt.

Nach Angaben der ÖBB verließen einzelne Personen die bereitgestellte Ersatzgarnitur entgegen ausdrücklicher Anweisungen und bewegten sich im Tunnel vom Zug weg. Dies machte eine erneute Notabschaltung des Stroms erforderlich. „Gemeinsam mit den Einsatzkräften wurde daher entschieden, dass es zu einem Ausstieg aller Fahrgäste aus dem Tunnel an die Oberfläche kommt, das ist nun abgeschlossen. Der Tunnel muss nun auf die Personen abgesucht werden, es kommt somit weiter zur Umleitung der Fernverkehrszüge und erhebliche Verspätungen“, erklärte ein ÖBB-Vertreter gegenüber dem KURIER.

Schwierige Bedingungen

Am frühen Abend dauerten die Evakuierungsmaßnahmen noch an. Laut Medienberichten herrschte im defekten Zug teilweise völlige Dunkelheit. Der Ausfall der Klimaanlage verschärfte die Situation für die Fahrgäste, die bei geschlossenen Türen stundenlang ausharren mussten, erheblich.

Die Wiener Berufsrettung war mit umfangreichen Kräften vor Ort: Eine mobile Leitstelle, ein Evakuierungsbus, vier Rettungsfahrzeuge und 20 Rettungskräfte beteiligten sich am Einsatz.

Zwei Reisende benötigten ambulante Betreuung, Hinweise auf schwerwiegende Verletzungen gab es zunächst nicht.

Fünf Stunden im dunklen Tunnel

Besonders belastend für die Fahrgäste war die lange Wartezeit. Wie nun bekannt wurde, mussten die Passagiere rund fünf Stunden ohne Strom, Licht und Klimaanlage im Tunnel ausharren, bevor die eigentliche Evakuierung gegen 17:30 Uhr beginnen konnte. Die starke Hitze in den Waggons und die Dunkelheit verschärften die ohnehin angespannte Situation. Während der Wartezeit versorgten Einsatzkräfte die Reisenden mit Wasser.

Laut den Sicherheitsprotokollen der ÖBB sollen Fahrgäste bei einem Zwischenfall im Tunnel grundsätzlich im Zug bleiben und auf Anweisungen warten. Das Verlassen der Wagen ohne ausdrückliche Aufforderung des Zugpersonals ist strikt untersagt, da in Tunneln besondere Gefahren wie Stromschienen, einfahrende Züge oder unwegsames Gelände bestehen können. Selbst bei bereits abgeschaltetem Strom müssen alle Evakuierungsmaßnahmen koordiniert erfolgen, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten.

📍 Ort des Geschehens

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen