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Interview

Denis Sakic über Wien, Europa und die Herausforderungen der Zukunft

Denis Sakic über Wien, Europa und die Herausforderungen der Zukunft
Denis Šakić spricht mit KOSMO über Wien, Unternehmer:innen und europäische Zusammenarbeit. (Foto: zVg.)
8 Min. Lesezeit |

Im Gespräch mit KOSMO spricht Denis Sakic über europäische Zusammenarbeit, aktuelle Herausforderungen in Wien und die Anliegen von Unternehmer:innen – mit besonderem Blick auf die Innere Stadt, Verkehr, leistbares Wohnen und das Potenzial der BKS-Community.

KOSMO: Sie sind Mitglied im Ausschuss für Regionen und Internationales, der sich mit Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union befasst. Welche Projekte und Initiativen stehen dort derzeit im Mittelpunkt Ihrer Arbeit?

Denis Sakic: Als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss der Regionen durfte ich im März erstmals an einer Plenarsitzung teilnehmen und unseren Bürgermeister Michael Ludwig sowie seine erste Stellvertreterin, Vizebürgermeisterin Barbara Novak, vertreten. Dieses Vertrauen erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und ist für mich eine besondere Ehre. Auf der Agenda standen dabei zentrale Zukunftsfragen Europas: Wir beschäftigen uns intensiv mit der Weiterentwicklung der Kohäsionspolitik nach 2027, insbesondere mit der Rolle des Privatsektors bei der Finanzierung und Umsetzung regionaler Projekte. Ebenso diskutieren wir die Vergabe öffentlicher Aufträge, wo es darum geht, Verfahren effizienter, transparenter und nachhaltiger zu gestalten.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Wasser Resilienz, also die Frage, wie wir Städte und Regionen besser gegen Herausforderungen wie Hochwasser, Dürre und Wasserknappheit wappnen können. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen europäischer, nationaler und regionaler Ebene ist.

Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Interessen der Städte und Regionen in Europa stärken und konkrete Lösungen für die Lebensrealität der Menschen vor Ort erarbeiten.

Wie kann Wien die Zusammenarbeit mit anderen Städten und Regionen innerhalb der EU so nutzen, dass daraus konkrete Vorteile für die Wiener:innen entstehen, und in welchen Bereichen sehen Sie dafür derzeit das größte Potenzial?

Man profitiert enorm von der engen Zusammenarbeit mit anderen Städten und Regionen in der Europäischen Union. Der Austausch von Best Practices ermöglicht es uns, erfolgreiche Modelle schneller zu übernehmen und gezielt an die Bedürfnisse der Wienerinnen anzupassen, sei es in der Stadtentwicklung, beim leistbaren Wohnen oder in der Digitalisierung. Gerade in Bereichen wie Klimaschutz, Energieversorgung sehe ich aktuell das größte Potenzial. Städte stehen vor ähnlichen Herausforderungen, von Hitzewellen bis hin zur Transformation der Energieversorgung und können durch gemeinsame Projekte, EU-Förderprogramme und innovative Pilotvorhaben schneller und effizienter Lösungen entwickeln.

Ein konkretes Beispiel zeigt, wie wichtig diese Präsenz auf europäischer Ebene ist: Auch durch den starken Einsatz unseres Bürgermeisters Michael Ludwig ist es gelungen, dass erstmals auf EU-Ebene ein eigener Kommissar für das Thema Wohnen eingesetzt wurde, mit Dan Jørgensen. Das unterstreicht, wie entscheidend es ist, aktiv mitzugestalten und die Anliegen der Städte sichtbar zu machen. Leistbarer Wohnraum ist längst eine zentrale soziale Frage in ganz Europa. Im Rahmen der Diskussion zum zukünftigen EU-Haushalt hat auch unsere Vizebürgermeisterin Barbara Novak eine klare Wortmeldung eingebracht und es auf den Punkt gebracht: Städte tragen zentrale Verantwortung für Bildung, Gesundheit, Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Infrastruktur und müssen daher im künftigen Mehrjährigen Finanzrahmen stärker berücksichtigt werden.

Konkret braucht es eine stärkere städtische Dimension in den Partnerschaftsplänen, einen für alle Regionen zugänglichen Wettbewerbsfonds sowie gezielte Unterstützung für öffentliche und gemeinwohlorientierte Projekte, insbesondere im Bereich des sozialen und leistbaren Wohnens. Auch Programme wie Horizon Europe müssen stärker für Städte geöffnet werden. Darüber hinaus ist es wesentlich, dass der kommende EU-Haushalt klare Gender-Budgeting-Regeln enthält und gezielt Frauen stärkt – etwa im Arbeitsmarkt, in Ausbildung, MINT-Berufen und im Gewaltschutz. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die europäische Zusammenarbeit so nutzen, dass sie konkret im Alltag der Menschen ankommt, durch leistbares Wohnen, moderne Infrastruktur und eine hohe Lebensqualität für alle Wienerinnen.

Sie sind auch Bezirksgeschäftsführer der SPÖ Innere Stadt. Welche Herausforderungen prägen den ersten Bezirk derzeit, und woran arbeiten Sie aktuell besonders intensiv?

Als Bezirksgeschäftsführer der SPÖ Innere Stadt beschäftigen uns derzeit mehrere zentrale Herausforderungen, die den ersten Bezirk nachhaltig prägen. Ein großes Thema ist die Balance zwischen Lebensqualität, Wirtschaft und Tourismus, die Innere Stadt soll ein lebendiger Ort bleiben, aber gleichzeitig auch ein leistbares und attraktives Zuhause für die Menschen, die hier leben. Ein besonderer Fokus liegt aktuell auf der Verkehrsberuhigung. Hier wurden auf Bundesebene wichtige rechtliche Grundlagen geschaffen, insbesondere durch Anpassungen in der Straßenverkehrsordnung, die nun auch neue Formen der Kennzeichenerfassung ermöglichen. Das ist ein entscheidender Schritt, um Maßnahmen wirksam umzusetzen und den Verkehr gezielt zu steuern.

An dieser Stelle möchte ich auch unserer Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Lucia Grabetz danken, die sich auf allen Ebenen mit großem Einsatz dafür starkgemacht hat, dass diese Fortschritte möglich werden. Ihr Engagement hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir hier einen wichtigen Erfolg erzielen konnten. Darüber hinaus arbeiten wir intensiv daran, den öffentlichen Raum aufzuwerten, durch mehr Begrünung, mehr Aufenthaltsqualität und sichere, barrierefreie Wege. Die Innere Stadt soll auch in Zukunft ein lebenswerter Wohnbezirk bleiben, ein Zuhause für Mensch und kein Museum.

Verkehr ist eines der Themen, das den Alltag der Bürger:innen unmittelbar beeinflusst. Wo sehen Sie derzeit die größten Probleme in Wien?

Verkehr ist eines der zentralen Themen im Alltag der Wienerinnen, und unser Zugang ist klar: Es geht nicht darum, etwas gegeneinander auszuspielen, sondern ein gutes Miteinander für alle zu ermöglichen. In einer wachsenden Stadt wie Wien treffen viele unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander, von Fußgängerinnen über Radfahrerinnen bis hin zum öffentlichen Verkehr, dem Individualverkehr und der Wirtschaft.

Unsere Aufgabe ist es, diese bestmöglich zu koordinieren und so zu gestalten, dass sich alle sicher, effizient und respektvoll im öffentlichen Raum bewegen können. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Weiterentwicklung unserer Infrastruktur: Der öffentliche Verkehr wird laufend ausgebaut, gleichzeitig schaffen wir mehr Platz für aktive Mobilität und erhöhen die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Maßnahmen wie Verkehrsberuhigung tragen dazu bei, dass Bezirke lebenswerter werden, ohne ihre Erreichbarkeit zu verlieren.

Unser Ziel ist eine Stadt, in der Mobilität für alle funktioniert, zuverlässig, klimafreundlich und mit einem fairen Ausgleich der Interessen.

Was belastet Unternehmer:innen und kleine Betriebe in Wien derzeit am stärksten? Und wie beurteilen Sie das Potenzial von Unternehmer:innen aus der BKS-Community in Wien – bekommt diese Gruppe in der Wirtschaftspolitik der Stadt ausreichend Aufmerksamkeit? 

Die Wiener Unternehmerinnen, insbesondere kleine Betriebe, EPUs und KMUs – stehen derzeit vor mehreren großen Herausforderungen. Dazu zählen vor allem steigende Kosten, etwa bei Energie, Mieten und Personal, aber auch zunehmende Bürokratie und der Fachkräftemangel. Gerade kleinere Betriebe spüren diese Entwicklungen besonders stark, weil sie weniger Spielraum haben, um Schwankungen abzufedern. Umso wichtiger ist es, gezielt zu entlasten, Verfahren zu vereinfachen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die unternehmerisches Handeln fördern.

Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen: Diese Betriebe sind das Rückgrat unserer lokalen Wirtschaft und prägen maßgeblich den Charakter unserer Bezirke, gerade auch in der Inneren Stadt. Was die Unternehmerinnen aus der BKS-Community betrifft, sehe ich hier ein enormes Potenzial. Viele bringen unternehmerischen Mut, internationale Perspektiven und eine hohe Einsatzbereitschaft mit. Sie sind ein wichtiger Teil der Wiener Wirtschaft und tragen wesentlich zur Vielfalt und Dynamik bei.

Ich bin der Meinung, dass diese Gruppe zunehmend mehr Aufmerksamkeit bekommt aber wir sind noch nicht am Ziel. Es braucht weiterhin gezielte Unterstützung, bessere Vernetzung und mehr Sichtbarkeit, damit dieses Potenzial voll ausgeschöpft werden kann. Unser Anspruch muss sein, eine Wirtschaftspolitik zu gestalten, die alle mitnimmt unabhängig von Herkunft, aber mit einem klaren Fokus auf Chancengleichheit und Förderung von Engagement und Leistung.

Wenn Sie am Ende dieser Amtsperiode auf Ihre Arbeit zurückblicken – was möchten Sie, dass die Wiener:innen ganz konkret mit Ihrem Namen verbinden?

Wenn ich am Ende dieser Amtsperiode zurückblicke, geht es mir nicht darum, ob mein Name in Erinnerung bleibt. Ich glaube, Politik ist kein Einzelprojekt, sondern immer ein gemeinsames Werk im Sinne des Gemeinwohls. Es geht darum, dass viele Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen und ihren Beitrag leisten. Ich habe das große Glück, eines dieser vielen Puzzleteile sein zu dürfen, die am Ende ein Gesamtbild ergeben. Und ich bin überzeugt, dass in Wien in der Vergangenheit viel richtig gemacht wurde, heute viel gut gemacht wird und auch in Zukunft gute Entscheidungen getroffen werden. Wichtig ist, dass die Menschen sehen und spüren, warum diese Stadt so gut funktioniert – dass es eine klare Handschrift gibt, dass Verantwortung übernommen wird und dass Politik für die Menschen arbeitet.

Wenn man am Ende sagen kann, dass wir im Miteinander konkrete Verbesserungen erreicht haben und die Lebensqualität weiter gestiegen ist, dann ist das das Entscheidende, nicht ein einzelner Name, sondern das gemeinsame Ergebnis.