Ein Amt, das er hätte haben können – und bewusst ablehnte. Vladko Maceks Entscheidung in der dunkelsten Stunde Kroatiens hallt bis heute nach.
Vladko Macek gehört zu jener Kategorie von Politikern, deren historisches Gewicht sich nicht allein an den Ämtern bemisst, die sie bekleideten – sondern ebenso an jenen Entscheidungen, die sie bewusst verweigerten. Am 20. Juli 1879 in Jastrebarsko geboren und am 15. Mai 1964 in Washington, D.C. gestorben, war er Jurist, langjähriger Vorsitzender der Kroatischen Bauernpartei und eine der prägenden Figuren der kroatischen Politik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein politisches Erbe ist von drei Grundmotiven durchzogen: dem Ringen um kroatische Autonomie, dem Widerstand gegen den Zentralismus des Königreichs Jugoslawien und der Weigerung, sich dem nationalsozialistischen Projekt des Unabhängigen Staates Kroatien zu beugen.
Macek entstammte einem Elternhaus gemischter Herkunft – sein Vater war slowenischer Abstammung, seine Mutter kroatisch-polnischer. Er besuchte das Klassische Gymnasium in Zagreb, promovierte anschließend an der dortigen Rechtswissenschaftlichen Fakultät und war zunächst im Gerichtsdienst tätig, bevor er als Rechtsanwalt arbeitete. 1908 eröffnete er seine eigene Kanzlei in Sveti Ivan Zelina.
Seinen politischen Einstieg fand er in der Kroatischen Volkspartei der Bauern, der späteren HSS, die maßgeblich von den Brüdern Stjepan und Antun Radic geprägt wurde. Obwohl ihm ein Mandat im Sabor zunächst verwehrt blieb, arbeitete er sich schrittweise in die erste Reihe der Partei vor. Nach dem Attentat auf Stjepan Radic 1928 übernahm Macek die Parteiführung und avancierte zur bestimmenden Figur der kroatischen Politik im Königreich Jugoslawien.
Autonomie-Abkommen 1939
Den Zenit seiner politischen Laufbahn markierte das Jahr 1939. Mit dem am 26. August unterzeichneten Abkommen Cvetkovic–Macek wurde die Banschaft Kroatien als autonome Einheit innerhalb des Königreichs geschaffen – der bedeutendste institutionelle Schritt in Richtung kroatischer Selbstverwaltung vor dem Zweiten Weltkrieg. Macek übernahm das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten, die HSS trat in die Regierungskoalition ein.
Die Banschaft Kroatien hatte jedoch nur kurzen Bestand. Als Europa in den Krieg taumelte und Jugoslawien nach dem Putsch vom 27. März 1941 dem deutschen Angriff ausgesetzt war, stand Macek vor einer historischen Weichenstellung. Nach verfügbaren historischen Darstellungen lehnte er Angebote ab, an die Spitze des nationalsozialistischen Marionettenstaates NDH zu treten – und entzog sich damit der politischen Mitverantwortung für ein Regime, das bald zu einem Schauplatz massenhafter Verbrechen werden sollte.
Verhaftung und Exil
Anstatt mit den Ustascha zu paktieren, zog er sich ins Private zurück. Im Oktober 1941 wurde er verhaftet und in Jasenovac interniert, ab 1942 stand er in Kupinec unter Hausarrest. Das Kriegsende brachte keine Rückkehr auf die politische Bühne. Für Titos kommunistisches Jugoslawien war Maceks Vorstellung eines demokratisch und föderativ organisierten Staates ohne serbische Hegemonie schlicht inkompatibel. 1945 verließ er das Land – zunächst nach Paris, dann in die Vereinigten Staaten.
Im Exil blieb er politisch aktiv, doch sein früherer Einfluss war unwiederbringlich verloren. Er warb für eine jugoslawische Konföderation jenseits der Dominanz Belgrads, wollte sich aber nicht zum Aushängeschild radikaler Emigrantenpolitik machen lassen. 1964 starb er in Washington, D.C., weit entfernt von jenem Land, dessen politisches Schicksal er mitgeprägt hatte.
1996 wurden seine sterblichen Überreste nach Zagreb überführt und auf dem Friedhof Mirogoj beigesetzt.