„Die Integration von Migranten ist uns wichtig“

INTERVIEW

„Die Integration von Migranten ist uns wichtig“

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Konstantin Dobrilović
FOTO: Amel Topčagić

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Jung, direkt, freundlich, wohl erzogen, fleißig und ambitioniert – mit einem Wort: einer von uns.

Konstantin Dobrilović (34) wird von Menschen mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien „Kole“ genannt, und sie treten gerne auf Veranstaltungen, in Kaffeehäusern oder auf der Straße an ihn heran. Einige möchten ihm nur freundschaftlich die Hand schütteln, andere wiederum beschweren sich über Ungerechtigkeiten und manch einer fragt neugierig nach Politikern und anderen Personen des öffentlichen Lebens, die er während seiner Arbeit trifft. Das ist alles ganz normal, da Konstantin als Politiker aus den Reihen der FPÖ eine Person des öffentlichen Lebens ist. Für alle, die es nicht wussten: Konstantin ist in Deutschland geboren und hat Wurzeln in der Republika Srpska (Bosnien-Herzegowina). Vor 16 Jahren hat er Wien zu seinem Lebensmittelpunkt auserkoren.

„Die FPÖ hilft bei der Erhaltung kultureller und sportlicher Veranstaltungen.“

KOSMO: Wann haben Sie gemerkt, dass Ihr Weg die Politik ist?
K.D.: Irgendwann 2007 habe ich das erste Mal darüber nachgedacht, einer Partei beizutreten, genauer gesagt, der Freiheitlichen Partei Österreichs. Ich habe mir gedacht, dass ich kleinere Aufgaben übernehmen kann, wie zum Beispiel das Übersetzen – was ich auch während Delegationsbesuchen in Serbien und der Republika Srpska tat. In der Rolle eines Politikers sah ich mich vor vier bis fünf Jahren, als ich mehr Erfahrung dank des engen Kontakts zu den Parteichefs sammeln konnte und ich mich reif für solche Aufgaben fand. Damals habe ich gedacht, dass ich eines Tages ein Abgeordnetenmandat bekommen könnte, ganz gleich ob auf Bundes-, bzw. Landesebene oder im Europäischen Parlament.

Was war für Sie das Entscheidende, sich der FPÖ anzuschließen?
Das erste Angebot, mich meiner heutigen Partei anzuschließen, habe ich dankend abgelehnt, da ich noch nicht bereit war. Allerdings konnte ich eine spätere Einladung durch die Parteispitze einfach nicht ablehnen. Damals überzeugte mich die Entschlossenheit meines heutigen Chefs, in jenen Zeiten auf der Seite der Gerechtigkeit zu stehen, in welchen der Großteil der europäischen Staaten und Spitzenpolitiker auf der Seite der Ungerechtigkeit bezüglich des Kosovos und Metochiens stand. Diese Einstellung überzeugte mich vollends, da die vergangenen Jahrzehnte kein Politiker im deutschsprachigen Raum solch einen Standpunkt vertreten hat. Später, als ich das Programm unserer patriotischen und familiären Partei sowie deren Struktur kennenlernen durfte, war ich mir sicher, am richtigen Ort zu sein.

Die FPÖ hat schnell Ihr Potential erkannt, weshalb Sie heute auch eine wichtige Funktion innehaben.
Richtig! Die ersten paar Jahre war ich Präsident der Christlich Freiheitlichen Plattform, einer Vorfeldorganisation innerhalb der Partei. Heute bin ich zuständig für die auswärtigen Angelegenheiten des geschäftsführenden Klubobmanns Gudenus und Berater des Vizekanzlers für den Balkan.

Sie begleiten die Parteispitze oft auf Arbeitsbesuche im Ausland, wo sie auf angesehene Politiker treffen.
Mit der Partiespitze reisen wir oft in Länder, für die ich als Berater zuständig bin. Wenn ich ehrlich bin, ist es mir eine große Ehre, wichtige Persönlichkeiten der internationalen politischen Szene zu treffen. Allerdings bin ich mir in jedem Moment meiner Aufgaben bewusst, auf welche ich mich äußerts gründlich vorbereite, da meine Arbeit große Verantwortung gegenüber meinen Chefs, der Partei und dem Staat Österreich trägt.

„Als ich das Programm unserer patriotischen und familiären Partei
sowie deren Struktur kennenlernen durfte, war ich mir sicher,
am richtigen Ort zu sein.“

– Konstantin Dobrilović

Stört es Sie, dass sie aufgrund der Politik in der Balkan-Community besonders stark präsent sind?
Es gehört zu meiner Arbeit, dass mich Menschen auf unterschiedliche Art und Weise wahrnehmen und kommentieren. Dies stört mich auch nicht. Meine starke Präsenz bemerke ich vor allem in den Sozialen Medien, wo mich viele Personen aus der Balkan-Community kontaktieren. Dies empfinde ich als ganz normal, da wir dieselbe Herkunft teilen. Zumeist geht es um Probleme mit der Wohnung, der Arbeit und Aufenthaltsgenehmigungen. Leider sind mir in vielen Angelegenheiten die Hände gebunden, da über all das die Wiener Landesregierung entscheidet. In ganz brenzlichen Fällen vermittle ich an Juristen aus unseren Strukturen weiter, die sie dann kostenlos beraten.

Wie kommentieren sie das politische Engagement der BKS-Community in Österreich?
In Österreich gibt es viele junge, intelligente und gebildete Menschen aus unserer Community, die nicht viel von Politik halten, da diese in den Herkunftsländern kein besonders hohes Ansehen genießt. Es wäre toll, wenn sie dies ändern würde und sie sich politisch mehr engagieren, da die Community ist bereits für ehrenhafte Tätigkeiten bekannt ist, die jedoch wenig bis keinen politischen Einfluss haben. Es sind keine Gastarbeiter mehr, sondern vielmehr angesehene Menschen mit erfolgreichen Karrieren, die auch gute Politiker wären. Jede Partei verfügt über eine eigene Politikakademie, der man sich anschließen kann. Selbstverständlich hätte ich gerne mehr Persönlichkeiten mit IĆ in der österreichischen Politik.

Ist es ein schwerer Weg?
Im Großen und Ganzen ist dies von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von der individuellen Vision, Hartnäckigkeit und dem Wunsch ab. Auch ich hatte mit mir selbst zu kämpfen, allerdings auch mit Personen innerhalb der Partei, wenn ich etwas zu schnell erreichen wollte. Ehrlich gesagt, habe ich einfach nicht aufgehört, auch wenn mir etwas missfallen hat. Ich habe meinem Temperament und meinem ausgeprägten Stolz nicht erlaubt, alles bisher von mir Erreichte zu vernichten. Wenn sich jemand dazu entscheidet, politisch aktiv zu werden, so muss er seine Gefühle und Emotionen unter Kontrolle haben.

Konstantin Dobrilović
„In Österreich gibt es viele junge, intelligente und gebildete Menschen aus unserer Community, die nicht viel von Politik halten, da diese in den Herkunftsländern kein besonders hohes Ansehen genießt“, so Dobrilović. (FOTO: Amel Topčagić)

Die FPÖ wird von einem Teil der Öffentlichkeit als antimigranten-Partei verstanden. Hatten sie aufgrund ihrer Herkunft negative Erfahrungen innerhalb der Partei?
Nein! Zudem bin ich nicht der einzige FPÖ-Funktionär, bzw. das einzige Mitglied mit Migrationshintergrund. Dieser Ruf wird uns angehängt, um uns zu schaden, während es unser einziges Ziel ist, Migranten zu integrieren, was im Interesse des Staates Österreichs und aller ist. Wenn unsere Partei anti-migrantisch wäre, dann hätten einige unsere Funktionäre keine Ehefrauen mit ausländischen Wurzeln.

Kürzlich hat Sie ein politischer Gegner öffentlich für Ihre Beziehung zu serbischen Vereinen kritisiert.
Ja, Herr Marcus Franz, der Bezirksvorsteher des 10. Bezirks, sagte, dass die FPÖ und ich serbischen Vereinen aus Favoriten Unterstützung versprochen haben, welche sie niemals bekommen hätten. Das ist eine Unwahrheit, da wir bei den Sitzungen der Kulturkommission der FPÖ niemals gegen finanzielle Hilfe für Vereine der Balkan-Community gestimmt haben. Wir helfen dabei, zahlreiche Kultur- und Sportveranstaltungen in der Stadt zu realisieren, weshalb ich die Aussage von Herrn Franz überhaupt nicht nachvollziehen kann. Womöglich liegt es daran, dass Serben aus Favoriten unserer Partei immer mehr Stimmen geben bzw. unsere Parteiveranstaltungen immer häufiger besuchen und deswegen in den Reihen der SPÖ Panik ausbrach.

Und zu guter Letzt: Was würden Sie KOSMO gerne in einem Interview in fünf Jahren erzählen?
Ich würde gerne ein Mandat im EU-Parlament hinter mir haben, wo ich rot-weiß-rot, d.h. die österreichische Politik vertete – oder aber ein Mandat auf Bundes- bzw. Landesebende, wo ich stolz die FPÖ-Politik vertrete. Ich würde gerne von meiner Arbeit in diversen Ausschüssen, sowie einer erfolgreichen Annäherung von Menschen und Politik sprechen.

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