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GESCHICHTE

Die vergessenen Helden einer großen serbisch-albanischen Freundschaft

Vukmirovic-Sadiku-Serbe-Albaner
Die Büste von Ramiz Sadiku im Stadtpark von Prishtina. Daneben stand auch jene seines Kameraden Boro, die jedoch 1999 entfernt wurde. (FOTO: Wikimedia Commons/BIRN/Andy Mabbett)

Der Serbe Boro Vukmirović und der Kosovo-Albaner Ramiz Sadiku wurden zu jugoslawischen Helden, nachdem sie gemeinsam im Kampf gegen den Faschismus starben.

so lauten einige der Verse eines Gedichtes über die beiden Partisanen, die im Zweiten Weltkrieg gegen den Faschismus kämpften. Gelernt wurde es von allen kosovarischen Schülern, egal ob es sich um ethnische Serben oder Albaner handelte. Vukmirović und Sadiku werden darin als zwei Körper desselben Blutes beschrieben, die am Tag ihrer Erschießung zu Helden wurden.

Verwundet und ermordet
Im April 1943 brachen die beiden Partisanen zu einem Treffen mit einem Mitglied der kommunistischen Partei Jugoslawiens auf. Auf ihrem Weg nach Prizren gerieten sie in einen Kampf mit italienischen und albanischen Faschisten der Balli Kombëtar (deutsch: Nationale Front).

Vukmirović und Sadiku wurden dabei verwundet und gefangengenommen. Da die Balli Kombëtar wusste, dass es sich bei den Beiden um hochrangige Mitglieder der jugoslawischen Partisanen handelt, wurden sie gefoltert, um an Informationen zu gelangen.

Landovice-Denkmal-1963
Das Denkmal für Vukmirović und Sadiku in Landovice (1963), welches nach dem Kosovo-Krieg abgerissen wurde. (FOTO: Spomenikdatabase.org)

Der Serbe und der Kosovo-Albaner blieben stark und sagten kein Wort. Daraufhin wurde ihre Ermordung befohlen. Auch wenn die Erschießung einzeln erfolgen hätte sollen, so sollen Vukmirović und Sadiku die Arme um den jeweils anderen gelegt und Partisanen-Slogans gerufen haben. Schlussendlich wurden sei gemeinsam getötet.

„Wir sind ein Himmel, zwei Blätter desselben Astes zwei Steine aus demselben Fluss…“

Posthume Ehrung
Nach dem Kriegsende wurden Vukmirović und Sadiku zu Helden erklärt und waren Symbole der von Tito propagierten Ideologie der „Brüderlichkeit und Einigkeit“.

Zahlreiche Straßen und Schulen am Kosovo und in anderen teilen des ehemaligen Jugoslawiens trugen ihre Namen. Am Ort ihrer Exekution, unweit des Dorfes Landovica (bei Prizren) steht ein Denkmal, welches ihren kameradschaftlichen Tod symbolisiert.

Heute wird die Geschichte von Boro und Ramiz allerdings vielerorts anders interpretiert und ihre serbisch-albanische Kameradschaft geriet fast zur Gänze in Vergessenheit. Selbst vor dem Denkmal machte man nicht halt. Es wurde während des Kosovokrieges in den 90er Jahren entfernt und stattdessen ein Denkmal für die Befreiungsarmee des Kosovo, die gegen Belgrad kämpfte, errichtet.